Hans Gustav Bötticher - das ist ein deutscher Künstler und Humorist, der den meisten wohl eher unter seinem Pseudonym Joachim Ringelnatz bekannt sein dürfte. Seinen Künstlernamen leitete er offensichtlich von seinem Gedicht ab, das er einst über das Seepferdchen schrieb. "Seestütchen, Schnörkelchen, Ringelnass...", so heißt es darin, und diese Textzeile ist ganz typisch für den Humor des Kabarettisten.

"Er war einer der großen deutschen Lyriker und Humoristen des letzten Jahrhunderts, der zwar unpolitisch daherkam, aber dennoch 1939 von den Nationalsozialisten verboten wurde", erzählte Wolfgang Krebs zu Beginn der Vorführung. Er und seine beiden musikalischen Kollegen, Tanja Schaller und Thomas Schimmel, hatten nämlich erneut zu einem literarisch-musikalischen Abend in das Torwärterhäuschen eingeladen und konnten bei der Premiere am Sonntagabend das Publikum überzeugen.

Stundenlang hatte das Trio zusammengesessen, sich gegenseitig Texte vorgetragen, passende Musiktitel ausgewählt und so ein Programm zusammengestellt, das kurzweiliger nicht sein könnte. "Im August haben wir damit angefangen", sagte Tanja Schaller, die die Beschäftigung mit Ringelnatz als eine Bereicherung empfand. Sie war über Thomas Schimmel im letzten Jahr dazugestoßen, als der Pianist und Wolfgang Krebs eine zusätzliche Musikerin suchten, um die Darbietungen noch "bunter" zu gestalten. "Du musst einfach nur das machen, was du schon kannst", hatte Thomas Schimmel damals zu ihr gesagt, und so waren sie sich schnell einig geworden. Und jetzt funktioniere man als Trio ganz hervorragend, freute sich Schimmel.

Davon konnten sich die Premierenbesucher überzeugen. Sie lauschten - mal schmunzelnd, mal nachdenklich - den Gedichtchen und Geschichtchen des Joachim Ringelnatz. In verschiedene Kategorien aufgeteilt wurden bekannte, humorige Texte wie "Die Ameisen" oder "Ehrgeiz" ebenso vorgetragen wie Liebesbezeugungen oder Ringelnatz' kleine Wahrheiten und Weisheiten. "Ich hab dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken." Eines der vielen Aphorismen, die Ringelnatz immer wieder einsetzte, erklärte Wolfgang Krebs.

"Auch die besessensten Vegetarier beißen nicht gern ins Gras", gab Ringelnatz beispielsweise einmal von sich, oder: "Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt." Hinter den Weisheiten verbirgt sich durchaus auch Stoff, über den es sich nachzudenken lohnt - wie es bei jedem guten Kabarettisten und Humoristen der Fall sein sollte. Diese Stimmung verstand das Trio Tanja Schaller, Wolfgang Krebs und Thomas Schimmel auf hervorragende Weise zu transportieren.


Noch vier Termine geplant

Wer sich den unterhaltsamen Ringelnatz-Abend auf keinen Fall entgehen lassen möchte, sollte sich unbedingt Karten für die weiteren Aufführungstermine am 9., 10., 16. oder 24. Januar sichern. Karten und Infos unter 09203/9738680 oder info@schlosstheater-thurnau.de.