Seit zwei Jahren steht das 1997 eröffnete Stadtsteinacher Caritas-Haus unter der Leitung des Diözesanverbands, nachdem es in der Trägerschaft des Caritas-Kreisverbands Kulmbach in die roten Zahlen gerutscht war und den gesamten Verband in die Insolvenz zu ziehen drohte. Zur Einrichtung gehört auch die bereits 1992 eröffnete Kurzzeitpflegestation. Nach der Übernahme eingestellt wurde im vergangenen Jahr der Service "Essen auf Rädern". Hintergrund: hohe finanzielle Defizite.

Die haben jetzt wohl auch zu einer drastischen Erhöhung der Kosten für Heimplätze geführt, von denen es in Stadtsteinach inklusive Kurzzeitpflege 78 gibt. Offiziell wird eine Änderung des Pflegestärkungsgesetzes als Begründung angeführt, die neue Kosten in die Kalkulation dränge. "Bis zu dem Gesetz konnten wir noch nicht einmal unsere Lohnkosten umsetzen", sagt Heimleiter Martin Pühl, der von einer sehr guten Vergütungsstruktur bei der Caritas spricht. "Wir haben das Haus in einer sehr desolaten Phase übernommen und sehr viel investiert, aber wir müssen wenigstens das bekommen, was wir ausgeben", hatte Bereichsleiterin Friederike Müller vom Diözesan-Caritasverband Bamberg in einer ersten Stellungnahme erklärt.

Was den Familien bei allen finanziellen Sorgen am meisten übel aufgestoßen ist, ist die Art und Weise, wie sie informiert wurden und wie das Treffen am Montag ablief. "Wir waren alle entsetzt, dass die Preissteigerung um bis zu 25 Prozent mit einem Vorlauf von nur vier Wochen angekündigt wurde", sagt Reinald Kolb, dessen Mutter in St. Marien lebt.

Spontanumzug nicht zuzumuten

Unabhängig davon, dass die Erhöhung für manche Familie "nicht schulterbar" sei, habe man das Gefühl bekommen, dass da eine Monopolstellung ausgenutzt werde, so der Stadtsteinacher. Denn: "Wie soll man in so kurzer Zeit eine andere Unterbringung finden?" argumentiert Kolb und stellt zugleich die Frage, ob ein Spontanumzug einem alten Menschen überhaupt zuzumuten ist. "Da musst du die Kröte schlucken." Und: Das eingeräumte Sonderkündigungsrecht habe vor diesem Hintergrund mancher sogar als Drohung empfunden.

Dass am Montag auch Pflegedefizite im Haus heftig kritisiert wurden, sieht Kolb in der Summe so: "Das ist wie ein Eitergeschwür aufgebrochen." Kritisiert worden sei, dass die alten Menschen zu wenig beschäftigt werden, dass bauliche Kapazitäten nicht ausreichen und beispielsweise vier Rollstuhlfahrer an einem kleinen Tisch zum Essen sitzen oder Senioren vorsichtshalber gewickelt werden, falls keine Zeit bleibe, sie zur Toilette zu bringen. Ausdrücklich ausgenommen worden von dieser Kritik sei das Personal, das durch einen hohen Krankenstand sogar nach Notfallplänen gearbeitet habe.

Reinald Kolb, der für die Betreuung seiner Mutter in St. Marien künftig 250 Euro pro Monat mehr aus eigener Tasche bezahlen muss, kann auch die finanzielle Argumentation nicht nachvollziehen. Angeblich habe die Caritas über Jahre draufgezahlt. Und nun ergebe sich eben der Eindruck, als wolle der Verband die Defizite der letzten Jahre ausgleichen. Und: "Welcher Betrieb kann es sich schon leisten, von jetzt auf dann den Preis für eines seiner Produkte um 25 Prozent anzuheben?"

"Empört und entsetzt" war Helga Bergbauer nach dem Angehörigentreffen am Montag. Die Kulmbacherin hatte ihre Mutter einst nach Stadtsteinach gebracht, weil andernorts kein Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen war. Und anschließend sei sie dort geblieben, weil die Familie mit der Pflege zufrieden war. Das ist Helga Bergbauer jetzt nicht mehr. Und sie wird künftig auch jeder Unregelmäßigkeit nachgehen und gegebenenfalls an höherer Stelle melden. Dass ihre Mutter den ganzen Tag im Rollstuhl sitzen müssen, könne einfach nicht sein.

"Holen die Mutter da raus"

Die Familie Bergbauer, die in drei Jahren über 300 Euro Preissteigerung für den Heimplatz hinnehmen musste ("Das kann und will ich nicht mehr bezahlen. Wir holen die Mutter da raus") ist erschüttert, dass es bei dem Treffen nur um Zahlen ging. "Eigentlich sollte es doch um das Wohl der Menschen gehen", klagt die Kulmbacherin und glaubt nicht, dass die Löhne für die Erhöhung ausschlaggebend waren. Ironie am Rande: Ihre demente Mutter gehört dem Heimbeirat an und hat die Preiserhöhung mit abgesegnet...

Heimleiter Martin Pühl macht kein Geheimnis daraus, dass sich die Caritas-Verantwortlichen am Montag "auf einen nicht einfachen Abend" eingestellt hatten. Bei der Beitragserhöhung gehe es aber einzig und allein um Kostendeckung. "Wir wollen nicht daran verdienen."

Dass es dann auch zu heftiger Kritik an den Pflegeleistungen gekommen ist, "das haben wir nicht erwartet". Denn: "Das passt nicht zum Caritas-Verständnis von Pflege."

Wie der Seniorenheimleiter betont, nehme man die Beschwerden sehr ernst und reagiere umgehend darauf. So sei es unter anderem vorgesehen, künftig den Mehrzweckraum auch für die Einnahme von Mahlzeiten zu nutzen, um die räumliche Situation zu entzerren. Dazu brauche man allerdings auch neue Ablaufpläne für das Personal.
Wie Pühl weiter betont, sind bereist im Vorfeld des Treffens personelle Neuordnungen erfolgt, die sich nun einspielen müssten, bis sich die gewünschten Erfolge zeigen.

Ob die Caritas neben einer spontanen Kündigung eines Heimplatzes am Montag weitere Vertragsauflösungen hinnehmen musste? "Wir haben bisher keine schriftlichen Kündigungen bekommen."