Wenn Margitta Hieke in der Neuensorger Hans-Klier-Straße vorfährt, wird sie meist schon erwartet. Heinz Korpilla öffnet ihr - wie immer gut gelaunt - die Tür. Klingeln muss sie nicht. "Alles dabei", fragt er. "Alles dabei", sagt die 60-Jährige und trägt die Lebensmittel gleich in die kleine Küche. Das nennt man Service. Genauer gesagt: Lieferservice. Den bietet der Grafengehaiger Dorfladen ab sofort für alle Interessenten.
"Wir wollen damit vor allem Kunden ansprechen, die nicht oder nicht mehr mobil sind", erklärt der ehrenamtliche Geschäftsführer Michael Laaber. Fünf Jahre nach der Eröffnung des ersten Dorfladens im Landkreis Kulmbach sind die Grafengehaiger um Laden-Chefin Irmgard Raupach nach wie vor ständig bemüht, der werten Kundschaft jenseits von Sonderangeboten etwas Neues zu bieten. Der Hol- und Bringdienst gehört ab sofort dazu.


Das Feierabendbier im "Lädla"

Der 91-jährige Heinz Korpilla war sozusagen der Versuchs-Kunde. Denn ihn und Margitta Hieke verbindet schon über 20 Jahre eine enge Freundschaft, die einst während eines Krankenhausaufenthalts seiner inzwischen verstorbenen Frau Anni entstanden war. Seitdem schaut sich die Grafengehaigerin regelmäßig in Neuensorg um, wo Heinz Korpilla mit Sohn und Schwiegertochter unter einem Dach wohnt und von ihnen bestens versorgt wird. Chauffeurdienste und kleine Einkäufe gehörten schon damals dazu.
Und das ist bis heute so geblieben. Mit einem kleinen Unterschied: Heinz Korpilla bezieht Lebensmittel inzwischen bevorzugt aus dem Grafengehaiger Dorfladen. Ab und zu fährt der inzwischen 91-Jährige auch mit nach Grafengehaig zum Einkauf. Dann kommt er unter Leute, unterhält sich mit anderen Kunden oder gönnt sich mal ein Feierabendbier - so wie er es früher als Zimmermann auch getan hat.
"Ich mag den kleinen Laden und natürlich die regionalen Produkte", sagt Heinz Korpilla. Was er am liebsten im Dorfladen kaufen lässt? "Den Backstaakäs'", verrät der 91-Jährige. Den macht er sich dann mit Zwiebeln, Essig und Öl an...
"Entweder der Heinz ruft mich an, gibt die Bestellung durch und ich gehe dann im Laden in Vorkasse. Oder ich fahre vorher bei ihm vorbei und hole den Einkaufszettel und das Geld", erklärt Margitta Hieke, die sich auch immer ein wenig Zeit für Gespräche nimmt.
Inzwischen hat die 60-Jährige weitere Liefer-Kundschaft. Eine Familie in Grafengehaig und eine in Marktleugast. Das Marktleugaster Ehepaar lässt in Grafengehaig einkaufen, weil der Nahkauf im Ort geschlossen hat und es dort keinen Lieferservice mehr gibt. "Der stellvertretende Bürgermeister Reiner Meisel hat sie auf unser Angebot aufmerksam gemacht. Die haben sich dann den Laden angeschaut. Und jetzt liefern eben wir", erzählt Margitta Hieke.


Kosten: nur Spritgeld

Dass der neue Lieferservice über die Transportkosten eine zusätzliche Einnahmequelle für den Dorfladen darstellt, ist nicht gewollt. Margitta Hieke nimmt für ihre Botendienste nur das Spritgeld.
Dorfladen-Geschäftsführer Michael Laaber weiß das Engagement der Grafengehaigerin sehr zu schätzen. "Der Service passt genau in unser Dorfladenkonzept." Weitere Personen, die sich bei Dorfladen einbringen möchten, können sich nach seinen Worten über das Koordinierungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement im Landratsamt Kulmbach anmelden.
Was Michael Laaber allerdings sehr wichtig ist: "Der Service soll nicht mit bereits bestehenden Nachbarschaftshilfen in Konkurrenz treten."

Der Hol- und Bringdienst

Anmeldung
Wer den Hol- und Bringdienst des Dorfladens nutzen will, kann sich unter der Telefonnummer 09255/807542 (Dorfladen) oder 09255/7422 (Margitta Hieke) melden.

Service Es besteht nicht nur die Möglichkeiten, vorbestellte Produkte aus dem Dorfladen liefern zu lassen; wer sich selbst im Laden umschauen will, kann sich von Margitta Hieke auch fahren lassen.

Kosten Für den Hol- und Lieferservice entstehen lediglich Spritkosten.