"Wenn ich an Bill Clinton denke, fällt mir immer zuerst Monica Lewinsky ein." Um dieses Bild des früheren US-Präsidenten, das nicht nur Dietmar Gaiser hat, zurechtzurücken, war Rüdiger Löwe am Montagabend nach Kulmbach gekommen. Löwe, früher leitender Redakteur beim Bayerischen Fernsehen, ist nicht nur ein ehemaliger Kommilitone von Bill Clinton, sondern seit dem ersten Zusammentreffen 1967 ein enger Freund des ehemaligen US-Präsidenter. Einer von zweien in Deutschland, wie Journalistenkollege Dietmar Gaiser beim Akademiegespräch in der Akademie für Neue Medien in Kulmbach verrät. Der andere ist Helmut Kohl.
Rüdiger Löwe plauderte vergnügt drauf los, zeigte winzige gemeinsame Schwarz-Weiß-Fotos aus den 1960er Jahren, verriet Anekdoten, tat aber auch seine Einschätzung zu brisanten aktuellen Themen wie Abhörskandal oder Krimkrise kund. Dabei wurde deutlich, dass es der aus Bamberg stammende Referent war, der Bill Clinton lange vor seiner Präsidentschaft in die Region geholt hat.

An der Zonengrenze

Oft sei Clinton damals in Bayern gewesen, mehrere Male in Bamberg, einmal in Coburg. Bei Blankenstein habe sich der spätere US-Präsident einen ersten Eindruck von der damaligen Zonengrenze verschafft. Zusammen sei man den Eisernen Vorhang bis weit in das Hofer Land gefahren. "Clinton war erschüttert", erinnert sich Rüdiger Löwe. Aber so habe der Präsident erstmals ein Gefühl für ein geteiltes Land bekommen.
"Die Amerikaner haben eben ein anderes Selbstverständnis", sagte Löwe auf die Frage, warum es eine gesetzliche Krankenversicherung in den Vereinigten Staaten so schwer hat. Die meisten Amerikaner würden sich noch immer als das auserwählte Volk betrachten, da sei eben kein Platz für eine solidarische Versicherung. Und irgendwie habe das Ganze auch mit Spionage zu tun. "Ich glaube nicht, dass sich da was ändern wird. Es wird weiter kräftig abgehört", so der Referent.

Die Krim-Krise

In Sachen Krim-Krise ging Löwe davon aus, dass es nicht zu einem Krieg kommen werde, auch wenn Präsident Obama sich dem Vorwurf aussetzen müsse, dass er die Krise mit seiner Soft-Power-Strategie verharmlose.
Viel interessanter für die Zuhörer im Langheimer Amtshof waren freilich die kleinen menschlichen Anekdoten rund um Bill Clinton, die Rüdiger Löwe persönlich mitbekommen hat. Etwa wie er den späteren Präsidenten am Rande einer Studentenkonferenz 1967 unter den Tisch getrunken hatte. Sein Trick war es, zuvor reichlich Salatöl zu konsumieren, so dass der Alkohol angeblich nicht sofort ins Blut gelangte.
So sei sein halbe Liter Bourbon eben schneller leer gewesen als der von Clinton, der noch am nächsten Tag unter den Folgen des Wett-Trinkens gelitten habe. "Da verriet ich ihm das Geheimnis mit dem Salatöl und fortan waren wir Freunde", so Rüdiger Löwe.

Die Lebkuchen-Liebe

Oder die Geschichte mit den Lebkuchen, die Bill Clinton über alle liebe. 1982 sei Clinton als Gouverneur in Nürnberg zu Gesprächen mit Siemens gewesen. Mit dabei natürlich Rüdiger Löwe, der Clinton und dessen Delegation in eine Lebkuchenladen führte, eigentlich nur, um die Zeit zu überbrücken. Von da an sei Clinton auf den Geschmack gekommen, und er, so Löwe, habe ihm immer Lebkuchen mitbringen müssen. Sogar aus Selb seien welche dabei gewesen. In einem dortigen Café hänge ein Beweisfoto von der persönlichen Übergabe.

Verhaftet und interniert

Rüdiger Löwe hatte bei seiner Stippvisite am Montag in Kulmbach aber auch noch eine ganz andere Geschichte im Gepäck, die nichts mit Bill Clinton zu tun hat, wohl aber mit Thomas Dehler, dem früherer Bundesjustizminister aus Lichtenfels. Dehler sei es zu verdanken, dass seine Mutter den Krieg überlebt hatte.
Die Mutter sei bereits 1942 verhaftet und interniert worden, weil sie als Beschäftigte im Oberkommando der Wehrmacht öffentliche Kritik an den Nazis geübt hatte. Da habe sich der Rechtsanwalt Dehler des Falles angenommen und in den Wirren der letzten Kriegstage erreicht, dass die Mutter freigelassen wurde.