Hinter dem alten Ludwigschorgaster Bahnhof liegen Berge von Schutt. Alle losen Teile aus dem Gebäudeinnern haben fleißige Hände in den vergangenen Wochen herausgeräumt. Inzwischen sind schon die Maurer zugange, die den baufälligen Wartebereich "retten" wollen. Und mittendrin auf der Baustelle steht Alwin Heinz. Der 76-Jährige packt kräftig mit an, und der Grund dafür liegt nahe. Alwin Heinz hat den alten Bahnhof, der schon viele Jahre leer stand und immer mehr verfiel, von der Gemeinde gekauft - für 6000 Euro.


Baustil ist etwas Besonderes


"Der ist doch wunderschön. Der Baustil ist wirklich etwas Besonderes. Man kann da ein Schmuckstück daraus machen", sagt Alwin Heinz. Er kann gar nicht verstehen, dass das Gebäude so lange keinen neuen Besitzer finden konnte.

Das Bahnhofsgebäude ist 1904 errichtet worden, schon vier Jahre wurde der Wartesaal angebaut. "Durch ein Fenster wurden die Fahrkarten rausgereicht", sagt Alwin Heinz und muss schmunzeln. Heute steht direkt am Gleis ein Automat.


Seit 1987 in Gemeindebesitz


Früher stand der Bahnhof mit dem schmucken Krüppelwalmdach, der Fledermausgaube und den feingliedrigen Fenstern auch für eine gute Anbindung des Ortes an den Rest der Welt. 1987 übernahm dann die Gemeinde Ludwigschorgast das damals schon in die Jahre gekommene Haus und funktionierte es in ein Wohngebäude um. Aber die Nutzungsrechte für die Schalterräume blieben noch bei der Bahn.

Auch heute noch hat die Bahn einige verplombte Schränke in dem inzwischen sehr verfallenen Haus. Darin ist die Regelungstechnik untergebracht. Doch das wird sich alles ändern. Der neue Besitzer hat sich schon mit den Verantwortlichen der Bahn in Verbindung gesetzt.


"Ein glücklicher Zufall"


"Dass ich den Bahnhof bekommen habe, war ein glücklicher Zufall", sagt Alwin Heinz. Das bestätigt auch Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani (CSU). Denn erst Mitte des Jahres hatte sich der Gemeinderat entschlossen, das alte Gebäude zu veräußern, weil es immer mehr verfiel und die Gemeinde kein Geld in die Sanierung investieren wollte. "Wir haben diesen Beschluss nur über die Zeitung und in unseren Schaukästen bekannt gemacht", erklärt die Bürgermeisterin.

Im Nu fanden sich mehrere Interessenten. "Aber die anderen haben dann ihr Angebot zurückgezogen", so Leithner-Bisani. Für 6000 Euro bekam schließlich Alwin Heinz den Zuschlag. "Wir sind überzeugt, dass er den alten Bahnhof sehr geschmackvoll herrichten wird. Er hat ein Händchen für solche Sachen", sagt Doris Leithner-Bisani. Natürlich ist sie froh, dass ein Schandfleck aus dem Ort verschwindet.


Zwei Wohnungen entstehen


"Ich werde viel von dem Baustil erhalten - das Walmdach, die Fledermausgaube", erklärt Alwin Heinz voller Begeisterung. Er möchte zwei Wohnungen schaffen - mit separaten Eingängen: eine mit 95 und eine mit 35 Quadratmetern. Richtung Bahngleise möchte er kleine französische Balkone einrichten. Bis wann der Umbau abgeschlossen sein wird? Das lässt Alwin Heinz auf sich zukommen. "Vielleicht Ende 2016, vielleicht aber auch erst 2017. Das ganze Haus wird natürlich gedämmt, mit neuen Fenstern ausgestattet, dann hört man die Züge auch nicht mehr so stark", sagt Heinz.

Doch warum tut sich ein Mann mit 76 Jahren eigentlich solch eine Baumaßnahme an? "Meine Frau war erst dagegen, aber ich sag immer: Der eine spielt Tennis, der andere Fußball. Ich habe eben meine Baustellen. Das ist mein Hobby", sagt Alwin Heinz. Und schließlich konnte er auch die Ehefrau überzeugen.
Beheizt werden soll das Gebäude übrigens mit einer Pelletsheizung. "Die Substanz ist gut - der Bahnhof hat ein 36er Mauerwerk, das wird noch gedämmt. Das passt schon alles", freut sich Alwin Heinz auf die Mammutaufgabe.



Zwei Terrassen geplant


Natürlich kümmert sich der 76-Jährige, der auch im Gartenbauverein Ludwigschorgast überaus engagiert ist, um ein ansprechendes Ambiente. Das 550 Quadratmeter große Grundstück, das bis zum Bahnsteig reicht, wird mit zwei Terrassen neu gestaltet.

"Es ist doch toll, dass der Bahnhof jetzt vor dem Verfall gerettet wird. Ich erinnere mich noch, wie ich als Jugendlicher immer im Wartesaal gesessen bin", findet auch SPD-Gemeinderat Tobias Braunersreuther. "Der Bahnhof hat ja wirklich eine große Bedeutung für Ludwigschorgast. Denn die Zuganbindung des Ortes ist viel wert", sagt Braunersreuther.