Eine Backmischung nur für Erwachsene? Die gibt's wirklich. Die 60 Schüler der zehnten Klassen des Caspar-Vischer-Gymnasiums staunten teilweise nicht schlecht über die Sachen, die ihnen Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler im Rahmen des Projekts "Kulmbacher Bierkultur - zwischen Verantwortung und Genuss" präsentierte.

Ins Leben gerufen wurde es von der Kulmbacher Brauerei mit dem museumspädagogischen Zentrum (Mupäz), dem Landratsamt Kulmbach, dem Rotary-Club Kulmbach und der Bayerische Rundschau. Ziel ist es, das Geschichts- und Traditionsbewusstsein junger Bürger mit Blick auf die Bierstadt Kulmbach zu fördern und gleichzeitig auf die Gefahren des Alkoholmissbrauchs aufmerksam zu machen.

Zielgruppen sind zunächst die Schüler der 10. Klassen von CVG, MGF, Realschule und Beruflichem Schulzentrum, die das 16. Lebensjahr vollendet haben müssen, ebenso wie deren Lehrkräfte. In dieser Woche war die erste Schülergruppe vom CVG im Mupäz.

Dass die Schokoladentafel Rum-Trauben-Nuss nicht an Jugendliche verkauft werden darf, dass erfuhr Ziegler auch erst auf Nachfrage bei Ritter-Sport. "Weil da tatsächlich ein bisschen Rum mit drin ist. Und der ist tabu", erklärte er den Jungen und Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren, die im Mupäz am Projekt "Kulmbacher Bierkultur - zwischen Verantwortung und Genuss" teilnahmen.

Im Jugendschutzgesetz geregelt

Der Verkauf von Alkohol sei im Jugendschutzgesetz ganz klar geregelt, erklärte Ziegler den jungen Leuten. So sind Bier und Wein frei ab 16 Jahren, härtere Sachen ab 18. Dabei steckt der Teufel oft im Detail. Denn Aromastoffe, beispielsweise Tequila-Aroma in der Marke Desperados, haben keine Auswirkungen auf die Altersfreigabe, weil dem Bier eben kein echter Tequila zugesetzt wird. Dieses Bier darf man mit 16 Jahren trinken.

Dass Biergenuss nicht immer mit Alkohol-Genuss gleichzusetzen ist, das erfuhren die jungen Leute am Beispiel der Kulmbacher Brauerei: Denn die hat in ihrem Sortiment inzwischen mehrere Sorten alkoholfreie Biere.

Und auch das Landratsamt bietet bei vielen Veranstaltungen Alternativen an: So ist die Saftbar des Kreisjugendrings beispielsweise beim Altstadtfest oder der Sternfahrt vertreten und bietet Cocktails an - ganz ohne den Einsatz von Spirituosen, wie der Leiter des Jugendzentrums Alte Spinnerei, Stefan "Bonsai" Lehner, erklärte.

Ein Stück Kulturgut

Bier ist aber auch ein Stück Kulturgut - das wurde am Beispiel von Kulmbach deutlich. Denn die Stadt hat eine lange Tradition in Sachen Bierbrauen. Ein Grund dafür ist die Beschaffenheit des Burgbergs, der aus Sandstein besteht. "Dort konnte man leicht Keller graben, in denen es schön kühl ist, was sich natürlich für die Lagerung gut eignet", erklärte Museumsführer Martin Ständner. Der Berg sei im Mittelalter durchlöchert worden "wie ein Schweizer Käse".

Dass die Kunst des Bierbrauens in der Region aber noch viel weiter zurückreicht, das zeige ein Fund in der Nähe von Kasendorf. Dort wurde eine keltische Bieramphore gefunden, die etwa 2800 Jahre alt ist. "Das ist der älteste Nachweis des Bierbrauens im deutschsprachigen Raum", so Ständner. Die Amphore sei im Brauereimuseum in der Hofer Straße zu sehen.

Doch noch weitere Gründe habe es für die Entwicklung von Kulmbach zur Bierstadt gegeben: die hervorragenden heimischen Rohstoffe (vor allem die Braugerste), die freizügige Vergabe von Braurechten und der sehr frühe Bahnanschluss. Erstmals sei am 11. Oktober 1831 Bier von Kulmbach exportiert worden - durch die damalige Sandler-Brauerei. Heute trage die Kulmbacher Brauerei den Namen der Stadt in die ganze Welt.

In der gläsernen Brauerei des Museums konnten die jungen Leute den Fachkräften nicht nur beim Einmaischen über die Schultern schauen, sondern auch das Würzekochen und die Hopfengabe beobachten.
Dass das Brauen längst keine Männer-Domäne mehr ist, das sahen die Schüler am Beispiel von Lena Niklas, die als Auszubildende im zweiten Lehrjahr den Beruf der Brauerin und Mälzerin erlernt.


Die Veranstalter und ihre Ziele


Bierkultur und Biergenuss auf der einen, Missbrauch von Alkohol auf der anderen Seite: Der Vorstandssprecher der Kulmbacher Brauerei, Markus Stodden, weiß um das Spannungsfeld, in dem sich sein Unternehmen befindet. Umso mehr ist es ihm ein Anliegen, das Gefühl für einen bewussten Umgang mit Alkohol bei jungen Leuten zu schärfen. Deshalb habe man auch das Projekt "Kulmbacher Bierkultur - zwischen Verantwortung und Genuss" mit initiiert.

Mit im Boot ist der Landkreis Kulmbach. Landrat Klaus Peter Söllner (FW) verwies auf die enge Verknüpfung der Stadt mit dem Bier, das Werbefaktor und Imageträger sei. "Das ist ein unschätzbarer Wert. Deshalb kennen die Menschen von Leipzig bis Hannover unsere Stadt." Zugleich sei es aber erforderlich, auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol hinzuweisen.

Doch geht es bei dem Projekt nicht nur darum, die jungen Menschen für Alkohol-Genuss und -Missbrauch zu sensibilisieren, sondern auch um die Historie der Bierstadt Kulmbach - und damit um ein Stück Heimat, betonte der Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau, Alexander Müller. Und "Heimat" sei natürlich ein zentrales Thema für die Bayerische Rundschau als Kulmbacher Tageszeitung.

Die Leiterin des Caspar-Vischer-Gymnasiums, Ulrike Endres, wünschte den Schülern "Lernen mit Genuss".
Die Seminare finden im Mupäz im Brauereimuseum statt, das Spezialist für die Ernährungsbildung und die Vermittlung von Daten und Fakten zur Bierhistorie und -kultur ist.

Mitfinanziert wird das Projekt durch das Rotary-Hilfswerk Kulmbach.