Die Staatsanwaltschaft legt dem Unternehmer zur Last, dass er bereits im Juni 2012 den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens hätte stellen müssen. Doch dieser Schritt sei erst am 27. September erfolgt.

Staatsanwalt Stefan Weidinger zeigte sich überzeugt, dass der Unternehmer spätestens seit Anfang Juni 2012 gewusst habe, dass die Firma nicht mehr in der Lage sei, ihre fälligen Verbindlichkeiten zu begleichen. Trotzdem habe der Angeklagte selbst beziehungsweise von ihm beauftragte Mitarbeiter Verträge mit Lieferanten geschlossen und Waren bezogen.


Lage war Mitarbeitern nicht klar

Den Mitarbeitern sei nicht klar gewesen, wie prekär die Situation des Betriebs gewesen ist, so dass sie weiterhin nach außen so auftraten, als ob die Firma gesund sei. Denn hätten die Kunden von den finanziellen Verhältnissen gewusst, hätten sie wohl auf Vorkasse oder Barzahlung bestanden oder die Verträge gar nicht abgeschlossen, so der Staatsanwalt.

Diesen Vermögensschaden habe der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen. Zahlreiche Firmen seien so auf offenen Forderungen sitzen geblieben. Den Gesamtschaden bezifferte Stefan Weidinger auf 135 845 Euro.

Eine Liquiditätsanalyse für den Zeitraum Februar bis September 2012 sowie die Auswertung der Bankauskünfte, die der Staatsanwalt rund eine dreiviertel Stunde verlas, zeigt die Entwicklung des Unternehmens mehr als deutlich: Während im Februar und März die liquiden Mittel gerade noch zur Deckung der Verbindlichkeiten reichten, änderte sich die Lage im Laufe des Jahres deutlich.

Bereits im April standen Verbindlichkeiten in Höhe von 1,2 Millionen Euro Mitteln in Höhe von 994 000 Euro gegenüber - was eine Unterdeckung von 208 000 Euro ergab. In den folgenden Monaten stieg diese Differenz immer weiter an, bis sie im September 1,6 Millionen Euro erreichte. Zu diesem Zeitpunkt standen Zahlungsforderungen von 1,68 Millionen Euro im Raum, während sich die liquiden Mittel lediglich auf 79 253 Euro beliefen. Das entspricht einer Unterdeckung von 95 Prozent.


Einspruch gegen Strafbefehl

Nach den Ermittlungen erging am 29. Mai 2015 ein Strafbefehl gegen den Unternehmer, der Einspruch dagegen einlegte. Ein erster Verhandlungstermin im Oktober vergangenen Jahres verlief ergebnislos. Gestern ging es nun in eine neue Runde, der Prozess ist auf mehrere Verhandlungstage angesetzt und wird sich über mehrere Wochen ziehen.

Der Unternehmer, der den Betrieb im Oktober 2011 nach eigenen Angaben für 2,8 Millionen Euro übernommen hatte, versicherte, er habe immer an eine Fortführung gedacht. Die Lieferungen der meisten Kunden seien durch sogenannte Patronatserklärungen abgesichert gewesen. Es seien sogar erst vor einigen Tagen Schreiben an elf Gläubiger-Firmen herausgegangen, in denen die Zahlung der Außenstände angekündigt wurden. Wie der Rechtsanwalt des Unternehmers, Ulrich Spieß aus Schweinfurt, erklärte, "geht es um Schadenswiedergutmachung."

Dass das so kurz vor der Verhandlung erfolgte, stieß bei Staatsanwalt Weidinger dann doch auf ein Stirnrunzeln.
Rein rechtlich hat das zudem keine Auswirkungen, wie Vorsitzende Richterin Diana Fritzsche ergänzte. Denn es hätte bei Fälligkeit gezahlt werden müssen. "Der Insolvenzantrag ist die Deadline. Was danach passiert, hat keine Auswirkungen auf das Verfahren."

Knapp 20 Zeugen wurden gestern vernommen, neben dem Insolvenzverwalter des Betriebs waren es ehemalige Kunden mit offenen Forderungen. Übereinstimmend berichteten sie von einer anfänglich guten Zahlungsmoral, die im Laufe der Zeit immer mehr nachgelassen habe.