Der Vorwurf lautet offiziell auf Untreue. Aber hinter diesem juristischen Begriff geht es im Fall des "Bunkermanns" von Himmelkron noch um viel mehr: Drogen sind im Spiel und Sprengstoff - und mittendrin eine Persönlichkeit, die offenbar panische Angst hatte und sich deshalb ein Beton-gesichertes Refugium unter Tage schuf. Ab kommendem Mittwoch, 22. Juli, muss sich der 35-Jährige vor dem Landgericht Bayreuth verantworten. Die Anklage ist bereits offiziell zugelassen, wie ein Gerichtssprecher bestätigt. Es sind mehrere Verhandlungstage angesetzt.
Der Bilanzbuchhalter, der seit Anfang Dezember in Untersuchungshaft sitzt, hatte laut Ermittlungen der Bayreuther Staatsanwaltschaft für mittelständische Unternehmen in der Region die Bücher geführt - und dabei offenbar systematisch Geld in die eigene Tasche abgezweigt. Die Rede ist von annähernd 250 000 Euro, die er sich so ergaunert haben soll. Zudem soll er einen Meineid begangen haben, was die angebliche Unkenntnis von Geldtransfers auf ein (eigens von ihm eröffnetes) Konto anlangt.
Nachdem im April 2014 ein Unternehmer Unregelmäßigkeiten in der Buchführung festgestellt und Anzeige erstattet hatte, geriet der 35-Jährige ins Visier der Behörden. Und damit schließlich auch sein besonders gestalteter Keller. Durch die Funde darin dürfte sich die Anklage um die Punkte Drogen- und Sprengstoffbesitz erweitern. Denn als die Polizei den Unterschlupf öffnete, trauten die Experten der Kriminalpolizei ihren Augen kaum: Sie entdeckten nicht nur, wie vom Hausbesitzer angegeben, Lebensmittelvorräte, sondern auch Waffen, die sich der Mann womöglich aus dem Ausland beschafft hat, dazu selbstgebastelte Sprengkörper sowie fast ein Kilo Marihuana. Und Bargeld.
Zur Sicherheit waren bei der Hausdurchsuchung Spezialisten eines Sprengkommandos aus München zu dem Einsatz hinzugezogen worden. Eine Fachfirma musste die diversen Sicherungsmechanismen deaktivieren, bevor die Ermittler Zutritt zum Bunker erhielten. Den hatte sich der Mann aus Bauteilen einer Schweizer Firma zusammengebaut. Wie aus Medienberichten verlautet wird, habe der Himmelkroner sich dort aus Furcht vor den Russen oder dem Weltuntergang verbarrikadieren wollen. Er soll unter Verfolgungswahn gelitten und in seinem Fahrzeug mehrfach mit Waffen und Rohrbomben durch die Gegend gefahren sein.

War er tablettensüchtig?
Überhaupt galt der 35-Jährige als Sonderling und sei nach Aussagen seines Umfelds unauffällig, aber im Ernstfall auch über die Maßen streitlustig gewesen. Womöglich wird er vor Gericht psychologisch begutachtet. Dabei soll auch eruiert werden, inwiefern die regelmäßige Einnahme von Schmerz- und Betäubungsmitteln zu einer Veränderung der Persönlichkeit geführt haben könnte, was das sonderbare Verhalten des 35-Jährigen erklären könnte.
Vor drei Jahren war der Himmelkroner erstmals bei einem Nachbarschaftszwist wegen einer Stützmauer aufgefallen. Er hatte Ärger wegen eines Schwarzbaus, bei dem die Gefahr bestand, dass Erdaushub und Geröll auf die Straße abrutschen. Damals war die Gemeinde eingeschritten.