"Man muss für das Tätowieren geboren sein, man muss es leben!" Das ist die feste Überzeugung von Nikola Cabraja, der in der Spitalgasse ein Tattoostudio betreibt. Betritt man es, fallen einem sofort die vielen Motive auf, die in den verschiedensten Größen an der Wand hängen. Die Erklärung ist schnell gefunden: Nikola Cabraja entwirft für seine Kunden gern auch Motive, die er dann in seinen Räumen ausstellt.

Cabraja bezeichnet sich selbst als "old-school-Tätowierer", einer, der noch nach dem "Codex" seines Berufsstandes lebe und arbeite. Er ärgert sich über viele Neutätowierer, die oft nur schnelles Geld verdienen wollen. Heute könne sich jeder eine Tattoomaschine im Internet bestellen. "Nur weil sie gut zeichnen können, glauben sie, sie wären auch gute Tätowierer."


Eine Geschichte erzählen


Tätowieren bedeute mehr als bunte Bilder in die Haut zu stechen, sagt der 39-Jährige, der selbst Tattoos am ganzen Körper trägt. Seine Kunden wollten nicht cool wirken, sondern mit der Körperkunst eine Geschichte aus dem Buch des Lebens erzählen. Gängige Motive seien etwa die Geburtsdaten oder die Namen der Kindern, oder Bilder, die den Kunden etwas bedeuten. Momentan beliebt seien religiöse und Dämonenmotive.

Wichtig ist für den Tätowierer, "dass die Kunden wissen, was sie wollen". Daher tätowiere er nur ungern junge Leute. "Man kann nie zu alt sein für ein Tattoo, nur zu jung." Wenn einem Tattoos später peinlich oder lästig seien, sei das Entfernen durch Laserlicht eine teure und schmerzhafte Sache. Oder anders ausgedrückt: "Tattoos sind für die Kunden eine lebenslange Investition." Cabraja kam als Schüler jeden Tag an einem Tattoo-Studio vorbei: "Da hat es mich gepackt." Seitdem wollte er nie etwas anderes werden als Tätowierer.

Dies ist jedoch kein klassischer Lehrberuf. Der 39-Järhige erzählt, er sei in Australien bei einem Meistertätowierer in die "Lehre" gegangen und habe diesem drei Jahre über die Schulter geschaut. "Im ersten Jahr habe ich nur Hygienedinge gelernt." Im zweiten seien die technischen Details dazu gekommen. Im dritten durfte er sich selbst oder Freunden Tattoos stechen und erste Handgriffe ausführen. "Zum Beispiel schwarze Tattoos ausfüllen."


"Ich dachte mir: Warum nicht?"

Nach Kulmbach kam er, als er hörte, dass der Besitzer des örtlichen Tattoostudios, gestorben war und ein Nachfolger gesucht wurde. "Da dachte ich mir: warum nicht?" Motive, die Cabraja auf keinen Fall sticht, sind Beleidigungen jeglicher Art, hetzerische, verfassungsfeindliche oder diskriminierende Parolen und Bilder. "Das mache ich nicht. Ich denke auch an meinen Ruf!" Zu den verrücktesten Motiven, die er jemals gestochen hat, zählen Smileys in der Unterlippe.

Für Tattoos muss man je nach Größe, Detailgenauigkeit, Position Anzahl der Farben unterschiedlich viel bezahlen. Von 60 Euro bis zu mehreren tausend Euro reiche die Spanne.