Wenn Philipp Fiedler nach seinem Lieblingsplatz gefragt wird, braucht er nicht lange nachzudenken. "Die Bank vorm Haus", sagt der Kirchleuser. Heute erklärt er uns, warum das so ist:

"Schon immer habe ich mich meiner Heimat mit ihrer herben und doch so schönen Landschaft verbunden gefühlt. Bin so gerne gewandert, habe dem Gesang der Vögel gelauscht und mich an der schönen Natur und den Blumen am Wegesrand erfreut und nicht satt sehen können.


Natur in all ihrer Schönheit


Leider haben die altersbedingten Abnützungen in den Beinen den Traum vom Wandern arg eingeschränkt und beinahe zum Erliegen gebracht. So habe ich auf der Bank vorm Haus einen Ort gefunden, von dem aus sich die Natur in all ihrer Schönheit bequem beobachten lässt.

Sobald es im Frühjahr wärmer wird und es das Wetter gut mit mir meint, bin ich auf meinem Lieblingsplatz zu finden. Es freut mich zu sehen, wie die Natur erwacht, wie am Haus-Baum, einem Ahorn, den der Wind gepflanzt hat, die Knospen aufbrechen und neue Blätter hervorbringen.

Auch darunter haben sich die Schneeglöckchen und Krokusse von den letzten Schneeresten nicht abhalten lassen und sind zu neuem Leben erwacht. Das Futterhäuschen, das für die Vogelwelt im Winter als Nahrungsquelle so begehrt war, hat ausgedient. Jetzt besteht Interesse an meinen Nistkästen. Es gibt viel zu beobachten. Meisen, Kleiber, Stare, Amseln und Spatzen sind unentwegt auf der Suche nach einem geeigneten Brutplatz.


Nistkästen sind bei den Vögeln sehr gefragt


Es macht mich schon etwas stolz, dass meine Nistkästen bei den Vögeln so gefragt sind. Doch manchmal entsprechen sie doch nicht den Wünschen der Untermieter. So hat ein Kleiber- Pärchen nach wochenlangen Umbaumaßnahmen sich letztlich zu meinem Leidwesen doch noch für ein anderes Quartier entschieden.

Auch zwei Klangspiele hab' ich gebaut und in der Nähe der Bank angebracht. Bei leichter Brise verzaubern mich ihre leisen, wohlklingenden Töne. Sie erfüllen mich mit ihren Klängen bis ins Innerste und sind wahrhaft Balsam für die Seele.

Bald kann ich die Fütterung und Aufzucht meiner Nistvögel beobachten. Es ist erstaunlich, was sie an Kleintieren fangen müssen, um ihre Brut satt zu kriegen.

Entlang der Hausfront finden unsere Tomaten ihren Platz. Dafür habe ich fahrbare Untergestelle gebaut. Diese bieten Platz für alte Farbeimer, in denen die Pflanzen gut gedeihen können. Bei Nachtfrost und schlechtem Wetter kann ich sie ohne viel Mühe in der Garage unterbringen. So kann ich schon zeitig im Frühjahr mit der Aufzucht beginnen. Dieses Patent hat schon oft bei Gästen für Bewunderung gesorgt. Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man seine eigenen Tomaten dann ernten kann. Sie sind intensiver im Geschmack und auch nicht mit irgendwelchen Schadstoffen belastet.


Ungetrübte Freude


So ist mein Platz auf der Bank zu einem Zentrum geworden, der meine Gedanken auf unsere wunderbare Schöpfung lenkt und mir die ungetrübte Freude an unserer Natur erleben lässt.

Manchmal sitze ich dann auch da, schaue zu den Wolken hin und denke über die Sorgen des Alltags nach: Was wird die Zukunft bringen? Wie lange hält unsere Gesellschaft den Stress unserer schnelllebigen Zeit noch aus? Wie schön habe ich es doch, dass ich den Vogelsang und die Vielseitigkeit unser schönen Natur so erleben darf. Es ist zum Träumen. Glücksgefühle und Dankbarkeit erfüllen so mein Herz. Aus diesem Gefühl heraus habe ich über meine Beobachtungen auf meiner Bank schon einige Gedichte verfasst.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich hier an meinem Lieblingsplatz die Wunder der Natur im Jahresverlauf so erleben darf und wünsche mir von ganzem Herzen, dass mich der Herrgott noch lange Kraft und Freude dazu schenken möge."