Wie läuft bei Ihnen derzeit die Vorbereitung und wie intensiv ist das Training?
Arnd Peiffer: Wir haben gerade eine lange Trainingsphase abgeschlossen und sind sozusagen in den letzten Zügen der Vorbereitung. Wir werden Anfang November nach Lappland fliegen und dort noch drei Wochen auf Schnee Vorbereitung machen. Ansonsten haben wir jetzt in der Skihalle in Oberhof hart trainiert, und die Vorbereitungen laufen eigentlich sehr gut, ich bin gesund durch die Saison gekommen und konnte die Trainingsumfänge auch so umsetzen, wie ich mir das vorgestellt habe. Was sie wert sein werden, das werden wir erst im Laufe der Saison sehen, aber ich bin ganz guter Dinge.

Auf welches Ziel arbeiten Sie in der bevorstehenden Wintersaison hin?
Na ja, die Zeiten sind also vorbei, dass man sich nur auf die WM vorbereitet, denn man hat so ein starkes Team und man muss bereits im ersten Weltcup seine Leistung bringen, um sich sozusagen erst einmal für die WM zu qualifizieren. Das heißt, man muss von Dezember an bis März in Form sein. Klar, sie unterliegt gewissen Schwankungen, aber es gibt kein spezielles Rennen, auf das ich mich vorbereite, sondern ich möchte die ganze Saison über gute Leistungen bringen und das ist mein Ziel.

Wie schaut die Konkurrenz im eigenen Land aus?
Sehr gut! Wir hatten im September die Deutsche Meisterschaft, unter anderem in Oberhof, und die wird auf Ski-Rollern ausgetragen und ist gleichzeitig die Qualifikation zum Weltcup und IBU-Cup. Da hat man schon gesehen, dass viele junge Athleten von unten sozusagen drücken und die uns die Plätze streitig machen wollen. Das ist auch sehr gut, wir haben einen hohen Konkurrenzdruck und müssen uns stetig wieder durchsetzen. Das erhöht auch die Qualität im Team. Wir haben im Moment eine homogene Weltcup-Mannschaft, die aus sechs Leuten besteht. Jeder hat das Potenzial, auf das Podest zu laufen, und das stärkt uns doch sehr.

Biathlonsport wird ja immer beliebter. Bei den Wettkämpfen herrscht schon eine ähnliche Stimmung wie bei den Sechstagerennen. Wie gelingt es Ihnen, sich nach einem kräftezehrenden Lauf auf das Schießen zu konzentrieren?
Ja, man wächst da natürlich ein Stück weit rein, um sich eben auf die Tätigkeiten am Schießstand zu konzentrieren, damit ist man eigentlich genug beschäftigt. Man läuft ja viele Rennen, da bringt es einfach die Erfahrung, um hier umzuschalten. Jeder muss für sich seinen Rhythmus finden und seine Erfahrung machen. Es geht, wenn man sich einfach auf die Tätigkeiten am Schießstand konzentriert.

Manchmal lässt man sich auch von der Stimmung ein bisschen mitreißen. Die Stimmung ist im Stadion immer super, aber man kann sich natürlich auch auf der Strecke mitreißen lassen, vor allem in der letzten Runde. Ansonsten muss man ein Rennen sehr kontrolliert laufen und darf trotz Anfeuerung weder in den ersten Runden zuviel geben, noch darf man am Schießstand zu überhastet arbeiten, sondern muss ganz konzentriert und kontrolliert arbeiten. Aber das ist natürlich auch ein Lernprozess. Man kann das aber auch lernen. Ausschalten kann man die Stimmung nicht, aber man kann versuchen, sich davon ein bisschen zu lösen.

Wo liegen bei Ihnen die Stärken im Biathlon-Sport?
Ich denke, ich bin ein recht ausgeglichener Biathlet. Meine Stärken lagen bisher mehr auf den etwas kürzeren Distanzen. Das waren bis jetzt meine besten Rennen, aber mit zunehmenden Trainingsaufwand merke ich, dass ich auch auf den längeren Strecken immer besser werde, und im letzten Jahr habe ich auch den einen oder anderen 20-Kilometer-Lauf absolviert. Ich denke, man darf sich mittlerweile, um vorne reinzulaufen, wirklich keine Schwäche mehr leisten und muss in allen Teilbereichen gut sein.

Herr Peiffer, im Radsport ist ja beim mehrfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong die Bombe geplatzt und er wurde des Dopings überführt. Kann man denn im heutigen Leistungssport uneingeschränkt noch saubere Leistungen erwarten und lassen sich die Erfolge auf Weltniveau überhaupt ohne leistungssteigernde Substanzen bewerkstelligen?
Ganz klar, sonst würde ich nicht hier sitzen! Ein Ausdauersportler ist immer dopinggefährdet, das ist auch ganz klar. Aber man kann nichts anderes tun, als stark zu kontrollieren. Es gibt keine Nation in der Welt, die so stark von der nationalen Doping-Agentur kontrolliert wird wie Deutschland. Ich muss jeden Tag, zu jeder Zeit online angeben, wo ich bin. Ich muss jeden Tag eine Testreservierungszeit für Doping-Kontrollen abgeben, und ich werde regelmäßig zu Hause kontrolliert: Blut, Urin, das volle Programm.

Die deutschen Athleten sind in ein sehr enges Raster eingebunden, das ist natürlich international nicht immer so. Die Deutschen sind da auch ein Stück weit Vorreiter. Mehr kann man nicht machen, und ich möchte natürlich anmerken, dass nicht jede gute Leistung automatisch mit Verdachtsmomenten belegt werden sollte. Das ist, glaube ich, schon wichtig, dass man erstmal von der Unschuldsvermutung ausgeht. Ich glaube, der Wintersport, speziell wir, ist nicht so verseucht wie es der Radsport ist. Es gab bei uns auch schon Doping-Fälle von russischen Athleten vor drei Jahren. Es geht darum, so weiter zu machen und immer stark zu kontrollieren, damit man auch belegen kann, wir tun was gegen das Doping, damit der Sport sauber bleibt. Ich sage ganz klar, dass die Erfolge ohne leistungssteigernde Substanzen möglich sind, sonst würde ich es nicht machen.