Es war einfach eine tolle Idee, die schon bei einem der ersten Betreuerstammtische in der Raststätte Opel geboren wurde: Eine Inklusion-Tanz-Veranstaltung für Menschen mit und ohne Handicap. An drei Sonntagnachmittagen und einer Abendveranstaltung an einem Samstag wurde zu einem Inklu-Dance in die Tanzbar "Harmonie" nach Bayreuth eingeladen. Gut 40 Frauen und Männer, dabei überwiegend Personen mit einem Handicap, nahmen die Einladung an, sich beim Tanzen kennen zu lernen, und in einem Herzblatt-Spiel bestand sogar die Gelegenheit, dass sich zwei Herzen einmal bei einem gesponserten Essen näher treffen konnten. "Gefunkt" hat es aber dabei nicht, wie Max Zier einräumte.

Kürzlich zogen die Akteure ein rundherum positives Resümee und das einhellige Ergebnis lautete: Der Inklu-Dance bleibt keine Eintagsfliege, sondern er wird im kommenden Jahr wiederholt!

Pia Aßmann, die vor kurzem zur Vorsitzenden des neu gegründeten Vereines "Betreuerstammtisch Himmelkron" gewählt wurde, hatte die Idee zu diesem Inklu-Dance: "Der Auslöser dazu war der Betreuerstammtisch, und schon beim ersten Abend wurde der Wunsch laut, dass wir eine Veranstaltung schaffen müssen, an dem wir Menschen zusammenbringen. Es wurden verschiedene Gedanken aufgegriffen und auch weitergesponnen und dann fanden wir in dem Harmonie-Chef jemanden, der sofort spontan Ja gesagt, seine Tanzbar kostenlos zur Verfügung gestellt und auch günstige Preise gemacht hat."

Heiko Blumthaler hat alle Getränke zum halben Preis angeboten und mit seiner Freundin sogar die Gäste gemeinsam bedient. Der Chef der Bayreuther Tanzbar: "Ich finde solche Events einfach klasse und an solchen Tagen muss man kein Geld verdienen. Darum geht es wirklich nicht."

Der erste Anfang war gemacht, doch die Probleme gingen damit erst los, denn es stand dann die Frage im Raum, wie bringt man die Leute nach Bayreuth. Aber auch diese Frage wurde von der Power-Frau Pia Aßmann im Handumdrehen gelöst.


Erfolgreicher Schnellschuss

Im Nachhinein räumen Pia Aßmann und ihre Stellvertreterin Angelika Hoch ein, dass sie vielleicht etwas zu schnell an die Sache rangegangen sind. Angelika Hoch: "Ich denke mal, wenn der Schnellschuss nicht gewesen wäre, hätten wir die Sache vielleicht gar nicht hingebracht." Und Pia Aßmann ergänzt: "Wir hatten A gesagt und dann hatten wir gemerkt, jetzt müssen wir auch B sagen. Ich muss sagen, der erste Inklu-Dance-Nachmittag war sehr schön und wir waren da bestimmt 50 Frauen und Männer."

Die erste Erfahrung, die Pia Aßmann mit ihrem Betreuerteam machte, war: "Man muss die Menschen mit Handicap zur Veranstaltung hinbringen. Sie kommen nicht von alleine. Wir haben dann einen Bus organisiert und ich musste natürlich am Anfang auch Fahrtgeld kassieren." Die Teilnehmer kamen vorwiegend aus den Himmelkroner Heimen, die zum Teil auch mehr oder weniger relativ selbstständig in Himmelkron, Neuenmarkt oder Wirsberg wohnen. Was alle gemeinsam verband, das war die Freude und die Lust am Tanzen und das gemeinsame Kennenlernen und Feiern.

Für Angelika Hoch war ein Schlüsselerlebnis ausschlaggebend dafür, dass sie sich für derartige Treffen starkgemacht hat: "Ich betreue den Michael und bin mit ihm viel unterwegs. Irgendwann habe ich ihn gefragt, was er für Wünsche hat und da hat er mit ganz spontan gesagt: Eine kleine Freundin. Das hat mich animiert, dass wir was machen müssen. Umso mehr wir Propaganda machen, umso mehr wächst diese Einrichtung."

So leicht, wie sich der Betreuerstammtisch das vorstellte, war es aber dann doch nicht. Angelika Hoch: "Man muss sehr viel Überzeugungsarbeit leisten und es sagt sich immer leicht, wir machen was, dass unsere Menschen mit Behinderung genau das Gleiche erleben können im täglichen Leben, wie wir das können. Wir waren fünf Leute, die diesen Inklu-Dance mit Spaß und Freude gemacht haben. Wir merken aber, dass wir immer mehr Leute überzeugen können und gewinnen immer mehr, die spontan mitmachen. Es ist auch der Bedarf für derartige Veranstaltungen vorhanden." Man wird die Veranstaltung weiterhin Inklu-Dance nennen, auch wenn nur wenige Menschen mit einer Behinderung daran teilgenommen haben.


Takt von Tanzlehrer Theisen

Beim Inklu-Dance gab Tanzlehrer Jörg Theisen den Takt vor. Er hat schon mehr als 15 Jahre lang in Bayreuth Tanzkurse für Menschen mit Behinderung gehalten: "Das ist für mich immer eine erfüllende Arbeit und deshalb habe ich auch sofort Ja gesagt." Matthias Muth, der viele Jahre als Heilerziehungspfleger in den Himmelkroner Heimen gearbeitet hat, fungierte als Moderator. Der Pädagoge macht deutlich, dass Inklusion, also die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung, kein Schlagwort sein sollte: "Inklusion bedeutet auch, dass ich die Möglichkeit schaffen muss, damit Menschen einander begegnen können."

Mit dabei war auch Pfarrerin Almut Weisensee aus Lanzendorf, die den Dekanatsbus chauffierte: "Es war so relaxed zu tanzen, wie man kann und mag - zu dritt oder auch alleine. Ich bin nicht die, die elegant tanzen kann, und da hat sich für mich rausgestellt, so kann ich auch einmal das Tanzen genießen. Ich habe dieses Tanzen auch als eine Inklusion für mich persönlich empfunden."

Der 28-jährige Michael aus Bayreuth, der in der Werkstatt für Behinderte in Himmelkron arbeitet, ist immer noch begeistert und freut sich schon auf den nächsten Inklu-Dance: "Es war aber schon anstrengend!"

Rosi Heller, ein Urgestein der Himmelkroner Heime: " Ich habe wirklich erlebt, was Inklusion heißt. Dass wir nicht allein hier in unserem stillen Kämmerlein sitzen, sondern dass wir einfach auch einmal rausgehen und Spaß haben können. Uns unterhalten und einfach einmal Quatsch machen können. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn wir wieder mit dürfen. Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein."