Zum "Tag der Rechtschreibung" am 1. Juli wollten wir es einmal wissen: Wie fit in Orthografie sind Menschen, die täglich mit der Sprache umgehen? - Die Suche nach Freiwilligen gestaltete sich dann aber ein wenig langwierig: Wir holten uns einige Körbe - offenbar fällt es manchem, der gerne und schnell einmal kritische Worte zu unserer Arbeit findet, gar nicht so leicht, sich einmal selbst einem Test zu stellen.

Das Dorfschulmuseum im alten Schulhaus in Ködnitz bot die geeignete "Kulisse" für unser Diktat mit drei Freiwilligen. Dort dokumentiert der Verein "Dorfschulmuseum Ködnitz e.V." als Museumsträger auf zwei Stockwerken das einstige Schulleben einklassiger Landschulen in Oberfranken zwischen etwa 1920 und 1969.

Naheliegend, dass der Vorsitzende des Trägervereins, Günter Wild, sich selbst dem Diktat stellte - und mit Hermann Ehreiser gleich noch einen Vereinskollegen dafür begeistern konnte. Die Dritte im Bunde ist Uschi Prawitz. Angesichts des nicht leichten Textes schlagen sich alle drei Teilnehmer mehr als wacker - und stolpern zum Großteil über die gleichen (schwierigen) Wörter.

Und die Rundschau selbst? - Immer wieder werden auch wir auf (Rechtschreib-)Fehler angesprochen und wissen, dass das für uns eine Daueraufgabe ist: Wechselseitiges Gegenlesen von Texten, der Einsatz eines Korrektorats und der scharfe Blick bei der Blattabnahme haben dazu geführt, dass die Fehlerquote seit Jahren sinkt. Gleichwohl wissen wir am "Tag der Rechtschreibung" auch, dass wir hier immer noch besser werden müssen.

Das ist der Übungs-Text

Nein, zum Auf-und-davon-Laufen ist es wirklich nicht, dass es in Franken Kängurus nur im Nürnberger Tiergarten zu sehen gibt! Und auch Tunfische (Thunfische) wird man in den Gewässern dieses herrlichen Landstrichs vergeblich suchen. Im Allgemeinen bietet die fränkische Flora und Fauna nämlich andere, aber ähnlich schöne und großartige Reize.

Es lohnt sich, Acht zu geben und die Augen offenzuhalten, wenn man sich auf eine Wanderung zwischen Spessart und Fichtelgebirge macht. Dort, im Osten Frankens, nahe der tschechischen Grenze, gehen im Winter viele zum Ski fahren oder eislaufen. Und im Sommer machen ganz Mutige einen Ausflug in die fränkischen Mittelgebirge, weil sie Drachenfliegen und Bungee-Jumping (Bungeejumping) lieben. Keine Frage: Den meisten von uns wird bei diesem Gedanken angst und bange. Deshalb bleiben wir mit beiden Füßen auf dem Boden und laufen einfach los, bevor wir uns in Angst und Schrecken versetzen lassen.

Zu Hause (Zuhause) zu bleiben, ist im schönen Frankenland die schlechteste Alternative. Schon die Vielzahl an gemütlichen Wirtschaften und Bierkellern lohnen (lohnt) eine Einkehr. Es soll hierzulande (hier zu Lande) Zeitgenossen geben, die am liebsten schon montagmorgens ein Seidla Bier am Stammtisch tränken und am besten bis Sonntagabend dort blieben. Was für ein Pläsier (Plaisir)! Und wer jetzt glaubt, das sei zu teuer und dass er sich das nicht leisten könne, der irrt. Im Großen und Ganzen sind die Preise in Franken im Vergleich zum Rest der Republik noch bezahlbar - und die Gefahr, an den Kosten von Schäuferla & Co. pleitezugehen, geht gegen null. Irgendjemand noch Fragen?
Text: Adrian Grodel


Hermann Ehreiser, Buchbindermeister (69, Fölschnitz)


Als gebürtiger Schweizer ist Hermann Ehreiser ohne "ß" sozialisiert worden. Unsere Nachbarn hatten immer schon ,ss' in der Sprache - und haben es noch, ob im Fass oder im Kuss. Die Deutschen näherten sich dem erst mit der Rechtschreibreform an. "Das haben die ausgetüftelt, als ich mich gerade mit der ß-Unterscheidung angefreundet hatte", sagt der 69-Jährige und lacht. Mittlerweile seien dem Buchdruckermeister die ganzen Änderungen egal. "Ich finde es nur schade, dass durch die Reform gleich mehrere Generationen verunsichert werden." Der Fölschnitzer schlägt sich im Test wacker: 24 Fehler.

Uschi Prawitz, Übersetzerin (49, Kulmbach)

Zuhause liegt der Duden griffbereit, dazu steht im Computer noch die Rechtschreib-Automatik bei Fuß, um mit roter Farbe falsche Worte zu unterringeln. Uschi Prawitz aber ist, was den Umgang mit Sprache angeht, ein Profi: Die Übersetzerin (Englisch) hat täglich damit zu tun, nicht zuletzt auch wegen ihrer zweiten Passion: Die Kulmbacherin arbeitet als freiberufliche Journalistin für die BR. Da ist gutes Deutsch als Rüstzeug eine Grundvoraussetzung. An den Rechtschreib-Regeln findet die 49-Jährige vor allem die veränderte Getrenntschreibung diffizil. Im Test erreicht sie mit 10 Fehlern das beste Ergebnis.

Günter Wild, Sonderschul-Oberlehrer i.R.(74, Fölschnitz)


Günter Wild macht keinen Hehl daraus: "Ich lehne diese sogenannte Rechtschreibreform entschieden ab, sie ist erwiesener Humbug!" Das Schindluder, das seiner Ansicht nach mit der Orthografie getrieben wurde, bereitet ihm nahezu körperliche Schmerzen. Trotzdem erklärt sich der Spiritus rector des Ködnitzer Dorfschulmuseums zum Diktat bereit. "Mein erstes seit 55 Jahren!" Stirnrunzeln bei Begriffen wie "Bungee-Jumping", leichtes Mitgefühl für das Känguru "mit ohne h" am Ende. Der ehemalige Sonderschul-Oberlehrer kann mit seinen 18 Fehlern gut leben: "Ich bleibe bei dem, was mir beigebracht wurde."