So einen skurrilen Kriminalfall hat es im Landkreis Kulmbach noch nicht gegeben: Ein Mann baut sich - mitten im Garten - einen Bunker. Wie im Krieg. Unter 60 Zentimeter Stahlbeton hätte er einen Luftangriff überstehen können. Was man ihm noch nicht zum Vorwurf hätte machen können. Sehr wohl aber, dass er in dem Bunker Sprengstoff, Waffen und Drogen gelagert hat. Und dass er als Buchhalter 280.000 Euro Firmengelder auf seine privaten Konten umgeleitet haben soll.

Vor einem halben Jahr ist der Himmelkroner, damals 35 Jahre alt, enttarnt worden. Die Polizei hat ihn nach monatelangen Ermittlungen festgenommen. Jetzt wird dem Mann vor dem Landgericht Bayreuth der Prozess gemacht.

Auf Anfrage bestätigt Gerichtssprecher Jochen Götz, dass die Staatsanwaltschaft Bayreuth Anklage erhoben hat und dass die Anklage auch bereits zur Hauptverhandlung zugelassen ist. Die Verhandlung vor der Ersten Großen Strafkammer sei auf mehrere Tage terminiert. Das Verfahren soll noch im Sommer stattfinden.

Immer noch in Haft

Götz zufolge lautet der Anklagevorwurf auf Untreue, Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz sowie Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Mehr Details nennt der Richter mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten nicht, der nach wie vor in Haft sitzt.

Den Stein ins Rollen brachte der Firmenchef eines oberfränkischen Unternehmens. Ihm waren Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung aufgefallen. Im April 2014 erstattete er Anzeige, und Finanzexperten der Kripo Bayreuth stellten fest, dass der Mann zirka 280.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte.

Die Festnahme des Mannes im Dezember hatte in Himmelkron für großes Aufsehen gesorgt. Die Hausdurchsuchung zog sich über vier Tage hin.

Der Beschuldigte hatte offenbar über viele Jahre ein unauffälliges Leben geführt, bis er vor drei Jahren erstmals bei einem Nachbarschaftsstreit wegen einer Stützmauer auffiel. Er hatte Ärger wegen eines Schwarzbaus, nachdem die Gefahr bestand, dass Erdaushub und Geröll auf die Straße abrutschen. Damals schritt die Gemeinde ein.

"Leidet unter Verfolgungswahn"

Nachbarn hatten jedoch schon länger gemerkt, dass mit dem Mann wohl etwas nicht stimmt. "Was soll man von einem halten, der mit Rohrbomben und Handgranaten im Auto rumfährt? Der leidet unter Verfolgungswahn", sagte eine Kenner der Szene. Der Mann gilt in seinem Heimatort als Sonderling und wird als streitsüchtig beschrieben.

Die Experten der Kripo staunten bei der Hausdurchsuchung nicht schlecht, als sie auf der Suche nach Beweismitteln "eine selbstgebaute, besonders gesicherte Rückzugsmöglichkeit" entdeckten: Der Mann hatte in mühevoller Handarbeit aus Bauteilen eines Schweizer Herstellers seinen Bunker gebaut. Erst mit Hilfe einer Fachfirma gelang es, die zahlreichen Sicherungen zu öffnen.

Ein Kilo Marihuana

In dem Unterschlupf hatte der Himmelkroner auf Regalen alles Notwendige für den täglichen Bedarf eingelagert, um es in dem Bunker längere Zeit aushalten zu können. Neben Lebensmitteln und Geld fand die Kripo aber auch eine Vielzahl selbstgebastelter Sprengkörper und gut ein Kilo Marihuana.

Der Abtransport des Sprengstoffs gestaltete sich schwierig. Die Kripo forderte das Sprengkommando aus München an. Die Spezialkräfte schafften das explosive Material zur fachgerechten Vernichtung weg.