Wie sorgt man bei einer Schulabschlussfeier für Kurzweil? Indem man keine trockene Rede hält, sondern - zum Beispiel - einen Pfannkuchen brät. Nach dieser Devise handelte Joachim Meier, der Leiter der Hans-Wilsdorf-Berufsschule. Der "Chefkoch" verfeinerte sein Gericht mit Sahne und Schokosauce und schlug dabei den Bogen zum Berufsschulabschluss: "Er ist ein Qualitätsprodukt, der durch die vermittelten sozialen Tugenden an Wert gewonnen hat, also verfeinert wurde so wie der Pfannkuchen."
Einige der 323 Absolventen an der Hans-Wilfsdorf-Berufsschule erhielten als Sahnehäubchen für ihre Eins vor dem Komma noch einen Preis obendrauf.
Insgesamt acht junge Männer und Frauen hatten mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen, darunter auch die Untersteinacherin Teresa Klotz. Landrat Klaus Peter Söllner überreichte ihr den mit 75 Euro dotierten Staatspreis der Regierung von Oberfranken. Sie hatte sich bei der Kulmbacher Brauerei zur Brauerin und Mälzerin ausbilden lassen. "In einem von Männern dominierten Beruf konnte sich die Schülerin nicht nur behaupten, sondern war durch ihre Fähigkeiten stets Vorbild für die anderen", lobte stellvertretender Schulleiter Werner Feulner.
In Erinnerung an den am 22. März 1881 in Kulmbach geborenen Hans Wilsdorf, dem Namensgeber der Schule und Gründer der weltbekannten Rolex Uhren AG, wird alljährlich der Rolex-Preis verliehen. In diesem Jahr nahm der technische Zeichner Cornelius Eichfeld aus Bayreuth, der beim Ingenieur-Büro Gerhard Zeuschel in Eckersdorf in die Lehre gegangen war und die Traumnote 1,0 erzielt hatte, eine wertvolle Rolex-Uhr mit nach Hause.

Eine Millimeter-Entscheidung

Bei acht Schülern mit dieser Note habe man gewichten müssen, so Maier. Aspekte, wie das Kammerergebnis oder das Urteil der Klassenleiter, hätten bei der Auswahl des Rolex-Preisträgers den Ausschlag gegeben. Der Redner wählte einen Vergleich aus der Welt des Sports: "Es war eine Millimeter-Entscheidung, so wie bei manchem Hundert-Meter-Lauf."
Vertriebsleiter Joachim R. Mernyak von der Firma Rolex ermunterte die Absolventen, in ihrem Berufsleben die Eigenschaften einer Uhr an den Tag zu legen: "Seien Sie bei allem, was sie tun, zuverlässig, präzise, leistungsfähig, aber auch einmal widerstandsfähig."
Als ein "unschlagbares Erfolgsmodell der Verzahnung zwischen Betrieb und Berufsschule" rühmte Landrat Klaus Peter Söllner das System der dualen Ausbildung. Mit Blick auf die geringe Jugendarbeitslosigkeit stellte er fest: "Sie haben im Unterschied zu früheren Generationen die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt."
Die beiden Religionslehrer Udo Sonntag und Burkhard Schneider ermunterten die frischgebackenen Facharbeiter, Gesellen und Kaufleute, ihre Talente im Beruf zu entfalten.
Cornelius Eichfeld blickte seitens der Schüler mit Freude auf die Schulzeit in Kulmbach zurück. "Sie war für uns eine willkommene Abwechslung zu den Baustellen des Arbeitsalltags."
Das Streichquartett Hubert aus Bayreuth und Corinna Schneider am Klavier verliehen der Feier einen festlichen Charakter.