Überschätzte Sätze der Menschheitsgeschichte, Folge 1: "Er hat leider nicht den Charme des Originals." Stand jüngst als Fazit unter einer Filmkritik zum neuen Disney-Film "Jungle Book". Das "Dschungelbuch" von 1967 war ein Zeichentrick, jetzt kommen Mogli, Balu & Co. digitalgetrickst daher. Das gefiel dem schreibenden Cineasten zwar auch - aber dieser Charme, der sei halt flöten. Wo er genau verlustig ging in den fast 50 Jahren, die seit dem Original-Streifen vergangen sind, das erläuterte der Kritiker nicht. Er sei eben weg. Und wech is wech.

Was ist das denn: Charme? Ein Begriff aus dem Französischen, der per se den Liebreiz oder das gewinnende Wesen eines Menschen beschreibt. Der Deutsche aber meint, natürlich könne/müsse/solle auch ein Ding Charme besitzen.

Zum Beispiel: das Auto. Hoch emotionales Terrain, auf dem wir uns da bewegen. Als VW den Käfer "neu erfand", musste er "Beetle" heißen. Den Motorjournalisten gefiel der runderneuerte Rundling gut. Aber Sie ahnen es: die Sache mit dem Charme wieder. Es war nicht mehr das Wirtschaftswundervehikel; es war einfach ein der Modernität angepasster Wagen mit einem Hauch jener blechernen Knuffigkeit, die gefühlt herübergerettet werden sollte aus der Euphorie der Aufschwungjahre der jungen BRD.

Der Charme aber? Verpufft wie Auspuff-Wölkchen. Oder wie ein Magazin textete: "Der Käfer hat nicht nur seinen Charme, er hat seine Unschuld verloren." Ich kannte bis dahin nur Leute, die ineinem Käfer die Unschuld... Diese Personen jetzt zu nennen, wäre freilich - nein, nicht charmelos, sondern schlicht schamlos.