Die Sparkassen haben's gemacht, und die beiden großen Genossenschaftsbanken der Nachbarlandkreise Kulmbach und Kronach tun's jetzt auch: Die Kulmbacher Bank und die Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt wollen fusionieren. "Wir sind die übernehmende Bank", erklärt Vorstand Stephan Ringwald von der Kulmbacher Bank, die größer ist als das Geldinstitut aus dem Frankenwald.


Mitglieder müssen zustimmen

Derzeit laufen die Verhandlungen, aber das letzte Wort haben Mitte 2017 die Mitglieder: Die beiden Vertreterversammlungen müssen dem Zusammenschluss mit Dreiviertelmehrheit zustimmen. Wie die neue Bank heißen wird, steht noch nicht fest.

In einer von den Vorständen Dieter Bordihn und Stephan Ringwald (beide Kulmbach) sowie Georg Feder und Jürgen Möhrle (Kronach-Ludwigsstadt) unterzeichneten Erklärung heißt es: "Die einvernehmlich geführten Beratungen von Vorstand und Aufsichtsrat beider Genossenschaftsbanken haben ergeben, dass sich die Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt der Kulmbacher Bank anschließen möchte. Übernehmendes Institut ist somit die Kulmbacher Bank."


Probleme wegen EZB-Politik

Was sind die Gründe für die angestrebte Fusion? Hier wird vor allem die Politik der Europäischen Zentralbank genannt. Deren Politik der Niedrigzinsen und deren Regulierungswut mit enormer Bürokratie machen gerade mittelständisch geprägte Banken zu schaffen. Hinzu kommen das veränderte Kundenverhalten - Stichwort Onlinebanking - und nicht zuletzt die demographische Entwicklung im Raum Kulmbach-Kronach. Gemeinsames Ziel beider Häuser ist es, als leistungs- und zukunftsfähige Bank die schwierigen Rahmenbedingungen zu meistern.

Durch den Zusammenschluss, der im nächsten Jahr erfolgen soll, entsteht eine Bank mit einer Bilanzsumme von rund 1,1 Milliarden Euro. Die beiden Kreditgenossenschaften beschäftigen aktuell an 31 Standorten 261 Mitarbeiter, davon 13 Auszubildende. Sie haben zusammen 29.000 Mitglieder und betreuen 66.000 Kunden.

Laut Ringwald habe zuletzt in Oberfranken "jeder mit jedem Gespräche geführt". Mit Kronach seien die Überlegungen dann "irgendwann" konkreter geworden. Bei der Fusion gehe es um strategische Weichenstellungen: "Wir kommen die nächsten Jahre noch zurecht. Aber man weiß nicht, wie es weitergeht, wie die Politik der EZB aussehen wird. Denn hier wird das Geschäftsmodell der Banken angegriffen, bei denen das Zinsgeschäft die Haupterträge ausmacht."

Mit den anderen im Landkreis Kulmbach vertretenen Genossenschaftsbanken - die Raiffeisenbanken Oberland, Thurnauer Land und Obermain Nord - werden Ringwald zufolge "gegenwärtig keine konkreten Gespräche" geführt. Sein Kronacher Vorstandskollege Jürgen Möhrle ergänzt dazu, dass auch nicht vorgesehen sei, die Raiffeisenbank Küps-Mitwitz-Stockheim einzubinden.


Personal und Filialen?

Müssen die Mitarbeiter Angst um ihre Arbeitsplätze haben? Von einem Personalabbau, so Ringwald, könne keine Rede sein. "Im Gegenteil, wir wollen die Beratungsqualität weiter verbessern", betont er. Da es keine Überschneidungen gibt, seien auch keine Filialschließungen geplant. Wobei über das Geschäftsstellennetz sowieso ständig nachgedacht werde. Ferner sei noch nicht entschieden, ob vier Vorstände an der Spitze der neuen Bank stehen werden.

Der Kronacher Bankvorstand Möhrle verweist darauf, dass man erst ganz am Anfang der Fusionsgespräche steht. "Was dabei herauskommt, wissen wir jetzt noch nicht", sagt er.


Bürokratie besser im Griff

Nach seiner Ansicht bringt die Fusion vor allem Vorteile bei der Bewältigung des durch die EZB verursachten bürokratischen Aufwands. Spezialpositionen wie die des Datenschutzbeauftragten, des Anti-Geldwäsche-Beauftragten oder des Compliance-Beauftragten, der das Wertpapiergeschäft beobachtet und verbotene Insider-Geschäfte verhindern soll, seien in einem größeren Haus einfacher zu besetzen. Außerdem habe man künftig ganz andere Kredithöchstgrenzen.



Geschäftszahlen Kulmbacher Bank

Bilanzsumme: 710 Millionen Euro

Kundeneinlagen: 555,3 Millionen Euro

Mitarbeiter: 155

Filialen: 20

Kunden: 37.100

Mitglieder: 18.800


Geschäftszahlen Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt

Bilanzsumme: 420 Millionen Euro

Kundeneinlagen: 350 Millionen Euro

Mitarbeiter: 106

Filialen: 11

Kunden: 29.000

Mitglieder: 10.000