Hans-Werner Fischer, der frühere Schulleiter des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums, gibt an der Berufschule in Kronach unbegleiteten jungen Flüchtlingen, die aus Afrika kommen, Deutschunterricht. "Das ist ein erster Einstieg für die 16- und 17-Jährigen ins Berufsleben", erzählt Fischer. Und dass er einen Beitrag zur Integration leisten möchten, versteht sich von selbst. Denn schließlich war Fischer viele Jahre selbst im Ausland tätig.
Die jungen unbegleiteten Flüchtlinge, die Fischer unter seine Fittiche genommen hat, sind bereits seit Juli in Deutschland. Und hier haben sie ihren Lebensmut wieder gefunden. Wenn die jungen Afrikaner lachen, dann ist das ansteckend. Und als Hans-Werner Fischer live erlebt hat, wie "seine Jungs" Fußball spielen, kam er auf die Idee, seine alte Schule anzurufen und beim neuen Schulleiter horst Pfadenhauer einmal wegen eins Freundschaftsspieles anzufragen.


Starke mannschaft

Das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium ist Stützpunktschule für Fußball. Die MGFler sind top in Form. Im Nu hatte Michael Kern jede Menge Fußballinteressierter MGFler, die gerne am sogenannten "Solidaritätsspiel" teilnehmen wollten um sich gescharrt. "Wir haben schon bewusst nur Leute genommen, die auch einen Ball treffen", stapelte Kern tief. Tatsächlich rückte das MGF mit einer Super-Mannschaft an. Beispielsweise erklärte sich der 15-jähriger Philipp Knörrer bereit. "Ich spiele sowieso gerne Fußball und mich interessiert es, wie eine andersländige Mannschaft spielt", sagt Philipp Knörrer und möchte bewusst das Wort Ausländer oder Asylbewerber vermeiden. Denn nach den Anschlägen von Paris klingt das in den Ohren von Philipp Knörrer irgend wie negativ. Und negativ kann er an dem Solidaritätsspiel so gar nichts finden. Philipp Knörrer ist einfach nur neugierig auf die Afrikaner und auf ihre Spieltechnik. Und natürlich erwartet er, dass sie ganz anders taktisch an das Spiel herangehen. "Wir müssen unsere Chancen von Anfang an nutzen und wir müssen gleich versuchen, Treffer zu versenken.
Wir dürfen sie gar nicht erst kommen lassen", hat sich Cedric Forkel (16) eine ganz eigene Strategie zurecht gelegt. Auch Cedric ist bei der JFG Maintal. Er trainiert zwei Mal pro Woche. Und als Stürmer ist er sich sicher, dass er gegen die Afrikaner jede Menge zu tun bekommen wird.


Besser als Kreisliganieveau

"Wir werden auch selber mitspielen", sagt Lehrer Dominik Kestel. Und auch Lehrer Michael Kern ist mit von der Partie.
"Ich trainiere jetzt meine Jungs seit ungefähr zwölf Wochen und einige sind richtig gut - die spielen auf Anhieb besser als Kreisliganiveau", verriet Juan Carlos Abad, der die afrikanische Mannschaft trainiert und seine Jungs die in Fischbach im Landkreis Kronach untergebracht sind, begleitet.
Mit großer Geste und freundlichem Lachen klatschten sich die MGFler und die Afrikaner ab, klopften sich auf die Schulter. Fairness und Sportsgeist sollte gelten. "Gebt alles Jungs", schwor der MGF-Schulleiter Horst Pfadenhauer seine Truppe ein. Doch Hans-Werner Fischer, der frühere Schulleiter konnte nur schmunzeln. Denn egal, wie das Spiel ausgeht. Als Deutschlehrer der Afrikaner und ehemaliger Schulleiter konnte er nur gewinnen. "Ich traue meinen Jungs einiges zu", lachte Fischer. "Die anfängliche Euphorie könnte noch verpuffen", lacht Fischer. Tatsächlich hat in Westafrika Fußball einen noch größeren Stellenwert als in Deutschland. Und die Jungs aus Afrika stellten eine Technik unter Beweis, wie man sie schon bei großen Fußballturnieren gesehen hat: kampfstark, schnell, entschlossen spielten sie ihre Chancen aus. Und selbst wenn die MGFler den Ball hatten, konterten die Afrikaner - immer mit einem Lächeln auf den Lippen.


Die Geste zählt

das Spiel endet 6:5 für die scharzafrikanische Mannschaft. Es ist ein in weiten Teilen ausgeglichenes Spiel, mit sehr sehenswerten Szenen bei beiden Mannschaften. Das Match soll wiederholt werden.
Doch eigentlich ging es gar nicht so sehr um die Leistung auf dem grünen Rasen, sondern um die Geste. Und das Fußballspiel war ein Akt der Völkerverständigung, ein Akt lebendiger und ungezwungener Integration ohne Sprachbarriere. Denn bei der schönsten Nebensache der Welt kamen sich die Menschen der verschiedenen Kontinente ganz nahe.