Papst Franziskus hat jüngst zwei Flüchtlingsfamilien im Vatikan aufgenommen. "Wenn ein Flüchtling eintrifft, und alle Sicherheitsmaßnahmen sind gegeben, dann ist es klar, dass man ihm Zuflucht gewähren muss, weil das ein Gebot der Bibel ist", fordert der Oberhirte und hat die katholischen Kirchengemeinden explizit dazu aufgerufen, Flüchtlingen zu helfen. Im Dekanat Kulmbach ist dieser päpstliche Wunsch schon lange vor dem Aufruf Realität geworden.

In dem kirchlichen Haus in Marktschorgast - direkt gegenüber dem Pfarrhaus - lebt seit langem eine Flüchtlingsfamilie, bestätigt Pfarrer Ignacy Kobus. "Wir haben aber auch in der Wohnung neben der Autobahnkirche in Himmelkron Flüchtlinge untergebracht. Und Ehrenamtliche kümmern sich um die Menschen", sagt der zuständige Pfarrer für Marktschorgast und Himmelkron.


"Eine Selbstverständlichkeit"

"Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir als Kirche helfen, wo es geht. Und Menschen aus Kriegsgebieten brauchen unsere Hilfe", betont Kobus. Aber letztlich werde das Problem der Flüchtlingswelle nicht von der Kirche zu lösen sein, letztlich sei die Politik gefordert", so der Marktschorgaster Seelsorger, der diese Entwicklung als große Herausforderung für ganz Europa sieht.

Marktschorgast ist freilich nicht die einzige Gemeinde, die in kirchlichen Liegenschaften Flüchtlinge beherbergt. "Wir haben schon die dritte Flüchtlingsfamilie im Benefiziatenhaus untergebracht", erklärt Kirchenpfleger Klaus Geier aus Stadtsteinach. Eine Familie aus Tschetschenien ist ausgewiesen worden, dann kam eine Familie aus Syrien, fand in dem Haus gegenüber der Stadtsteinacher Kirche für ein dreiviertel Jahr eine Bleibe.


Vielfältige Unterstützung

"Inzwischen hat die Familie eine Wohnung in Kulmbach gefunden. Ich habe noch sehr viel Kontakt", sagt der Kirchenpfleger, der auch Behördengänge mit den Flüchtlingen erledigt, mit ihnen beim Jobcenter vorstellig wird und auch in anderen Fragen hilft.

Jetzt ist in Stadtsteinach eine neue Familie aus Syrien zu Hause. "Wir waren einen Monat unterwegs, sind von Damaskus in die Türkei, nach Griechenland und dann weiter nach Deutschland", erzählt Mutter Rana Hasno Dadawisch. Ein Team von Ehrenamtlichen kümmert sich um die neue Familie. Kirchenpfleger Klaus Geier bringt jede Woche mindestens zehn Stunden Arbeit ein.

"Ich denke, wir haben als Pfarrei unser Soll erfüllt", sagt Pfarrer Wolfgang Eßel. Der Geistliche hat allerdings keinen kirchlichen Kontakt, denn die Familienmitglieder sind Muslime. Doch man redet miteinander. "Wir haben den Auftrag, den Menschen eine Heimat zu bieten. Religiös gibt es aber keine Anknüpfungspunkte", so Pfarre Eßel.


In Presseck "sehr gut integriert"

Auch im ehemaligen Pressecker Pfarrhaus leben inzwischen Flüchtlinge. Das Gebäude ist sogar eigens dafür saniert worden. "Unsere Flüchtlingsfamilie - zwei Erwachsene und vier Kinder - sind schon seit Dezember 2014 in Presseck", sagt Kirchenpfleger Oliver Schott. "Sie helfen sogar in der Kirche mit. Die Kinder sind sehr gut integriert, gehen in den Kindergarten und in die Schule. Das ist wirklich eine ganz liebe und freundliche Familie", sagt Schott. Die Betreuung übernehmen auch in Presseck ehrenamtlich Engagierte, vor allem Anita Baar und Robert Thern.

"Wir haben die Flüchtlingsfrage auch beim Conveniat zum Thema gemacht. Aber letztlich steht die Unterbringung von Flüchtlingen in der Verantwortung jeder einzelnen Pfarrei", sagt Dekan Hans Roppelt. "Wir haben im Dekanat Kulmbach schon viele kirchliche Häuser für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt", zieht der Dekan eine Bilanz. "Dort., wo wir freie Liegenschaften hatten, haben wir diese schon frühzeitig zur Verfügung gestellt. Aber trotzdem ist es gut, dass der Papst die Forderung noch einmal explizit ausgesprochen hat", so Roppelt.
"Aber angesprochen sind nicht nur die Pfarrer, denn diese wären allein mit dieser Aufgabe auch überfordert, sondern Kirche sind ja alle Kirchenmitglieder", so der Dekan.
Deshalb zählen natürlich auch private Unterkünfte und vor allem die vielfältigen ehrenamtlichen Engagements, die von den katholischen Gläubigen eingebracht werden.


Sprachkurs in Mainleus

In Kulmbach engagieren sich ebenfalls einige Freiwillige in der Betreuung. Und in Mainleus stellt die Kirche sogar die Räume für einen Sprachkurs für Flüchtlinge zur Verfügung. "Wir haben ja auch die Caritas, die sich in der Flüchtlingshilfe sehr engagiert. Die Hilfsbereitschaft in Kulmbach ist sehr gut", sagt der Dekan.
Das Flüchtlingsthema wird in allen Predigten thematisiert - auch in nächster Zukunft.