Für die Regionen Bayreuth, Hof, Kulmbach und Auerbach fand dazu am Donnerstag eine Feier in der St.-Michaels-Kirche statt. Nur knapp hundert Gläubige fanden den Weg zu Gottesdienst mit Eucharistiefeier sowie zum anschließenden Zeitzeugengespräch.

Zwanzig Geistliche aus den Pfarreien zelebrierten mit Regionaldekan Josef Zerndl den Gottesdienst.

Im Anschluss berichtete Zerndl von seinen persönlichen Erinnerungen: "Es ging nicht nur darum, die Sprache der Messen zu ändern, sondern es ging um das ganze Verständnis, um das Miteinander der Weltkirche. Der Altar, zum Volk gewandt, war nur die Schlussfolgerung", erklärte Zerndl und bezeichnete das Konzil als Wunder. Denn mehr als 2500 Bischöfe und Berater wirkten an den Neuerungen mit und brachten ihre Ideen mit ein. Die wichtigsten Neuerungen waren die Mitwirkung aller Gläubigen am kirchlichen Leben, die neue Sicht der Bibel als Zeugnis der Glaubenserfahrungen mit Gott.

"Ein Geschenk"


Pfarrer Helmut Spindler (70) erinnerte sich an das Konzil, damals war er Kaplan in Hersbruck. Vor dem Konzil sei es nicht möglich gewesen, das mehrere Pfarrer gemeinsam eine Messe zelebrierten. Spindler erzählte davon, wie er am Nebenaltar mit einem Ministranten, stille Messen hielt, während der Pfarrer die Heilige Messe feierte. "Nach dem Konzil feierte man gemeinsam, das war ein Geschenk für uns", so der Geistliche.

Das Ende der Starre


Während die Katholiken das Vatikanische Konzil als beeindruckendes Erlebnis erlebt haben, das auch fünfzig Jahre danach noch nachwirkt, war für den evangelischen Oberkirchenrat Helmut Hofmann als Zeitzeugen "alles herzlich uninteressant" und geradezu "marginal". "Ich habe die Errungenschaften des Vatikanischen Konzils erst in den beiden Jahrzehnten nach dem Konzil erfahren", erklärte Hofmann, betonte aber, dass auch ihm "die Augen geöffnet" wurden. "Es war auch für mich ein Wunder, was da geschehen ist. Es war, als ob Blinde sehend wurden und Lahme gehen konnten. Die katholische Kirche geriet in Bewegung und kam aus der Starre heraus", so Hofmann.

Nach dem Gottesdienst und den Zeitzeugenberichten trafen sich die Gläubigen und pastoralen Mitarbeiter zum persönlichen Austausch im Stadtsteinacher Pfarrheim.