Das Thurnauer Oberland ist eine Windpark-Region. Zehn Mühlen drehen sich bereits bei Alladorf und Kleetzhöfe - jetzt kommen die Windräder Nummer 11 bis 18 hinzu, die landkreisübergreifend auf Thurnauer beziehungsweise Eckersdorfer Gemeindegebiet bei Lochau und Busbach entstehen. Windpark Vogelherd heißt das 40-Millionen-Euro-Projekt, dessen Planung die Regensburger Firma Primus Energie GmbH vorangetrieben hat und das jetzt von der Schwesterfirma Fronteris verwirklicht wird.


Was sagt der VGH?

Die ersten Windrad-Teile wurden angeliefert, der Turmbau hat begonnen. Doch auch wenn der Forst schon eine Großbaustelle ist - ein Ehepaar aus Lochau will zumindest Teile des Windparks noch verhindern. Roland und Andrea Balzer beklagen den angeblich zu geringen Abstand zu ihrem Wohnhaus, die Lärmbelästigung und führen naturschutzrechtliche Gründe an. Dass sie mit ihrer Klage am Verwaltungsgericht in Bayreuth abgeblitzt sind, schreckt sie nicht ab. Mit ihrem Rechtsanwalt Stefan Kollerer haben sie beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) Antrag auf Zulassung der Berufung gestellt. Über diesen haben die Münchner Richter noch nicht entschieden. "Da schon gebaut wird, werde ich ein Eilverfahren beantragen", sagt jetzt Stefan Kollerer.


Die Abstandsfrage

Ob es den erhofften Baustopp noch geben wird? Es ist unwahrscheinlich, doch der Jurist ist zuversichtlich, dass der VGH eine Grundsatzentscheidung zugunsten seiner Mandanten fällt. Der Abstand der Mühlen zum Haus der Familie Balzer betrage keinen Kilometer. Dabei hätte die 10-H-Regelung, nach der seit dem 4. Februar 2014 bei 200 Meter hohen Windrädern ein Mindestabstand von zwei Kilometern zur Wohnbebauung eingehalten werden muss, auch für Lochau gelten müssen, sagt Kollerer. Er ist der Auffassung, dass der Projektbetreiber zum Stichtag noch nicht alle erforderlichen Unterlagen am Landratsamt eingereicht hatte.

Das sieht die Firma Fronteris anders, die den Windpark Vogelherd mit einer Gesamtleistung von 19,2 Megawatt errichtet. Die sechs Windräder auf Eckersdorfer und die beiden auf Thurnauer Gemeindegebiet sollen sich schon im März drehen. "Wir sehen die Erfolgsaussichten einer Klage gegen Null und haben daher mit dem Bau begonnen", sagt Projektleiter Marcus Vilsmeier.

Hans-Dieter Vießmann, Umweltingenieur am Landratsamt, pflichtet ihm bei. Die Unterlagen, die benötigt worden seien, um das Verfahren einzuleiten, seien vor dem 4. Februar 2014 eingereicht worden. Dem Antrag auf Zulassung der Berufung räumt er daher wenig Chancen ein. Vießmann: "Solche Anträge wurden auch schon für die Windkraftanlagen bei Alladorf und Kleetzhöfe abgelehnt."


"Risse in den Wänden"

Betreiber des Windparks Vogelherd wird die Trianel GmbH aus Aachen sein, die 2015 einen Umsatz von über zwei Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Dass die Zahl der Windräder bei Lochau und Busbach von anfänglich elf auf acht reduziert worden ist und diese zu Brut- und Jagdzeiten von Vögeln in den Sommermonaten teils abgeschaltet werden müssen, ist für die Familie Balzer nicht genug. Sie übt deutliche Kritik am Windpark, der die Lebensqualität und den Wert der Wohnhäuser mindern werde. Allein die Schwertransporte würden immensen Schaden verursachen, sagt Roland Balzer: "Unser Nachbar hat schon Risse an den Wänden festgestellt."