Der Kontrast könnte größer nicht sein: Wo sich an der Vorderseite die lebhafte Spitalgasse windet mit brummenden Autos und gehetzten Fußgängern, findet sich im Hinterhof ein stilles Paradies.

Umgeben von hohen Sandsteinmauern blühen dort Hortensien und Rosen. Aus einem Brunnen plätschert leise Wasser. Die Abendsonne taucht die Mauern in ein warmes Licht, eine Steintreppe führt hinauf in Richtung Langheimer Amtshof.

Das historische Gebäude erhebt sich über der Szenerie. Im Garten steht ein Fahnenmast, daran zwei Flaggen - die bayerische und die fränkische.

"Hier habe ich gleich mehrere Lieblingsplätze", sagt Gunther Burger. Manchmal sitzt er am Kaffeetisch mitten im Hof oder er geht die Treppe hinauf und blickt hinüber zur Frühlingshöhe in der Blaich. Manchmal sitzt er auf seinem kleinen Balkon und sieht sich sein Paradies von oben an. So sah es dort nicht immer aus.

"Als wir das Haus gekauft haben, war der Hof eine Ruine", erzählt Ehefrau Christl (76). Alles sei mit Efeu zugewachsen gewesen, die Mauern teilweise eingestürzt. Um das Haus selbst stand es nicht viel besser.

"Die Haustür hing schief in den Angeln, es gab keine Treppe - und durch das Dach hat es geregnet", berichtet Christl Burger. Doch sie beide hätten sich sofort darin wohlgefühlt.

Im Jahr 1649 - kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg - hatte der frühere Bewohner, ein Langheimer Amtsrichter, ein Schild über der Haustür angebracht mit der Aufschrift "Geduld überwindet alles." Das nahmen sich die Burgers zum Vorbild und beschäftigten sich jahrelang mit der Renovierung ihres Stadthauses mitsamt Innenhof.

Auf das Resultat sind sie stolz. Nicht weniger stolz sind sie auf die Geschichte, die in ihrem alten Bauwerk steckt.
"Das dort drüben ist ein Teil der ursprünglichen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert", sagt Gunther Burger, dann deutet er auf eine schwarz-rötliche Verfärbung: Spuren des Konradbrands im Jahr 1553 - am Tag des Heiligen Konrad, dem 26. November, zündeten die markgräflichen Truppen ganz Kulmbach an. "Hier waren die Soldatenunterkünfte und die Laufgänge zur Verteidigung", erklärt Gunther Burger.

Früher einmal gehörte das Haus einem Bäcker, um 1700 war es eine Herberge für Wandergesellen. Teile der bemalten Wandverkleidung aus dem Jäger- und dem Apostelzimmer sind nun auf der Plassenburg ausgestellt.
Schweren Herzens wollen sich die Burgers von ihrem Lieblingsplatz trennen. Das Haus steht zum Verkauf. Sie wollen zu ihrer Tochter nach Oberammergau ziehen und dort ihren Lebensabend verbringen.


Serie Unter dem Titel "Mein Lieblingsplatz" stellen in den nächsten Wochen Leserinnen und Leser sowie Redakteurinnen und Redakteure der Bayerischen Rundschau diejenigen Plätze vor, an denen sie sich besonders gerne aufhalten.

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