Der Besuch des Bierfestes am 6. August dieses Jahres kam einen 19-jährigen Zimmermann in Ausbildung aus Kulmbach teuer zu stehen. Obwohl weder er noch der Geschädigte sich an die Auseinandersetzung morgens um 3.35 Uhr in der Grabenstraße aufgrund ihrer starken Alkoholisierung erinnern konnten, verhängte Jugendrichter Christopher Berner am Ende eine Geldstrafe von 1200 Euro und eine Arbeitsauflage von 30 Arbeitsstunden. Der Grund: Es gab einen Zeugen, der sich ganz genau daran erinnern konnte, dass der Angeklagte ohne Vorwarnung einem 28-jährigen Kulmbacher einfach eine "ins Gesicht ballerte".
Laut Anklageschrift, die Staatsanwalt Roland Köhler verlas, habe der Angeklagte an jenem Bierfestabend unvermindert und ohne Grund einfach mit der Faust zugeschlagen und dem 28-jährigen Kulmbacher blutende Verletzungen am Mund und im Gesicht zugefügt. Die Anklage lautete deshalb auf vorsätzliche Körperverletzung. Der Alkoholgehalt mit 0,86 mg/l (das entspricht gut 1,7 Promille, Anmerkung der Redaktion) war nach den Worten des Staatsanwalts sehr hoch. Der 19-Jährige musste seinen Rausch in der Arrestzelle der Polizeiinspektion Kulmbach ausschlafen.
Der Angeklagte gab an, dass er sich an nichts mehr erinnern könne. Er wisse nur noch, dass er mit Freunden zum Bierfest gegangen sei und von 16 Uhr bis Mitternacht an die fünf Maß Kulmbacher Festbier getrunken habe. An eine körperliche Auseinandersetzung und gar an einen Faustschlag könne er sich nicht erinnern. Auch beim Gang in die Obere Stadt wurde noch in der einen oder anderen Kneipe Alkohol getrunken, bevor es dann in den frühen Morgenstunden zum Faustschlag in der Grabenstraße kam.
Die Frage von Richter Christopher Berner, ob er mit dem Alkohol ein Problem habe, beantwortete der Angeklagte damit: "Eigentlich nicht, denn ich spiele ja auch Fußball." Seit jenem Abend habe er sich aber auferlegt, nur noch am Wochenende ein, zwei Bier zu trinken und das falle ihm auch nicht schwer. Er wollte auch selbst mit seinem Kontrahenten nach dem Vorfall Kontakt aufnehmen, doch davon wurde ihm abgeraten.


Entschuldigung vor Gericht

Der Geschädigte, der auch das Bierfest besuchte und dessen Promillegehalt mit 2,1 gemessen wurde, kannte den Angeklagten überhaupt nicht und dieser umgekehrt ihn auch nicht. Den vermeintlichen Faustschlag habe er lediglich als einen Schlag auf die Backe wahrgenommen und selbst als ihm Richter Christopher Berner die Bildaufnahmen vorhielt, setzte kein Erinnerungsvermögen ein. Das war es dann auch schon mit seiner Zeugenaussage vor Gericht. Doch bevor der Kulmbacher den Zeugenstand verließ, entschuldigte sich der Angeklagte: "Es tut mir leid und ich entschuldige mich dafür."
Der weitere Zeuge, ein 41-jähriger Bayreuther, der mit seiner Frau und weiteren Verwandten und Bekannten ebenfalls Gast des Bierfestes war, brachte aber dann doch etwas Licht ins Dunkel. Er gab an, zwei Maß Bier getrunken zu haben, und hatte noch klare Erinnerungen an diesen Abend: "Er war auffallend rot gekleidet, mit roter Mütze, einem roten Hemd und roten Schuhen. Der Geschädigte ist angepöbelt worden und wollte eigentlich nur schlichten, doch er hat ihm ohne Vorwarnung einfach eine ins Gesicht geballert." Der Geschädigte sei zu Boden gegangen und noch etwa vier Minuten bewusstlos gewesen.
Aus dem Bundeszentralregister gab Richter Christopher Berner zwei Einträge bekannt. Einschlägig war dabei der letzte Vorfall, bei dem der Angeklagte mit einem Kopfstoß und einem Faustschlag straffällig wurde und seinem Gegenüber einen Nasenbeinbruch zufügte. Stefan Fürst vom Jugendamt des Landratsamtes Kulmbach machte deutlich, dass bei dem Heranwachsenden Reifeverzögerungen festzustellen sind. Der übermäßige Genuss von Alkohol löse bei dem 19-Jährigen starke Aggressionen aus. Fürst schlug vor, es bei einer Geld- und Arbeitsauflage zu belassen und die Empfehlung einer Suchtberatung auszusprechen.
Während Staatsanwalt Roland Köhler eine Geldauflage von 950 Euro und 60 Arbeitsstunden sowie eine Suchtberatung für vertretbar hielt, nahm Richter Christopher Berner in seinem Urteil ein andere Gewichtung vor: 1200 Euro Geldstrafe und 30 Arbeitsstunden sowie fünf Termine bei der Suchtberatung. Die Geldstrafe ist an die Geschwister-Gummi-Stiftung zu entrichten, und die Arbeitsstunden sind in der gleichen Einrichtung zu leisten. Außerdem muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen.