Die moderne Medizin vollbringt in vielen Bereichen wahre Wunder. Krankheiten wie Grippe oder Lungenentzündung, an denen früher viele Menschen starben, sind heute keine ernsthafte Bedrohung mehr. Andere Erkrankungen wie Alzheimer, HIV oder Krebs stellen Forscher und Ärzte jedoch immer noch vor große Herausforderungen.

Durchbruch geeschafft

Der Schlüssel liegt darin, den Wirkstoff genau zu identifizieren, der sich aufgrund der richtigen Struktur an die krankmachende Zelle andocken und eine Heilung bewirken kann. Dem Kirchleuser Philipp Baaske und seiner Firma NanoTemper Technologies GmbH mit Sitz in München ist auf dem Gebiet der Grundlagen- und Wirkstoffforschung ein Durchbruch gelungen. Dafür ist das Unternehmen jetzt mit dem "Step Award 2012" ausgezeichnet worden.
Die Messgeräte der NanoTemper Technologies basieren auf einer weltweit einzigartigen biophysikalischen Messmethode, der so genannten Microscale Thermophoresis. Diese Technologie kann für die forschenden Pharmaunternehmen die Lösung eines ihrer größten Probleme bedeuten: das teure Scheitern neuer Medikamente in der klinischen Phase.
Hauptursache hierfür ist, dass bei den gängigen Messverfahren neue Medikamente in Umgebungen getestet werden, die sich von ihrem späteren Einsatzort, den Flüssigkeiten im menschlichen Körper, unterscheiden. So wird bisher vor allem an Glas- oder Goldoberflächen getestet. Das NanoTemper-Messgerät "Monolith" kann die Wirksamkeit direkt in Blut, Lymphen oder Gewebeflüssigkeit messen. Dies erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit, dass der richtige Wirkstoffkandidat für die klinische Phase ausgewählt wird und zu einer Zulassung führt. Zudem benötigt das Gerät nur einen Bruchteil der üblichen Probenmenge.
Dies ermöglicht Messungen an Wirkstofftargets, die aufgrund ihrer Komplexität nur in geringen Mengen vorliegen oder schwer herzustellen sind.
Die Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter Phi lipp Baaske und Stefan Duhr, konnten den "Step Award" am Mittwochabend im Frankfurter Messeturm entgegen nehmen. Die Initiatoren der Auszeichnung, Roland Mohr von Infraserv Höchst und Markus Garn, vom F.A.Z.-Institut, überreichten den mit 100 000 Euro dotieren Hauptpreis.

"Ein stimmiges Bild"

Roland Mohr sagte in seiner Laudatio: "Uns hat NanoTemper überzeugt, weil sie nicht nur wissenschaftlich überzeugende Ergebnisse hervorgebracht haben, sondern weil das Unternehmen mit seinem Gesamtpaket, bis hin zu den wirtschaftlichen Zahlen, ein stimmiges Bild abgibt."
Die Ursprünge der NanoTemper Technologies GmbH liegen in einer Forschungsgruppe der Ludwig-Maximilians-Universität München, in der sich die damaligen Physik-Doktoranden Philipp Baaske und Stefan Duhr erstmals trafen. Beide beschäftigten sich abseits ihrer Promotion intensiv mit Biomolekülen. 2008 gründeten sie NanoTemper. Nach der erfolgreichen Markteinführung des ersten "Monolith"-Geräts 2010 wird dieses mittlerweile weltweit vertrieben und von mehreren hundert Forschungsgruppen in Instituten, Universitäten, Pharma- und Biotechkonzernen eingesetzt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 20 Mitarbeiter und hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2018 wollen Baaske und Duhr die Weltmarktführer im Premiumsegment sein.
Die NanoTemper Technologies GmbH erhält einen Geldpreis in Höhe von 50 000 Euro sowie ein umfangreiches Servicepaket im gleichen Wert.