Wer Helmut Vorndran kennt und schon einmal bei einer seiner Lesungen war, konnte sich am Donnerstagabend in der Buchhandlung Friedrich überraschen lassen. Vor dem Publikum nahm nicht der verschmitzte Krimiautor Platz, sondern ein äußerst informierter Autor, der seinen ersten historischen Roman vorstellte.

"Wer noch nie ein Buch von mir gelesen hat, ist heute eindeutig im Vorteil", witzelte Helmut Vorndran dennoch, bevor er seine Zuhörer auf eine Zeitreise in unsere keltische Vergangenheit mitnahm.

Denn genau dort, 45 vor Christus, spielt sein neuer Roman "Isarnon - Stadt über dem Fluss", eigentlich idealer Stoff für eine monumentale Verfilmung. Fünf Jahre hat Vorndran für das Buch recherchiert, hat sogar in Schottland Gälisch gelernt, die alte keltische Sprache.


Gälisch so alt wie Latein


"Das schottische Gälisch ist so alt wie Latein", erklärte der Autor und verwies auf einige Wörter in unserem heutigen Sprachgebrauch, die keltischen Ursprungs sind. Der Begriff Amt beispielsweise geht auf den "ambactus" zurück, den Gesandten eines keltischen Fürsten, der die Steuern eintrieb. Oder "carros", der Wagen, der im umgangssprachlichen Gebrauch bei uns als Karre bezeichnet wird. Linon war das Leinen, und, Achtung oder auf Keltisch "Oha": Der Hanf wurde als "cannabi" bezeichnet.

Die Zuschauer waren also nicht nur zu einer Lesung gekommen, sondern bekamen einen kleinen Exkurs in die Geschichte gleich mitgeliefert. Und zwar in die Geschichte der Kelten, die Helmut Vorndran bereits fasziniert, seit er das erste Mal in seiner Jugend auf den Staffelberg kletterte. "Damals schon habe ich für mich beschlossen, dass ich ein Buch über diese Zeit schreiben möchte."


Ein Viertel keltischer Abstammung


Vorndrans starke Bindung zu den Kelten und deren Kultur und Gebräuche ist wohl nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass er selbst zu einem Viertel keltischer Abstammung ist. "Hier in der Gegend des Mains lebte vermutlich der keltische Stamm der Helvetier, die sich bis hinunter zur heutigen Schweiz ausdehnten", sagte der Autor. Und eben hier spielt auch der Roman rund um den jungen keltischen Schmied Mavo, der vor zwei Jahrtausenden gegen die germanischen Hermunduren in den Krieg zog, um die Heimat zu verteidigen.

"Aber obwohl mein Roman hier in der Gegend spielt, wird der Leser vieles nicht wiedererkennen", erklärte Vorndran, der seinen Schauplätzen natürlich keltische Namen gegeben hat, teils überliefert wie die ehemalige keltische Stadt "Menosgada" auf dem Staffelberg, teils fiktiv. "Es ist ein Buch, das mir sehr am Herzen lag, und das ich eigentlich schon zu Beginn meiner schriftstellerischen Tätigkeit schreiben wollte, aber von der Verlagsseite noch nicht durfte." Ein Roman über das Leben und den Tod, über die Kultur und den Niedergang der Kelten.


Drei - eine magische Zahl


"Das faszinierende ist, wie die Kelten gedacht haben", führte Vorndran seinen Exkurs fort. "Wir denken heute binär, es gibt ein Entweder und ein Oder."

Für die Kelten aber gab es immer einen gleichberechtigten dritten Standpunkt, die Zahl drei war magisch. Weiterhin gingen sie achtsam mit ihrer Umwelt um, denn ihrem Glauben nach lebte in jeder Pflanze, in jedem Stein oder in jedem Loch ein Lebewesen, das es zu schützen galt. "In dieser Hinsicht sollten wir vielleicht heute auch ein wenig mehr keltisch denken", mahnte der Autor.


Gäste stimmen Schlachtruf an


Er entführte seine Zuhörer in die spannende Welt von Mavo und seiner Geliebten Noreya, die vom germanischen Stammesfürsten geraubt wird. Zeit für Mavo, in den Krieg zu ziehen und den Schlachtruf der Keltenstämme in den Tälern erschallen zu lassen - was Helmut Vorndran übrigens tatsächlich mit den Besuchern als Experiment durchführte. Nachdem er zum Anfang seiner Lesung den klingenden Stahl seines eigens für ihn gefertigten Keltenschwertes demonstriert hatte, ließ er mit seinen Zuhörern am Ende ein lautstarkes "Ho!" durch die Buchhandlung Friedrich hallen.

"Er ist eben doch ein Unikum, der Helmut Vorndran, und das wird sich auch nicht ändern", sagte Inhaberin Christine Friedlein mit einem Augenzwinkern.