Den deutschen Bergmannsgruß "Glückauf" kennt jeder. In den letzten Wochen konnte man ihn immer wieder am alten Bergwerksstollen zwischen dem Ortsende von Wirsberg und der goldenen Adlerhütte hören. Gut zwei Monate waren Mitarbeiter der Fachfirma BST aus dem sächsischen Freiberg mit umfangreichen Sicherungsarbeiten beschäftigt.

Ab dem 13. Jahrhundert wurden in Kupferberg Kupfererze gewonnen und verhüttet, im Gemeindegebiet von Wirsberg ging man erst zwei Jahrhunderte später unter Tage. Ab 1735 wurden in beiden Bergbaurevieren nur noch Schwefelerze zur Herstellung von Vitriolen gefördert. Der Bergbau litt häufig unter enormen Wasserzuflüssen. Dies führte in Kupferberg 1826 und in Wirsberg 1866 zur gänzlichen Einstellung des Abbaus.


Kaum Unterlagen


Die Sicherungsarbeiten hatte das Bergbauamt Bayreuth ausgeschrieben. "Wir sind seit 2010 für den Altbergbau nach dem Landesstraf- und Verordnungsgesetz zuständig", erläuterte Falk Seliger. Gegenwärtig erfasse seine Behörde alle Altobjekte in Nordbayern. Darunter, so Seliger, verstehe man "alles, was nicht mehr der Betriebsaufsicht unterliegt".

Manches finde man in den Archiven, über einige Altobjekte gebe es dagegen überhaupt keine Unterlagen mehr, so der Experte. Bei der Erfassung, die auch mit dem spektakulären Einbruch auf dem Trainingsplatz des FC Kupferberg im Jahr 2011 zu tun hatte, sei man im Amt zu dem Ergebnis gekommen, "dass das Gebiet von Kupferberg und Wirsberg als eine vorrangige Sache zu betrachten ist".

An der goldenen Adlerhütte handelt es sich um den Wirsberger Stollen, der 1938 von der deutschen Studiengesellschaft für Kupferbergbau aufgefahren und bereits ein Jahr danach wieder stillgelegt wurde. Falk Seliger: "Es war ein Untersuchungsstollen, der nicht ergiebig war. Man hatte nicht das Erz gefunden, das man sich erhofft hatte." Der Stollen habe immerhin eine Länge von 600 Metern, und am Ende gebe es einen Betondamm, "der eingebaut wurde, weil das zutretende Wasser nicht unkontrolliert ausströmen sollte".


Einfach zugekippt


Der Stollen wurde nach der Stilllegung verschlossen. Dazu kippte man einfach die ersten Meter zu. "Als wir das Objekt befahren haben, stellten wir fest, dass der Stollen offen war. Er war aufgegraben, damit bestand auch eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Und wie wir erfahren haben, waren viele Wirsberger, vor allem Jugendliche, in dem Stollen drin."

Zudem hatten Zeitzeugen offenbar berichtet, das im Untergrund Munition gelagert wurde. Das Bergamt Bayreuth ließ den ganzen Stollen befahren und stellte fest, dass dies nicht der Fall war.


Mundloch ist wieder verschlossen


Gleich hinter dem sogenannten Mundloch, also dem Eingang des Stollens, entdeckten die Fachleute allerdings, dass Teile der Decke ausgebrochen waren. Hätte man nichts unternommen, hätte es im Hangbereich zu einem größeren Verbruch kommen können. "Unsere Aufgabe bestand darin, die Sicherheit am Mundloch wieder herzustellen", so Seliger. Mit Stahlrahmen und Spritzbeton habe man den Stollen langfristig erhalten und auch befahrbar gemacht. Dadurch könne der Damm am Ende kontrolliert werden. Übrigens, so der Experte, habe die Stahltür auch eine Einflugöffnung, "damit der Stollen weiter als Fledermausquartier genutzt werden kann."

In dieser Woche wird das Gelände um das Mundloch des Wirsberger Stollens wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Falk Seliger: "Das wurde mit dem Grundstückseigentümer und der Gemeinde vorher abgestimmt."


Kinder spielten Bergleute


Maik Anselstetter (24), Alexander Specht (25) und Daniel Müller (25) gehörten zu jenen Wirsbergern, die der Stollen als Jugendliche geradezu brennend interessierte, ja faszinierte. Mit Helm, Lampe und Gummistiefeln spielten sie immer wieder Mal mutige Bergleute. Maik Anselstetter: "Wir waren damals immer im Wald unterwegs und haben uns Lager gebaut." "Wir sind dabei auch auf Höhlen gestoßen", ergänzt Daniel Müller. Alleine sei da natürlich keiner rein, man habe immer einen Aufpasser draußen stationiert.

Der Stollen hatte für die Jungs etwas Geheimnisvolles. "Wir wussten ja nicht, wie weit es da reingeht", erinnert sich Alexander Specht:. "Wir dachten, dass wir da vielleicht eine alte Lore oder auch Werkzeug finden. Aber außer Schienen und Wasser war nichts mehr da."