Jetzt, wenn es draußen warm wird, kann man in der Dämmerung manchmal ein lautstarkes Keckern oder Fauchen hören. Das könnten Gartenschläfermännchen sein, die lautstark um ihre Weibchen kämpfen und in Paarungslaune sind. Zu Gesicht bekommt man diese Tierchen allerdings selten, denn sie sind dämmerungs- und nachtaktiv - und äußerst schnell.

Die Gartenschläfer gehören zur Gruppe der Bilche oder Schlafmäuse und sind mit Siebenschläfern, Baumschläfern oder Haselmäusen verwandt. Besonders auffällig ist ihre Färbung: Die zwölf bis 17 Zentimeter großen Tierchen sind rotbraun-grau und haben einen weißen Bauch. Um die Augen tragen sie eine schwarze Maske. "Die sind sehr einfach zu erkennen - durch ihre Zorro-Maske", erklärt Gudrun Frohmader-Heubeck. Sie steuert gemeinsam mit Ronald Ledermüller das Gartenschläfer-Projekt, das von der Regierung von Oberfranken sowie vom bayerischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz unterstützt wird.

Aktionsjahr "Waldnaturschutz"

Zur Veranschaulichung hat sie einen ausgestopften Gartenschläfer mitgebracht. Und noch eine Besonderheit haben Gartenschläfer: Im Schwanz sind mehrere Sollbruchstellen eingebaut. Wenn ein Fressfeind - etwa eine Eule oder ein Marder - den Gartenschläfer am Schwanz packt, reißt die Haut ab und der Gartenschläfer kann flüchten. Die freigelegten Schwanzknochen trocknen danach von selbst ein und werden vom Gartenschläfer abgenagt.

Im Zuge des Aktionsjahres "Waldnaturschutz", das Staatsminister Helmut Brunner ausgerufen hat, lassen die Bayerischen Staatsforsten im Steinachtal 18 Nistkästen aus Holzbeton für den Gartenschläfer anbringen. In der zweiten Jahreshälfte sollen solche Kästen in allen Staatswaldrevieren ausgebracht werden, kündigt Fritz Maier, der Leiter des Forstbetriebs Nordhalben, an. "Es geht aber nicht nur darum, einen Lebensraum zu schaffen, sondern es geht auch um ein Monitoring", betont Maier. Deshalb werden die Kästen, die vorne mit einer Klappe versehen sind, zwei Mal pro Jahr kontrolliert.

32 Euro pro Exemplar

Billig sind die Behausungen nicht. 32 Euro kostet ein Exemplar. "Wir wissen aus Kartierungen, die in den achtziger Jahren durchgeführt worden sind, dass Gartenschläfer hier im Steinachtal vorkommen, und wir freuen uns über dieses Projekt zum Artenschutz", sagt Maier. Die Kästen werden in südlicher oder süd-östlicher Richtung an den Bäumen festgemacht. "Wichtig ist, dass die Bäume zwischen zwölf und 17 Zentimeter dick sind. Dann passen die Kästen perfekt", erklärt Ronald Ledermüller.

Gemeinsam mit Johanna Maier und Rainer Nitsche vom LBV Hof hat er schon wieder einen "idealen" Baum gefunden: mit rauher Rinde, schön in der Sonne, weit genug vom Weg weg, so dass die Gartenschläfer ungestört sind. Der Kasten wird mit dem Loch zur Stammseite montiert. So kann der Bewohner sein Quartier ungesehen beziehen und mit Moos auspolstern.

Höhlen und Totholz beliebt

"Die Gartenschläfer lieben strukturreiche Mischwälder mit Felsenregionen und einer reichen Bodenvegetation. Unsere naturnahe Bewirtschaftung im Staatswald kommt diesen Ansprüchen entgegen, weil Biotopbäume mit Höhlen erhalten werden und weil es Totholzvorkommen gibt", erläutert Maier und hofft, dass die Kästen schnell bezogen werden.

Dass sich auch verwandte Bilche in die Kästen verirren könnten, stört Gudrun Frohmader-Heubeck und Ronald Ledermüller nicht. "Wenn Gartenschläfer eingezogen sind, merkt man das schnell", verrät Rainer Nitsche vom LBV Hof. Denn ihre Nester sind sehr unsauber und fallen durch unangenehmen Geruch auf. "Man nimmt an, dass der Gestank Fressfeinden den Appetit verderben soll", unterstreicht Frohmader-Heubeck.
Das Verbreitungsgebiet der Gartenschläfer hat sich seit den siebziger Jahren um die Hälfte verringert. Die Tiere sind längst geschützt. "Ziel des Projekts ist es, Vorkommen und Lebensräume des Gartenschläfers näher zu untersuchen und aus den Ergebnissen Schutzmaßnahmen abzuleiten", so die Expertin.
Im Fichtelgebirge haben die Artenschützer mit solchen Nistkästen für Gartenschläfer bereits beste Erfahrungen gemacht. Dort werden schon seit 2011 solche Kästen aufgehängt - nach eineinhalb Jahren war der Großteil bezogen.

BU
1 e Nist-Kobel zu finden.

2 Die Erkenntnisse beruhen auf Kartierungen.

3 Der Leiter des Forstbetriebes Nordhalben Fritz Maier freut sich über die Hilfe für den Gartenschläfer und zeigt einen Kasten aus Holzbeton. Das Einschlupfloch ist zum Stamm gewandt, so dass die Gartenschläfer ungesehen ihr Quartier beziehen können

5 Mit einer Klappe können die Kästen dann nach dem Bezug geöffnet werden. Die Gartenschläfer stopfen ihre Höhlen mit Moos voll. Sie bringen pro Jahr drei bis vier Junge zur Welt

6 Der Innenraum eines Holzbeton-Nistkastens für Gartenschläfer: Der Nistkasten simuliert eine "Schäferkobel". Gartenschläfer sind geschützt. Im Rahmen des Aktionsjahrs Waldnaturschutz werden die Nistkästen angebracht.

7 Mit vereinten Kräften montieren Ronald Ledermüller, Rainer Nitsche vom LBV Hof und Johanna Maier die Gartenschläfer-Kästen. Wichtig ist, dass die Kästen schön von der Sonne beschienen werden, denn Gartenschläfer lieben es warm