Ein Sattelschlepper verirrte sich nachts um 1 Uhr nach Wehelitz. "Wir mussten dem Fahrer helfen und ihn lotsen, damit er wieder aus dem Ort herausgekommen ist", sagte der Neudrossenfelder Bürgermeister Harald Hübner, der in Wehelitz wohnt.

Nicht allein die Kulmbacher, die zwischen der Stadt und Bayreuth pendeln, sondern vor allem die Anwohner der an der B 85 liegenden Ortschaften sind die, die unter der Sanierung der Bundesstraße leiden. Seit Samstag gilt eine Vollsperrung in beide Richtungen, und die bekommen beispielsweise die Wehelitzer und Dreschener deutlich zu spüren. Denn die Sperrung haben in den vergangenen Tagen nicht alle Fahrzeugführer beachtet. "Das nervt gewaltig, vor allem am Morgen und am frühen Abend ist bei uns viel Verkehr", sagt Nina Hohenreuther aus Dreschen, die das Gefühl hatte, sie wohne nicht auf dem Land, sondern in der Stadt. "Die Kinder lasse ich nur selten raus. Das ist mir zu gefährlich."


Mit ausländischem Kennzeichen

Auch gestern Vormittag herrschte Verkehrschaos. Die Gemeinde Neudrossenfeld hatte zwar dort, wo man von der B 85 nach Wehelitz abbiegt, ein Verbotsschild mit dem Hinweis "Anwohner frei" aufgestellt, doch auch das erzielte nicht die erwünschte Wirkung. Autos - auch mit ausländischem Kennzeichen - kehrten nicht um, sondern fuhren durch Wehelitz in Richtung Dreschen - auf einer Ortsverbindungsstraße, die den Charakter eines holprigen Feldweges hat.


"Das ist ein Witz"

"Ich habe die Beschilderung nicht gesehen", sagte Peter Wiegärtner aus Pottenstein, der durch den Ort fuhr. Er war mit einem Kleintransporter auf dem Weg in Richtung Kulmbach und kritisierte die Ausschilderung der Umleitung. "Da blickt keiner durch." Der Fahrer, der Wiegärnter folgte, pflichtete ihm bei. "Das ist ein Witz", stellte der Kulmbacher Dieter Wiemann fest, der sich mit seinem Wagen auch auf die gut eineinhalb Kilometer lange Schlaglochpiste nach Dreschen begab. In der Gegenrichtung war Heinz Mindergan aus Rohr unterwegs. "Ein entgegenkommender Wagen hat gerade meinen Spiegel touchiert und ist einfach weitergefahren", schimpfte Mindergan.

Die Polizei weiß, dass die Baustellen-Umleitung ein Problem ist und viele die Verkehrsregelung nicht beachten. "Ich verstehe die Anwohner, die verärgert sind", sagte Hauptkommissar Michael Kofer. Es gebe Lkw-Fahrer, die würden sogar Sperrbaken zur Seite schieben, um weiterfahren zu können. Die Polizei kontrolliere die Strecke verstärkt, könne aber nicht immer vor Ort sein, so Kofer, der sich eine Nachbesserung bei der Ausschilderung der Verkehrsregelung wünschte. Schon bei Unterbrücklein müsse noch eindringlicher auf die Vollsperrung hingewiesen werden.


Nachbesserung gefordert

"Fahrtstrecke B 85 nach Kulmbach gesperrt - bis Rohr frei" stand dort bis gestern auf einem Schild an der A 70-Anschlussstelle. Ein Schild, das gerade Auswärtige verwirrte. Davon war auch der Neudrossenfelder Bürgermeister Harald Hübner überzeugt, der weiß, dass selbst Ortskundige Probleme hatten. Denn trotz des Verbotsschildes war bis Samstag die Fahrt in Richtung Kulmbach möglich. "Und jetzt gelten die Schilder, die vorher nicht gegolten haben. Das überfordert viele." Auch Hübner forderte vom Staatlichen Bauamt eine bessere Ausschilderung, um dem Verkehrschaos Einhalt zu gebieten.

Gestern Nachmittag kam die Verkehrsbehörde der Aufforderung nach. An der Autobahn-Anschlussstelle wurde ein neues elektronisches Hinweisschild aufgestellt - der Hinweis "bis Rohr frei" wurde gestrichen. Es wird nun nur noch darauf hingewiesen, dass die B 85 nach Kulmbach gesperrt ist und die weiträumige Umleitung erläutert. Die Maßnahme zeigte Wirkung: Am Feierabend war zwischen Wehelitz und Dreschen nicht mehr ganz so viel los.
Weiter entspannen sollte sich die Verkehrssituation am Donnerstag, denn ab 6 Uhr soll die B 85 dann in Richtung Kulmbach wieder befahrbar sein. Ganz beruhigt werden Mütter wie Nina Hohenreuther ihre Kinder aber erst ab dem Montag wieder auf der Straße spielen lassen können. Die Sanierung der B 85 soll am 24. August nämlich abgeschlossen werden.