Ein Döner oder vielleicht ein Schokoriegel aus dem Automaten - für die heutige Schülergeneration gilt diese früher praktizierte Form der Mittagsverpflegung längst nicht mehr. Vor allem auch wegen des Ausbaus der Ganztagsbetreuung steigt der Bedarf an flächendeckend warmem Mittagessen in den Schulen stetig an.

Heute gehört an 69 Prozent der bayerischen Schulen ein Mittagessen zum Alltag. An einem Schultag nehmen pro Einrichtung 79 junge Leute eine warme Mahlzeit zu sich.

Das Mittagessen soll gleich mehreres können: Es soll gesund sein, gut schmecken und dabei bezahlbar sein. Keine einfache Aufgabe, zu deren Lösung die Bayerische Staatsregierung beitragen will. Daher fand am Donerstag ein Kongress in Kulmbach statt Motto: Gute Noten für die Schulverpflegung?


Kulmbacher Kompetenz


Warum Kulmbach? Die Antwort fällt nicht schwer. Seit einem Jahr befindet sich hier - am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) - die Vernetzungsstelle Schulverpflegung. "Damit ist Kulmbach zum Zentrum für die Schulverpflegung in ganz Bayern geworden", so Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der dem Kongress einen Besuch abstattete.

Gleichzeitig sicherte Brunner zu, den Standort Kulmbach weiter stärken zu wollen. Die Bereiche Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung sollen demnach am Kulmbacher Kompetenzzentrum gebündelt werden. Um die Schulverpflegung weiter zu verbessern, ist auch ein Coaching-Projekt ins Leben gerufen worden. "450 Schulen in ganz Bayern haben sich schon daran beteiligt. Und der Erfolg spricht für sich: Die Schulen, die teilgenommen haben, haben nachweislich gesündere und bessere Speisepläne als solche, die nicht gecoached wurden", so Helmut Brunner. Aus diesem Grund sei das Projekt auch auf die Pausenverpflegung ausgeweitet worden.

Das Ministerium unterstütze ferner die Initiative "Unsere Zukunft isst oberfränkisch". Es handelt sich dabei laut Brunner um ein Leuchtturmprojekt, "dessen Ergebnisse für ganz Bayern wertvoll sind". Der Minister lobte das Engagement, auch regionale Produkte in die Schulverpflegung aufzunehmen. "Viele Kinder wissen heute gar nicht mehr, wie unser heimisches Obst und Gemüse schmeckt!"


Saisonale Aspekte wichtig


Er appellierte außerdem an alle, auch den saisonalen Aspekt nicht außer Acht zu lassen. "Beim Spargel akzeptieren wir ganz selbstverständlich, dass es ihn nur zu bestimmten Zeiten gibt, aber Erdbeeren gehören für viele das ganze Jahr über dazu. Dabei ist es für Kinder genauso wichtig, etwas über unsere Pflanzen und ihr Wachstum zu erfahren und damit auch zu erkennen, dass alles einem bestimmten Kreislauf folgt und nicht immer verfügbar ist."

Sechs Modellschulen aus der Region, die an dem Projekt "Unsere Schule isst oberfränkisch" teilgenommen haben, versuchten bereits, diese Zielsetzungen so gut wie möglich umzusetzen. Sie zeichnete Staatsminister Brunner für ihre Arbeit aus. Die Preisträger sind die Grundschule Burghaig sowie die Obere Schule in Kulmbach, die von der Menüfaktur beliefert werden, die Grund- und Mittelschule Weidenberg, die Schulkantine des Gymnasiums Münchberg, das Jean-Paul-Gymnasium Hof sowie die Grund- und Mittelschule Stadtsteinach-Untersteinach. Alle Teilnehmer hatten ihr Angebot an regionalen Speisen deutlich ausgeweitet und Aktionstage durchgeführt. Um die Regionalität zu verankern, hat die Vernetzungsstelle einen Praxisleitfaden herausgegeben.

Oberbürgermeister Henry Schramm freute sich über die wachsende Bedeutung Kulmbachs als Lebensmittelstandort. Landrat Klaus Peter Söllner stellte noch einmal den wichtigen Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit heraus.