Vergnügungssteuerpflichtig ist die Klein- und Detailarbeit nicht, die die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hof im Prozess gegen einen Kulmbacher Ex-Anwalt (45) leisten muss. Obwohl dieses Mal der Hauptangeklagte, der für weitschweifige und blumige Ausführungen bekannt ist, nicht zu Wort kommt, steht gestern eine mühselige Befragung auf dem Programm.

In dem Verfahren wegen schweren Betrugs - der Ex-Anwalt soll Investoren mit Photovoltaikprojekten in Rumänien und Italien abgezockt und über eine Million Euro ergaunert haben - sagt ein Zeuge aus, der sich in dem Firmengeflecht um betriebswirtschaftliche Fragen hätte kümmern sollen. In der mehrere Stunden dauernden Einvernahme fällt auf, dass der Mann aus Freiburg von den Vorgängen vor zwei und drei Jahren kaum Konkretes weiß oder schon damals nicht durchgeblickt hat.


Lauter "Fachleute" am Werk

Sein Auftritt bestärkt Vorsitzenden Richter Matthias Burghardt in der Auffassung, dass in der "Projektgruppe" lauter "Fachleute" am Werk gewesen sind. Ein Beispiel: So haben der Ex-Anwalt und der Zeuge einen Vertrag geschlossen, in dem sich Letzterer dazu verpflichtet, die Finanzen des spanischen Investors zu kontrollieren und darauf zu achten, dass die angewiesenen Gelder vereinbarungsgemäß verwendet werden. "Wie hätten Sie das machen wollen?", fragt Burghardt den Zeugen. "Haben Sie staatsanwaltliche Befugnisse in Spanien oder wären Sie mit einer Waffe in seinem Büro aufgetaucht?" Antwort? Keine!

Jedenfalls erklärt der Betriebswirtschaftler, dass er den wegen Beihilfe mitangeklagten Mann (42) als Büroangestellten des Rechtsanwalts eingestuft habe und nicht als Drahtzieher der Geschäfte. Ansprechpartner sei stets der Ex-Anwalt gewesen.

Ganz astrein hat sich der Freiburger aber selbst auch nicht verhalten. Er hat den angeblich gesicherten Kapitalzufluss von 9,5 und 3,5 Millionen Euro schriftlich bestätigt, damit die finanzielle Situation des Ex-Anwalts geschönt und die Anleger getäuscht. Das riecht verdammt nach Beihilfe.