Einfach zu Hause sitzen? Nichts tun? Für Heinz Konrad, Raymond Herrmannsdörfer und Alfred Schultheiß undenkbar. In einem Alter, wenn sich andere zur Ruhe setzen, stehen die drei Handwerksmeister noch auf der Baustelle oder in der Werkstatt. Sie haben den Unruhestand gewählt, weil sie mit Leib und Seele Handwerker sind und ihren Beruf als Berufung verstehen.
Sie haben ihr Handwerk von der Pieke auf gelernt und in ihrem Büro einen Meisterbrief an der Wand hängen. Am Samstag gesellte sich ein weiterer hinzu: Als verdiente Handwerksmeister, die das 65. Lebensjahr überschritten haben und mehr als drei Jahrzehnte ununterbrochen selbständig tätig sind, wurde ihnen im Haus des Handwerks der Goldene Meisterbrief verliehen. "Dieses Wertpapier muss man sich verdienen", meinte Präsident Thomas Zimmer von der Handwerkskammer (HWK) Oberfranken. Schultheiß, Herrmannsdörfer und Konrad hätten es sich durch Beharrlichkeit, Dynamik und erfolgsorientiertem Handeln verdient.

Heinz Vogel Ehrenobermeister


Am Samstag ging im Haus des Handwerks auch eine Ära zu Ende: Kreishandwerksmeister Heinz Vogel aus Unterzettlitz, der vor kurzem sein Amt in die jüngeren Hände von Günther Stenglein aus Schmeilsdorf gelegt hatte, wurde feierlich verabschiedet und zum Ehrenmeister des oberfränkischen Handwerks ernannt. Präsident Thomas Zimmer von der Handwerkskammer Oberfranken betonte, dass sich der Bauunternehmer ganz besondere Verdienste um das Handwerk und die Allgemeinheit erworben habe.
Zimmer beschrieb den Geehrten, der auch viele Jahre Obermeister der Bauinnung Kulmbach war, als eine Persönlichkeit, die immer geradlinig, offen, ehrlich und hilfsbereit gewesen und bei allem unternehmerischen Erfolg immer bescheiden und bodenständig geblieben sei. Mit einem Augenzwinkern sagte der HWK-Präsident: "Du bist nie abgehoben. Und wenn, dann nur, um Dir einen kompletten Überblick zu verschaffen, um über den Tellerrand hinauszublicken, um Perspektiven und Chancen, aber auch Gefahren und Risiken frühzeitig zu erkennen und die richtigen Schlüsse für Dich, Deine Familie und Dein Unternehmen zu ziehen."
Landrat Klaus Peter Söllner und Oberbürgermeister Henry Schramm würdigten die Bedeutung des Handwerks als stabilisierenden Faktor der heimischen Wirtschaft, der sich in Krisenzeiten standorttreu und ausbildungsfreudig gezeigt und keine Mitarbeiter entlassen habe. Söllner schwärmte von Vogel "als glänzendem Repräsentanten des Handwerks", der OB sprach von einem "verlässlichen Freund".
Vogels Nachfolger Günther Stenglein betonte: "Du hast ein wohl bestelltes Feld übergeben und mächtige Fußspuren hinterlassen, die von mir großen Einsatz erfordern, um ein würdiger Nachfolger zu werden."
Schreinermeister Jürgen Bodenschlägel aus Rugendorf wurde im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums das Prädikat "verdienter Ausbilder" verliehen. In zehn Jahren habe er rund 40 junge Menschen zu Schreinern und Bürokaufleuten ausgebildet.
Auch die Kreishandwerkerschaft Kulmbach führte zwei Ehrungen durch: Heidi Hasenfuß, die sich um das Prüfungswesen gekümmert hatte, wurde von Kreisgeschäftsführer Reinhard Bauer in den Ruhestand verabschiedet. Und die Sekretärin Ute Schramm feierte ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.