Auf den offiziellen Einladungsschreiben, die der Katschenreuther Oskar Eichner von der stellvertretenden Landrätin Christina Flauder und vom Vertreter der Stadt Kulmbach, Horst Zahr, entgegennimmt, steht Konrad Eichner. Doch eigentlich ist doch der frisch gebackene Neunziger für alle nur "der Oskar".
"Ach Gott, das ist eine komplizierte Sache", sagt Ehefrau Betty (85) lachend. Und Oskar Eichner muss gleich einstimmen. Denn das Verwechslungsspiel fing schon nach seiner Geburt an - also im Jahr 1924. Damals hatten die Eltern offiziell den Namen Konrad Karl eintragen. Aber schon wenige Tage nach der Geburt hatten sie die Idee, dass doch "Oskar" viel besser zu dem Kleinen passen würde. Schuld daran war ein Lieferwagen einer Kulmbacher Firma - dem Kulmbacher Getreide-, Kohlen- und Baustoffhändler Oskar Petschke. Kurzerhand entschieden sich die Eltern des heute Neunzigjährigen um, beauftragten damals den Bürgermeister mit der Änderung der Namenseintragung.

Er unterschreibt mit Oskar

Doch so einfach war das nicht. Also wurde weiterhin in den offiziellen Behördenunterlagen Konrad Karl als Vorname geführt, aber Oskar Eichner wurde von Anfang an von allen Oskar genannt und später unterschrieb er auch immer mit Oskar. Dass er irgend wann einmal anders heißen sollte, das war da längst vergessen.
Oskar Eichner übernahm die Landwirtschaft seines Vaters, baute schließlich ein eigenes Haus und erweiterte seine Landwirtschaft. Er war im Krieg, in Russland, Italien, an der Westfront, geriet in Gefangenschaft. Und sogar seine Namensmarke lautete auf den Namen Oskar. "Aber ich hatte unheimliches Glück", erzählt der Jubilar.

Heirat vor 66 Jahren

Erst, als er vor 66 Jahren seine Frau Betty heiraten wollte, flog das Verwirrspiel mit dem Namen auf: Kirchlich heiratete Oskar Eichner als Oskar - ohne Beanstandung. Standesamtlich ließ sich das Ehepaar als Konrad Karl, genannt Oskar, die Ehe bestätigen. Denn einen Oskar Eichner gab es gar nicht. Eigentlich war Oskar Eichner nie Oskar, sondern für die Behörden Konrad Karl. "Aber da kennt mich ja niemand", lacht der Jubilar und nimmt sein Namenswirrwarr mit 90 Jahren gelassen. "Er ist und bleibt mein Oskar", sagt auch seine Frau Betty.
Sie ist jedenfalls heilfroh, dass sie ihren Oskar gefunden hat und dass sie schon 66 gemeinsame Jahre an seiner Seite genießen darf. "Ich bin froh, dass wir uns haben", sagt sie offen und drückt ihren Neunziger zum Geburtstag. Gemeinsam haben die beiden die Landwirtschaft geführt, drei Kinder - Hermann (66), Gerda (64) und Heidrun (57) - groß gezogen. Inzwischen gehören noch sechs Enkel und sieben Ur-Enkel zur Familie.
Und die Ur-Enkel haben sich für den Ur-Opa etwas Besonderes ausgedacht: ein Ständchen. Christian (4) und Lisa-Marie (6) drückten ihren Ur-Opa, der noch sehr rüstig und für jeden Spaß zu haben ist, im Doppelpack.
Natürlich hat sich Oskar Eichner vorgenommen, den 100. Geburtstag zu erreichen. Er hält sich fit mit Kreuzworträtseleien. Doch zum Geburtstag, wo halb Katschenreuth und auch Pfarrer Klaus Spyra gekommen ist, wird gefeiert: in der Frankenfarm, verrät der Jubilar. Und eins ist ihm eine besondere Freude: Ur-Enkel Christian heißt eigentlich Christian Oskar. "Ganz offiziell", verrät der Jubilar.