Emden. Mit dem Namen der ostfriesischen Stadt verbindet ganz Deutschland ein Verbrechen: den Mord an der elfjährigen Lena. Sie ist am 24. März tot in einem Parkhaus gefunden worden. Als Täter gilt ein 18-Jähriger. Er wird beschuldigt, das Mädchen erstochen zu haben. Zuvor soll er sein Opfer missbraucht haben.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben zunächst einen Falschen verhaftet: einen 17-jährigen Schüler. Er sitzt drei Tage in Untersuchungshaft. Unschuldig, wie sich herausstellt. Trotzdem werden sein Name und seine Adresse bekannt. Im Internet wird zu Lynchjustiz aufgerufen. Er flieht aus seiner Heimatstadt.

Emden ist nicht Kulmbach. Aber es gibt viele Parallelen zu einer Bluttat, die 1993 ebenfalls ganz Deutschland bewegt: der Mord an der 16-jährigen Melanie. Der Mädchen wird in einer kalten Januarnacht getötet. 45 Mal sticht der Täter zu. Als Mörder präsentieren Polizei und Staatsanwaltschaft den Kulmbacher Walter D., der vor dem Landgericht Bayreuth angeklagt und 1995 freigesprochen wird.

Doch der Freispruch hilft ihm wenig. Auch nach dem Urteil halten die Ermittlungsbehörden an ihrer Auffassung fest: Walter D. ist es gewesen. An ihm haftet in der Öffentlichkeit der Verdacht, ein Mörder zu sein. Sein Job ist weg, er wird bedroht - in Kulmbach kann er nicht mehr bleiben. Er zieht weg und lebt heute in der Oberpfalz.

Erst Kommissar Zufall überführt Melanies Mörder: Stephan K. (28) gesteht im Gefängnis die Tat, nachdem er - elf Jahre später - wegen eines zweiten Mordes verhaftet worden ist. Er hat auf einem Feldweg bei Untersteinach seine 14-jährige Nichte mit vier Messerstichen umgebracht.


Alarmglocken schrillen



"In Kulmbach war es nicht mehr auszuhalten", sagt Walter D. (50). Wenn so etwas wie in Emden passiert, wenn ein Unschuldiger verhaftet wird, "dann schrillen bei mir die Alarmglocken: Da wird schon wieder das Leben eines jungen Menschen zertreten." Walter D. fühlt sich an sein Schicksal erinnert: "Die Wut kommt immer wieder hoch. Die haben mir zehn Jahre geklaut."

Polizei und Staatsanwaltschaft, die gegen ihn ermittelt haben, seien auch Täter geworden. "Die haben mein Leben zerstört. Aber für die wird gesorgt, die bekommen ihre Pension. Für die Opfer wird nichts getan."

Er hat selber schauen müssen, dass er auf die Beine kommt. Er hält es für dringend notwendig, dass der Staat umdenkt und die Gesetze ändern: "Es sind ja keine Einzelfälle, man hört immer wieder von solchen Fehlgriffen, von Justizopfern, deren Leben kaputtgemacht wurde."


Den vollständigen Bericht und ein Interview mit einem Strafrechtsprofessor lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Bayerischen Rundschau.