Laufen, Springen, Radfahren, Kugelstoßen und vieles mehr muss man meistern, um sich ein Sportabzeichen zu verdienen. Peter Schwitz hat bereits 33 Mal mitgemacht.

"Einmal Bronze, der Rest alles Gold", berichtet er stolz. Für den Kulmbacher Sportabzeichenreferenten des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) ist das Sportabzeichen "wie eine kleine Olympiade", die ihm immer wieder die eigene körperliche Fitness bestätigt und sein gesundheitliches Selbstvertrauen stärkt.

Jedes Jahr von Juni bis September - außer in den Ferien - findet das Training statt, immer Freitagabend auf dem Sportplatz der Carl-von-Linde-Realschule. Mitmachen kann jeder, eine Mitgliedschaft im Sportverein ist nicht nötig. Allerdings lässt die Teilnahme in den letzten Jahren zu wünschen übrig. Im vergangenen Jahr haben die Kulmbacher nur 260 Sportabzeichen gemacht, der letzte Platz in der oberfränkischen Gesamtstatistik.

Vor allem Kinder und Jugendliche fallen zunehmend weg. Denn ein Garant für Sportabzeichen waren bisher die Schulen.

Herbert Hörath, Geschäftsführer des Arbeitskreises "Schulsport Kulmbach", sieht den Hauptgrund für abnehmende Beteiligung im komplizierten System. "Früher konnten die Sportlehrer Übungen der Bundesjugendspiele direkt auf das Sportabzeichen übertragen", sagt Hörath, mittlerweile seien die Anforderungen nur schlecht im Schulsport unterzubringen.

Beim Weitsprung etwa müsse man einmal mit dem linken, einmal mit rechtem Bein abspringen. Weitwurf wird nur noch anerkannt, wenn über ein Hindernis geworfen wird. Immer mehr Kinder besuchen höhere Schulen, die kaum am Sportabzeichen interessiert seien. Dem stimmt Rosi Beyer nicht zu.


Sachaufwandsträger gefordert

Die Sportlehrerin am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium (MGF) möchte das Sportabzeichen gern wieder einführen und es ihren Kollegen vorschlagen. Das Problem: "Wir haben keine Sportstätten mehr für die Leichtathletik", so Beyer. Der Sachaufwandsträger müsste einen Bus zur Verfügung stellen, um die Schüler vom MGF an die Sportstätten der Realschule zu befördern.

Lothar Seyfferth, BLSV-Bezirksvorsitzender, will Ansporn schaffen. Denn früher haben Sponsoren wie Banken oder Krankenversicherungen pro Teilnehmer einen bestimmten Geldbetrag gezahlt. Davon konnten die Schulen beispielsweise Sportsachen anschaffen.

Da die Sponsoren ausgestiegen sind, will nun der BLSV diese Aufgabe übernehmen. Seyf ferth zufolge gibt es bereits Überlegungen, Geldpreise auch für Vereine einzuführen.


Nicht in der Lage?

Schwitz ist überzeugt: "Die allgemeine Lust auf Sport ist da. Zwei bis drei Stunden pro Woche Bewegung muss doch bei jedem machbar sein." Angesprochen sind auch Jugendliche, denn Schwitz zufolge schaffen sie das Sportabzeichen kaum mehr.

Vor allem, wer sich bei Behörden wie Zoll oder Polizei bewerben will, sollte sich zeitig informieren. Denn dort ist das Sportabzeichen Pflicht. Erst im September mit dem Training anzufangen, sei einfach zu spät.

Auch Krankenkassen unterstützen das Sportabzeichen für ihre Mitglieder. Laut Schwitz gibt es mittlerweile kaum noch Ausreden, beispielsweise existiert eine Variante für schlechte Schwimmer, bei der lediglich 15 Minuten lang eine Vorwärtsbewegung im Wasser erkennbar sein muss.

Auch für Behinderte gibt es ein eigenes Sportabzeichen. Allerdings kennen sich nur bestimmte Prüfer in Oberfranken damit aus. Vermitteln kann der Fachwart Wolfgang Hofmann aus Pegnitz. Er ist telefonisch erreichbar unter 0941/5735.