Bauarbeiten, die sich über Monate hinziehen, Lärm und Schmutz - der Vermieter auf der einen, die Mieter auf der anderen Seite: Das ergibt ein Spannungsfeld, in dem Kritik selten ausbleibt. Josef Duballa, der eine 57 Quadratmeter große Wohnung im Anwesen Blaicher Straße 15c bewohnt, ist momentan äußerst unzufrieden mit der Baugenossenschaft Kulmbach, die dort und im Haus 15d investiert.

Der 79-Jährige ist genervt von den seit Anfang Februar andauernden Renovierungsmaßnahmen, die im angrenzenden Gebäude zwar weitgehend abgeschlossen, deren Ende im Anwesen 15c für ihn aber derzeit nicht absehbar sind. Besonders stört ihn das Gerüst vor seinem Wohnzimmer, das noch dastehe, obwohl der Fassadenanstrich schon vor zwei Monaten erledigt gewesen sei, und das seiner Ansicht nach nur die Fortsetzung der weiteren Arbeiten - an den Wohnungen sollen Balkone angebracht werden - verhindere und seine Fenster verschmutze.


Nervenzusammenbruch erlitten

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Ventilatoren, die nach den Kernbohrungen zur Trockenlegung des durchfeuchteten Kellers installiert worden seien und ihm durch lautes Summen den Schlaf raubten: "Das ist ungefähr so, als wenn Sie im Garten vor zehn Bienenstöcken stehen. Ständig wacht man mitten in der Nacht auf." Ein Nachbar, so Duballa, habe deshalb einen Nervenzusammenbruch bekommen und liege jetzt im Krankenhaus.

Der frühere Fernmeldeunternehmer, der aus Nordrhein-Westfalen stammt und aus beruflichen Gründen nach Oberfranken verschlagen wurde, bewohnte vorher eine 120-Quadratmeter-Wohnung in der Friedrich-Ebert-Straße. Nachdem seine Lebensgefährtin starb, war diese Wohnung zu groß, weshalb er 2010 ein paar Häuser weiter in der Blaicher Straße heimisch wurde. "Ein Fehler", wie er heute einräumt.

Denn auch die Erneuerung der Fenster sieht der Rentner nicht hundertprozentig positiv. "Vorher waren Rollos dran, die fehlen jetzt", bemängelt Duballa, der darin eine Wertminderung sieht: "Wenn Sie jetzt das Fenster kippen, kommt Schmutz herein, außerdem ist der Lärmschutz nicht mehr so gut."

Der 79-Jährige mutmaßt, dass es sich um einen Racheakt handelt, weil er und drei weitere Familien zwar der Renovierung, nicht aber den geplanten Modernisierungen zugestimmt haben. "Das Bad wäre zuungunsten der Küche protzig vergrößert worden. Als Alleinstehender brauche ich das nicht. Auch wäre dann die Miete von 251 auf 435 Euro pro Monat gestiegen."

Der Vorstand der Baugenossenschaft, Udo Petzoldt, verweist diese Anschuldigung ins Reich der Fantasie: "Warum sollten wir unsere Mieter ärgern wollen? Wir versuchen, ihnen das Leben so schön wie möglich zu machen. Deshalb wird auch hochwertig saniert."


"Solche Baustellen gibt es nicht"

Was die Blaicher Straße 15c und 15d betrifft, spricht Petzoldt von einer "umfassenden Maßnahme", da in einem Bestand investiert werde, wo 30 bis 50 Jahre lang nichts getan worden sei. Durch Laminat, Rauputz an den Wänden und Balkone würden die Wohnungen enorm aufgewertet. "Wenn Wohnraum attraktiv ist, dann ist auch die ganze Stadt attraktiv. Die Mieter hätten natürlich alles gern schön und modern, aber bitte ohne Schmutz und Lärm. Solche Baustellen gibt es leider nicht, aber das ist mein täglich Brot."


"Überspitzt und subjektiv"

Die Darstellung von Josef Duballa, für dessen Situation er teilweise Verständnis aufbringen könne, nennt Petzoldt "sehr überspitzt" und subjektiv. Irgendwann müsse der Keller eben entfeuchtet werden, sonst lasse sich ein solches Objekt nicht auf Dauer erhalten. "Und das ist nicht das einzige Haus mit diesem Problem", so der Vorstand, demzufolge die Baugenossenschaft in Kulmbach und Umgebung insgesamt 1365 Wohnungen unterhält. In der Blaicher Straße werde im Bereich von etwa 750 000 Euro investiert. Der Keller sei schon wieder nutzbar, auch wenn er noch nicht ganz entfeuchtet sei. "Das ist ein langsamer Prozess, der sich noch locker über den Winter hinziehen wird. Wir geben hier unheimlich viel Geld für die Trocknung aus", erläutert Petzoldt, der wegen der Lautstärke der Ventilatoren noch keine weiteren Beschwerden erhalten hat.

Für Mieter Josef Duballa hat er eine gute Nachricht: "Das Gerüst kommt im Oktober weg." Es sei aus Sicherheitsgründen noch benötigt worden. Nach der vorläufigen Planung, deren Umsetzung natürlich witterungsabhängig sei, solle die Anbringung der Balkone noch heuer in Angriff genommen werden.

So lange wird sich Josef Duballa noch gedulden müssen. Eine Nachbarin, die namentlich nicht genannt werden will, sieht die Maßnahmen eher gelassen: "Das ist ein Riesenumbau, es dauert seine Zeit. Und deshalb liegen manche Nerven blank. Aber es ist ein altes Haus, da muss halt einmal etwas investiert werden."