Auf dem Werkzyklus "Fernes Blau so nah" ist nur ein Hauch zu sehen: verwelkte Blätter, die grau in grau und mit dezentem Weiß durch das Blau-Grau des Himmels getrieben werden. Die Seiten der Blätter sind schon eingerollt - vielleicht ein Zeichen für Vergänglichkeit. Zum Teil sind im Hintergrund Wolken, helle Inseln oder sonstige Hoffnungsschimmer angedeutet. Manche Bilder wirken geheimnisvoll, manche melancholisch, manche aber auch heiter und zuversichtlich. Cornelia Morsch hat sich bei ihrer Kunst dem "spitzen" Stift verschrieben. "Ihre Bilder sind von faszinierender Schönheit. Sie haben einen Wow-Effekt", sagte Dekan Jürgen Zinck bei der Vernissage.

Schon vor zwei Jahren hatte der Kulmbacher Dekan den frommen Wunsch geäußert, einmal eine große Ausstellung mit Morschs Kunstwerken in der Petrikirche zeigen zu dürfen. Es hat ein bisschen gedauert, aber jetzt hat es geklappt.

Geheimnisvolle Tiefen

"Cornelia Morsch überzieht den Zeichenkarton mit kurzen Strichrhythmen, die sie gliedert und in Bewegung setzt. Jeder Strich hat seinen Platz, wird zu einer samtigen Oberfläche verwoben oder als Linie deutlich herausgehoben", schwärmte Zinck. Für die Betrachter träten in den Bildern Strukturen und eine geheimnisvolle Tiefe hervor. Es entstünden Landschaften, Nebel, Regen, Wolken, Gegenstände. "Es ist ein Wechsel zwischen Lebensfreude, Vergänglichkeit und Abschied. Diese Ausstellung lädt wie keine andere zur Meditation ein", so Zinck.

Daher spielte Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn zur Ausstellungseröffnung auf der Orgel. Während das Publikum, das zahlreich in die Petrikirche gekommen war, nahezu andächtig vor den Kunstwerken stehenblieb und sich in die Bilder versenkte, erklang das Choralvorspiel "Nun bitten wir den heiligen Geist" von Balthasar Resinarius. Hahn hatte das Präludium und die Fuge in g von Nicolaus Bruhs, einen Fox und einen Blues von Andreas Willscher, ein fugiertes Vor- und Nachspiel von Adolph Friedrich Hesse und einen beeindruckenden "Festival March" von Robert Jones" ausgesucht.

Cornelia Morsch erklärte, dass sie Blau gewählt habe, weil diese Farbe Weite, Ferne und Tiefe symbolisiert. "Aber wenn ich mir vorher überlegt hätte, wie groß die Petrikirche ist, hätte ich die Ausstellung vielleicht nicht gewagt", sagte die Künstlerin, die nicht gerne selbst im Mittelpunkt steht. Bei der Präsentation der Bilder habe sie sich vom Kirchenraum inspirieren lassen. "Es ist auch für mich spannend, wie der Zyklus in seiner Gesamtheit wirkt", verriet sie.

Nächste Station: Kopenhagen

Die Betrachter zollten der Kulmbacherin großen Respekt, blieben minutenlang vor jedem einzelnen Bild stehen. Die insgesamt 43 Arbeiten, die in der Petrikirche gezeigt werden, gehen in wenigen Monaten auf große Reise nach Kopenhagen. Denn im Oktober ist dieselbe Ausstellung in der dänischen Hauptstadt zu sehen - bei der großen Kopenhagener Kulturnacht.

Stadt- und Kreisrat Michael Pfitzner (CSU) bezeichnete die Ausstellung als etwas ganz Besonderes. Mit Bewunderung sprach er von Cornelia Morschs Wirken und gab das Motto aus: "Ich schweige - die Bilder sollen sprechen ..."

Öffnungszeiten

Die Ausstellung in der Petrikirche ist - außer montags - täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet und endet am Sonntag, 28. Juli; sonntags zusätzlich mit Videoinstallation. so