Inspiriert wurde Kunstlehrer Andreas Schobert zu dem Thema durch den Künstler Martin Honert, der ihn mit seinen lebensechten Riesenskulpturen beeindruckte. "Ich habe Honerts Riesen bei einer Berlinfahrt im Museum gesehen und mal im Hinterkopf behalten", erzählte Andreas Schobert. Jetzt will er mit seinen Kunstschülern ebenfalls einen Riesen bauen, der dann ins Kulmbacher Rathaus einziehen soll.
Den Grundriss, die Entwürfe und das Gerüst bauen seine Schüler, die bereits mit den Vermessungen und der Ideenumsetzung befasst sind. Es soll ein schlafender Riese von etwa drei Metern Höhe werden, komplett bekleidet mit Schuhen, Hose, Kapuzenpulli, um eine möglichst realistische Erscheinung zu gewährleisten. "Das Gesicht wird er zur Wand gedreht haben", sagte Andreas Schobert, "das wäre schwierig, es originalgetreu anzufertigen." Das zur Wand gekehrte Gesicht sehen seine Schüler aber auch gleich als Botschaft, denn sie haben sich einige Gedanken zu dem Thema gemacht. "Er versteckt sich vielleicht im Rathaus, hat Angst, eingesperrt zu werden, weil er anders ist", meinte Luisa Kaiser aus der Q11, und auch für Aleyna Coskun sucht er Schutz bei den Beamten, "weil er von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird".
Für Konstantin Lauer könnte es ein Wanderer auf Reisen sein, der das Kulmbacher Rathaus als Anlaufpunkt nimmt, um zur Ruhe zu kommen, aber auch er hat den Aspekt von Akzeptanz und Anderssein in seiner Argumentation. Einen ganz anderen Ansatz hatte Leo Schels parat, der den Schlaf in den Pausen als wesentlich im Arbeitsalltag sieht. "Sich eine Pause zu gönnen ist sehr wichtig, und ein überdimensionaler Riese könnte dieser Bedeutung mehr Gewicht verleihen."


Fantasie und Spekulationen

"Kulmbach's Sleeping Giant" ist also viel mehr als nur ein schlafender Riese, viel mehr, als "nur" ein Kunstprojekt, viel mehr als nur ein Gerüst in einer ansprechenden Verkleidung. Er regt die Fantasie an, lässt Spekulationen zu, reizt zur weiteren Fragestellung: "Was passiert, wenn der Riese erwacht?", "Warum bin ich hier, warum bin ich anders?" Der Selbstinterpretation sind keine Grenzen gesetzt.
Damit das Riesenprojekt aber auch buchstäblich Gestalt annehmen kann, sind noch Helfer aus der Bevölkerung aufgerufen. "Wir haben leider niemanden unter uns, der nähen kann", sagte Andreas Schobert, also sucht der Kunstkurs händeringend nach engagierten Näherinnen und Nähern, die sich gerne in das Projekt einbringen möchten und überdimensionale Bekleidung nähen. "Auch Schuhe benötigen wir, und für Stoffspenden wären wir super dankbar", sagte der Kunstlehrer.
Wer sich angesprochen fühlt und die jungen Leute bei diesem tollen Projekt unterstützen möchte, meldet sich am besten bei Andreas Schobert per E-Mail unter andreasschobert@gmx.de, oder schaut auf die Facebook-Seite "Kulmbach's Sleeping Giant" - dort können dann auch die Projektfortschritte verfolgt werden.