Für Überraschungen ist die Stadtkapelle Kulmbach immer gut. Was sich die Musiker und ihr Dirigent Thomas Besand diesmal zum Neujahrskonzert einfallen ließen, das war ganz große Klasse. Als Gesangssolisten bewiesen Besand und Flötistin Elke Höhn wahre Entertainerqualitäten. Elke Höhn legte kurzerhand ihr Instrument beiseite, Thomas Besand steckte den Taktstock weg, beide ergriffen die Mikrofone und gaben Nancy und Frank Sinatra mit "Something stupid" und zuvor Gershwins "They can't take that away from me", die Stadtkapelle lieferte dazu die dezente Begleitung. Die Zuhörer tobten, der Jubel kannte kaum Grenzen.
Dabei war das Neujahrskonzert auch ohne die Gesangseinlagen schon einsame Spitze. Von klassisch bis modern - so lautet seit jeher das Motto der Stadtkapelle. Die Dr.-Stammberger-Halle war wieder ausverkauft, die Besucher hörten traditionelle Marschmusik, leichte Klassik, anspruchsvolle Solostücke, aber auch Jazziges, Dixieland, Filmmusik und moderne Popsongs. Alles in trefflichen Arrangements, in der perfekten Einstudierung von Thomas Besand und exzellent dargebracht von den rund 50 Musikern. Thomas Besand dirigierte das gesamte Programm auswendig.

Unerschöpflicher Ideen-Fundus

Der Fundus an Ideen scheint bei der Stadtkapelle unerschöpflich. Auch wenn einige der Stücke schon in den zurückliegenden Jahren immer mal wieder auf dem Programm standen. Gilbert O Sullivans "Matrimony" etwa, eigentlich ein Popsong, im Arrangement von Erwin Jahreis zum Posaunensolo umfunktioniert und im Konzert hervorragend intoniert von Marco Hofmann.
Die klassischen Märsche, wie etwa Johannes Everts berühmter "Telefunken-Marsch", beherrschen die Musiker exzellent. Einer alten Tradition folgend, wurde wieder ein Stück von Vizedirigent Werner Schneider geleitet: "Adventure", die Musik zu einem nicht existierenden Film von Markus Götz. Manche Formation würde sich glücklich schätzen, zwei derartige Musiker wie Besand und Schneider an der Spitze zu haben.
Bestens besetzt waren auch die anderen beiden Solostücke. Das "Concertino für Klarinette" von Carl Maria von Weber war blitzsauber intoniert und dynamisch sorgsam ausbalanciert von Solist Roland Schaller. Der berühmte Präsentiermarsch mit dem Titel "Der alte Dessauer" von Alvin Franz, ein Solo für Trompete, setzte Daniel Richter so exakt um, das es an Exaktheit selbst von Profis wohl kaum zu überbieten sein wird. Ehrensache, dass alle Solisten zu Zugaben gebeten wurden. Höchste Klangkultur und sensibles Musizieren: Das macht die Stadtkapelle aus - und erst recht ihre Solisten, die stets aus den eigenen Reihen kommen.
Ein Markenzeichen der Stadtkapelle Kulmbach ist es, dass sämtliche Titel entweder in der Originalausgabe oder in absolut authentischen Bearbeitungen gespielt werden. Das gilt natürlich auch für die sogenannte leichte, aber dafür umso anspruchsvollere Klassik wie etwa bei Franz von Suppes dramatischer Ouvertüre zur komischen Oper "Leichte Kavallerie". Gerade hier schafft es die Stadtkapelle immer wieder, symphonisches Gewicht und kammermusikalische Tugenden miteinander zu verbinden.
Mitreißend und flott musizierte das Orchester die Melodienfolge mit Werken von Cole Porter oder John Warringtons "Original Dixieland Concerto", mit einigen gelungenen Kalauern, für die in der Regel Vorstand Roland Jonak zuständig ist. Einmal mehr war es Karl Heinrich Backert, der zwischen den Stücken allerhand Wissenswertes beisteuerte und dadurch gleichzeitig den Musikern die notwendigen Verschnaufpausen ermöglichte.