Sie waren im Kindergarten und später in der Schule und im Fußballverein unzertrennlich: Sebastian Mühlbauer, Fabian Bauerschmidt, Christian Fischer und Patrick Heinsch, doch das Studium trieb den gebürtigen Berliner Patrick Heinsch in die Ferne bis in die USA und nach Brasilien. Die Verbindung ist aber nie abgerissen und dieser Tage traf man sich zum Grillfest, um wieder einmal in Erinnerungen zu schwelgen.

Die Zeit im Juniorenfußball schweißte die vier besonders zusammen, es war auch eine erfolgreiche Zeit mit einer Meisterschaft in der A-Jugend. Während Sebastian Mühlbauer, Fabian Bauerschmidt und Christian Fischer weiter ihre Fußballschuhe für den FC Neuenmarkt schnüren, beendete Heinsch seine Fußballerkarriere.
Der erste Auslandsaufenthalt war 2009 in den USA: "Ich hatte mir das in den Kopf gesetzt und habe geschaut, was es da für eine Organisation gibt und habe es auch privat gezahlt. Die Schule am MGF wurde ein halbes Jahr ausgesetzt, aber das war kein Problem, denn ich ging ja in den USA auch zur Schule. Ich bin damals zu Direktor Fischer gegangen und habe gesagt, ich würde das gern machen. Das war beim MGF überhaupt kein Problem."



Studienvergleiche

Der zweite USA-Aufenthalt kam 2013 während seines Studiums an der Uni Gießen, damals studierte Heinsch in Amerika ein halbes Jahr Betriebswirtschaftslehre: "Ich fand das Studium an der Uni im texanischen El Paso im Vergleich zu Deutschland relativ leicht. Ich habe das mehr oder weniger im Vorbeigehen gemacht und von meiner Wohnung aus konnte ich Mexiko sehen." An Amerika hat der Weltenbummler wunderbare Erinnerungen: "Ich bin da unheimlich viel rumgereist und habe alle möglichen Sportveranstaltungen angeschaut." Auch die Freizügigkeit hat Patrick Heinsch gut in Erinnerung: "Ich bin mal auf eine Ranch gegangen und habe zwei Stunden mit scharfen Waffen geschossen. Da haben wir einfach mal für 200 Dollar Munition weggeballert."

Heinsch studierte moderne Fremdsprachen, Kultur und Betriebswirtschaft an der Uni Gießen: "Ich habe da Englisch und Spanisch zusammen mit Betriebswirtschaft studiert. Ich wollte Fremdsprachen plus Wirtschaft studieren und bin dorthin, wo es das gab. Es gab damals noch Studiengebühren in Bayern und Wohnungsknappheit an den bayerischen Studienplätzen; von daher hat sich die Uni Gießen einfach angeboten." Den Bachelor in Spanisch und Englisch sowie in BWL machte er 2015. Auch ein Praktikum bei der Lufthansa in Frankfurt absolvierte er fast zeitgleich.

Danach ging Heinsch nach Brasilien: "Weil ich dort eine Freundin hatte, die ich 2013 im Auslandssemester in den USA kennenlernte." Nahezu eineinhalb Jahre verbrachte Heinsch in Brasilien, dem flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößten Staat der Erde. Als Sprachlehrer verdiente Heinsch monatlich 450 Euro, um über die Runden zu kommen: "Es war eine Sprachschule, aber es war ganz anders als bei uns, denn die größte Klasse, die ich hatte, waren fünf Leute."

Da Heinsch bei den Eltern seiner Freundin mietfrei wohnen konnte, reichte das Geld. In Brasilien lernte Heinsch krasse Lebensverhältnisse kennen.

Was die Slums angeht, stellt er rückblickend fest: "Am besten man geht dort gar nicht hin. Mit unserer Hautfarbe würde ich da mal nicht reingehen, vor allem bei 35 Grad mit heruntergelaufener Sonnenmilch. Ich hatte aber einmal einen Freund in Rio und da wohnte die Oma in so einer Favela."

Man kann sich in Rio die glitzernden Strände, die weißen Häuserteppiche und den Zuckerhut anschauen. Man kann aber auch ins Raue, das Authentische der Stadt eintauchen - in die Favelas, die Armenviertel. Dort glitzert die Sonnenicht im Meer, sie brennt auf Regentonnen und schiefe Ziegelhütten. Patrick Heinsch: "Man muss es einmal erleben, dann weiß man, dass es einem gut geht. Das Bad hatte nur einen Vorhang und man konnte auf dem Klo nicht einmal in Ruhe sitzen."


Heim zur Mama

Patrick Heinsch taucht immer wieder gern bei seiner Mutter in Neuenmarkt auf. Und natürlich ist ein Abstecher zu den alten Freunden ein absolutes Muss.

Seit Donnerstag ist Patrick Heinsch an der Uni Marburg, um dort seinen Master in englischer Linguistik und Web-Technologie zu machen.

Und dann? "Ja, am liebsten wäre es mir, irgendwas mit der Lufthansa oder Airlines-Fluggesellschaften zu bekommen. Das ist einfach optimal, denn da kann man billig fliegen und viel sehen."