Gladiolenblüten auf den weiß gedeckten Tischen, ein verwunschenes Märchenschloss im Blick. Ein weiter Himmel wölbt sich über eine traumhafte Kulisse - und vorne auf der Bühne acht Hornisten vom Festspielhügel. Romantischer hätte es nicht sein können das Konzert im Innenhof, das einen Hauch von Bayreuth nach Wernstein brachte, die besten Virtuosen Deutschland dieses Genres vereinte.
Die Hornisten vom Südwestfunk Baden-Baden und der Staatsphilharmonie Nürnberg bis zum Gewandhausorchester Leipzig und dem Deutschen Symphonieorchester Berlin offenbaren in den klassischen Stücken von Richard Wagner, Gioachino Rossini, Georg Friedrich Händel und Engelbert Humperdinck prachtvolle Bläsersätze, perfekten Einsatz in jubilierender Helle und tiefdunklem Schnarren.
Frappierend diese kraftvollen Hörnerstöße hinauf in das Firmanent, abgelöst von den kecken, sprungbereiten Passagen, die sich wie wellenartig fortplanzen.
Jeder Musiker beherrscht sein Instrument bis ins Detail, es ist hohe Bläserkunst, was die zahlreichen Besucher zu hören bekommen. Mit starker persönlicher Ausdruckskraft, aber im Ensemble wunderbar harmonierend.
Eine Inspiration das "Rendevouz de chasse" von Rossini, intoniert aus reinen Naturhörnern, vier auf der Treppe, vier auf der Bühne. Der echohafte Widerhall, die wechselhaft verschwebenden Klangvariationen, ein Hörbild, das die Seele mitschwingen lässt und das Herz öffnet. Dann die "Taugenichts-Suite" in fünf Sätzen für sechs Hörner mit unbestechlichem Klang, der keine Unebenheit duldet und auch so interpretiert wird. Dazu Gedichte von Joseph von Eichendorff, Poesie in Hörnertöne ausgedrückt.
Mächtige Schwere im zweiten Satz aus Anton Bruckners 7. Sinfonie, diesmal mit Wagner-Tuben. An Schiffshörner erinnernd, kommen die Tongewalten ans Ohr, berühren später in einer fast zarten Modulation, das Publikum ist wie in Trance, erst geraume Zeit nach dem letzten Ton branden Beifall auf und ein paar Jubelschreie.
Die Holländer-Klangphantasie im modernen Zuschnitt lässt Jazzpartituren erahnen, die Filmmusik aus "Titanic" führt zu Gefühlsüberwältigung in nicht mehr zu steuernder Traurigkeit, die acht Könner am Blech legen all ihr technisches Können und ihre Individualität ins Spiel. So muss Horn klingen.
Ein "göttlicher" Ausklang, tief in wagnerianische Genialität greifend, der Pilgerchor aus Tannhäuser, die Bayreuther Festspiele sind für Augenblicke ganz nah. Und schließlich noch was für den Heimweg: "Guten Abend, Gute Nacht ..." in sanften Schwingungen wird leise unten im Chor mitgesummt, die Besucher sind glücklich.
Michael Lösch, Hornist an der Staatsphilharmonie Nürnberg und Organisator des Konzerts, ist sich mit Gastgeberin Iris Freifrau von Künßberg einig: "Wir machen das nächstes Jahr wieder, die Resonanz und die Zustimmung der Gäste lassen gar nichts anderes zu".