Ertrinken gehört noch immer zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. Unter den 79 Menschen, die 2014 in Bayern ertrunken sind, waren viele junge Menschen. Eine traurige Bilanz, die deutlich macht, wie wichtig es ist, dass Jungen und Mädchen schon in jungen Jahren das Schwimmen lernen. Ronald Beyerlein, der Vorsitzende des Wasserwacht-Ortsgruppe in Stadtsteinach, verrät im Interview, ab welchem Alter Kinder ein Kurs absolvieren sollten. Er macht deutlich, dass es dabei nicht nur um das Ablegen des Seepferdchen-Abzeichens geht.

Schon in ganz jungen Jahren können sich Kinder mit dem Element Wasser vertraut machen: beim Babyschwimmen oder auch bei Wasser-Gewöhnungskursen mit den Eltern. Halten Sie solche Kurse für sinnvoll?

Ronald Beyerlein:
Sie sind aus meiner Sicht durchaus sinnvoll. Wir haben in den vergangenen Jahren auch in Stadtsteinach Kurse abgehalten, bei denen Eltern ihre Kleinkinder spielerisch mit dem Element Wasser vertraut gemacht haben. Das ist wichtig - auch mit Blick auf spätere Schwimmkurse. Denn da müssen wir den Kindern in den ersten Stunden oft erst einmal die Angst vor dem Wasser nehmen.

Ab welchem Alter sollten Kinder einen Schwimmkurse machen?
In der Regel nicht vor dem fünften Lebensjahr, denn erst ab diesem Alter sind die motorischen Fähigkeiten so ausgeprägt, dass Kinder das Schwimmen richtig lernen können. Manche sagen, sie sind soweit, wenn sie sicher und ohne Stützräder Fahrrad fahren.

Welche Schwimmarten lernt man in so einem Kurs?
In Deutschland sowie in vielen europäischen Ländern wird den Kindern zuerst das Brustschwimmen beigebracht, in den USA dagegen das Kraulen. Bei Brust ist die Herausforderung größer, denn den Kindern wird einiges an Koordination hinsichtlich der Arm- und Beinbewegungen abverlangt.

Was sagen Sie Eltern, die Kindern das Schwimmen selber beibringen wollen? Bietet ein Kurs Vorteile?
Wir begrüßen es durchaus, wenn sich Eltern die Zeit nehmen, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen. Wir geben, wenn gewünscht, dann natürlich auch gerne Tipps, damit das Schwimmen nicht zum Paddeln wird. Das Lernen in der Gruppe hat aber natürlich Vorteile. So werden etwa Kinder, die sich den Sprung ins Wasser noch nicht zutrauen, von anderen Teilnehmern aufgemuntert und motiviert. Sie schöpfen dann oft sehr schnell Mut.

Was macht einen guten Schwimmkurs aus?
Die Gruppen dürfen nicht zu groß sein. Bei uns nehmen an einem Schwimmkurs maximal zwölf Kinder teil. Wir halten heuer zwei Lehrgänge ab. Einer ist ein Eltern-Kind-Kurs, bei dem Mütter und Väter mit ins Wasser gehen. Die Eltern werden von uns angeleitet, welche Tipps sie ihrem Kind geben sollen. Da jedes Kind damit quasi einen eigenen Betreuer hat, ist so ein Kurs eine tolle Sache.

Kann man sich in Stadtsteinach 2016 noch für einen Schwimmkurs anmelden?
Wir sind bereits ausgebucht. Alle Eltern, die ihre Kinder in Stadtsteinach in einen Kurs schicken wollen, müssen wir leider vertrösten.

Oft wird das Ziel gesetzt, nach Abschluss das Seepferdchen abzulegen. Warum macht man das in Stadtsteinach nicht?
Wer will, kann am Ende des Schwimmkurses natürlich auch bei uns das Seepferdchen machen. Das ist aber nicht das vordergründige Ziel. Wir wollen, dass Kinder, die in ein Becken fallen, es schaffen, aus eigener Kraft wieder aus dem Wasser herauskommen.



Vorsicht bei Schwimmflügeln

Eltern, die ihre Kinder mit Schwimmflügeln ins Schwimmerbecken lassen - für Ronald Beyerlein von der Stadtsteinacher Wasserwacht ist das unverantwortlich.
"Leider habe ich schon erlebt, dass Kinder beim Toben im Wasser die Schwimmflügel verloren haben und untergegangen sind." Die Wasserwacht habe das Kind retten müssen. Das Elternteil, das mit im Becken war, habe das Kind nicht gesehen. "Weil man vom Wasser aus natürlich nicht den besten Überblick hat und in solchen Situationen Panik auftritt."

Die Wasserwacht vertreibe Kinder mit Schwimmflügeln nicht aus Spaß an der Freude aus dem tiefen Wasser, "sondern um Unfällen vorzubeugen".


Springen ist gefährlich

Dass es mit den aufblasbaren Schwimmhilfen leicht zu Unfällen kommen kann, das betont auch Gerhard Finkenzeller, der Leitende Arzt der Unfallchirurgie am Kulmbacher Klinikum. Nicht unerheblichen Gefahren seien die ausgesetzt, die etwa vom Ein-Meter-Brett springen. "Da werden die Arme abrupt nach oben gerissen, und es kann zu nicht unerheblichen Verletzungen am Schultergelenk kommen."

Der Kulmbacher Unfallchirurg kennt auch Fälle, bei denen Kinder die Flügel im tiefen Wasser verloren haben. Schwimmflügel sollten diese nach seinen Worten deshalb nur dort tragen, wo sie noch stehen können. Finkenzeller: "Ansonsten rate ich davon ab. Die Kinder sollten lieber das Schwimmen lernen."