Als Bassist Werner Haberstumpf die Geschichte erzählt, hat seine Stimme einen schadenfrohen Unterton: "Wir traten sogar einmal bei Thomas Gottschalk auf, als er noch Quote hatte." Das war 1977. Damals moderierte die Kulmbacher TV-Legende noch kein "Gottschalk Live" für das Erste, sondern im Bayerischen Fernsehen die Sendung "18, 19, Musik". Haberstumpf spielte zu jener Zeit mit seinen Freunden Erich Wochele (Trompete und Gesang), Roger Schoberth (Saxophon) und Peter Lubig (Gitarre) noch bei "Tin, Skin & Wire". Die gleiche Musik: Funk und Soul gaben damals wie heute den Ton an.

"Dem Nachwuchs eine Chance", sagte sich der Bayerische Rundfunk und schickte Tommy auf Bandsuche quer durch den Freistaat. An verschiedenen Orten präsentierte er bayerische Rockgruppen, und die Zuschauer durften dann ihre Lieblingsformation wählen. In Gottschalks Heimat hatten sie die Qual der Wahl zwischen den "Vampires" und "Tin, Skin & Wire". "Die Stadt ließ sogar extra Postkarten drucken, auf denen die Fans nur noch ihre Lieblingsgruppen ankreuzen mussten", erinnert sich Erich. Wie ging die Wahl aus? "Ganz knapp für uns."
Nicht nur die Zuschauer waren begeistert vom souligen Rocksound mit Bläsern (Erich: "Damit hoben wir uns aus dem Gros der Gitarrenbands hervor"), sondern auch der Bayerische Rundfunk, der den jungen Musikern ein paar Instrumentaltitel abkaufte. Die Folge: Der Sound von "Tin, Skin & Wire" wurde in allerhand Fernsehsendungen als Hintergrundmusik eingesetzt, einmal sogar in der Krimiserie "Derrick".

Geld verdrängt den Spaß


Dass sie nicht berühmt geworden sind, bedauern die Musiker nicht. Werner Haberstumpf weiß, wie es ist, in einer Profiband spielen zu müssen. In den 80-er Jahren spielte er mit der Band "Joker" in den Tanzsälen Frankens. "Wir waren ein kleines, hochprofessionelles Unternehmen, bei dem es darum ging, Geld zu verdienen. Doch irgendwann blieb der Spaß auf der Strecke, weil wir nur das spielen durften, was gerade in den Hitparaden war."

Bei "Tin, Skin & Wire" und auch jetzt bei "CJ & The Sunshine Gang" hingegen konnten und können die Musiker sich selbst verwirklichen. Sie spielen das nach, wonach ihnen der Sinn steht. Ihre großen Vorbilder sind und waren Gruppen wie "Blood, Sweat & Tears", "Earth Wind & Fire", "Chicago" und "Kool & The Gang". Soul und Funk wurden zum Türöffner, der sie in den 70-er Jahren in die Clubs der US-Armee von Hohenfels bis Baumholder brachte.

Was schätzen die sieben Akteure an dieser Musik? "Sie geht direkt ins Blut und lässt gute Laune entstehen. Wie sang James Brown einst so schön? I Feel Good - und genau so fühlt man sich", sagt Charles Johnson, die schwarze Stimme der Band. Er war in den 70-er Jahren als Soldat der amerkanischen Streitkräfte nach Deutschland gekommen, wo er eine zweite Heimat fand. Im Bayreuther Musikclub "Old Baileys", wo "Tin Skin & Wire" in den 70-er Jahren zu den Stammbands zählten, hatten sich Ende dieses Jahrzehnts die Wege von Johnson, der von allen kurz und bündig CJ genannt wird, und den Kulmbacher Funkrockern erstmals gekreuzt. Die Musiker spürten gleich, dass sie auf einer Wellenlänge liegen.

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