Die Anklage hatte es in sich: Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Führerschein, Unfallflucht und vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr musste sich ein 52-jähriger Ingenieur aus dem nördlichen Bayreuther Landkreis vor dem Amtsgericht in Kulmbach verantworten. Er sei zwar der Halter des Fahrzeugs, ist aber gar nicht gefahren, sagte er vor Gericht. Gefahren sei ein geheimnisvoller Dritter, den er als Fahrer beschäftigt hatte.


Der ominöse Ukrainer

Dumm nur, dass es von diesem ominösen Dritten nichts gibt, keine Adresse, keine Telefonnummer, nichts. Irgendwo in der Ukraine soll er wohnen, sagte der Angeklagte. Vorerst kam der Mann mit dieser Version durch. Grund dafür ist, dass Richterin Sieglinde Tettmann weitere Polizeibeamte vorgeladen hatte und dem Angeklagten aufgab, die Telefonnummer des Fahrers aus der Ukraine sowie die eines Mittelsmannes zu besorgen. Auch von dem Mittelsmann war dem Angeklagten nämlich nur ein Spitzname bekannt. Weil der Angeklagte und sein Verteidiger nachweislich über Weihnachten im Urlaub sind, musste der Prozess ausgesetzt werden. Ein neuer Termin wird nun von Amts wegen bestimmt.

Was war geschehen? Am Abend des 12. Dezember 2014 wurde der Wagen des Angeklagten am Schießgraben ausgeparkt und stieß dabei gegen den vorderen Kotflügel und die Tür eines BMW, der einer 25-jährigen Kulmbacherin gehörte. Den Schaden bezifferte die Fahrerin später auf rund 1500 Euro. Anstatt anzuhalten, fuhr der Opel mit Bayreuther Kennzeichen weiter, und zwar blitzschnell stadtauswärts in Richtung Wolfskehle. Polizeibeamte stellten später zu Hause beim Angeklagten eine Blutalkoholkonzentration von über 1,9 Promille fest. Außerdem stellte sich heraus, dass der Angeklagte schon seit Jahren keinen Führerschein mehr hatte.
Dumm nur für den Angeklagten war, dass es Zeugen gibt. Zwei junge Männer aus Kulmbach hatten das Ganze zufällig beobachtet und sofort die Polizei verständigt. Sie hätten sogar noch die Lichthupe betätigt und gewinkt, doch der Fahrer des Bayreuther Wagens sei blitzschnell abgedüst. "Das war nicht nur ein Kratzer, das war ein heftiger Anstoß", sagte der 27-jährige Zeuge.


Zeugen wollen den Angeklagten erkannt haben

Relativ sicher war sich der junge Mann, dass der Angeklagte am Steuer saß. "Eine Ähnlichkeit ist auf jeden Fall da", so der Zeuge. Auch auf einer vorgelegten Bildtafel hatten beide Zeugen unabhängig voneinander jeweils zwei Personen benannt, die als Verursacher des Unfalls infrage kommen könnten. Einer davon war jeweils der Angeklagte.

Der Angeklagte blieb aber trotzdem bei seiner Version, dass der Mann aus der Ukraine, der schon öfter Fahrdienste für ihn übernommen hatte und der ihn auch künftig hätte fahren sollen, den Unfall verursacht haben soll. Nur leider habe er keinen Kontakt mehr zu dem Mann, sagte der Angeklagte. Er habe ihm mitgeteilt, dass er diesen Unfall verursacht habe, von da an habe er nichts mehr von ihm gehört.


Nur widerwillig zugestimmt

Richterin Sieglinde Tettmann konnte es sich nicht verkneifen, es "geschickt" zu nennen, dass der angebliche Fahrer in der Ukraine leben soll. Ein Polizist bestätigte, dass es mit der Ukraine kein Abkommen gebe, nach dem dort Personenfeststellungen möglich sind. Nur widerwillig stimmte der Angeklagte zu, die Telefonnummern des ukrainischen Fahrers und des Bekannten aus Magdeburg zu besorgen, der ihm den Fahrer vermittelt hatte. Der Bekannte könnte zumindest bestätigen, dass es den Ukrainer gibt. Außerdem sollen weitere Polizeibeamten geladen werden, die mit den Ermittlungen betraut waren. Da der Fortsetzungstermin innerhalb der gesetzlichen dreiwöchigen Frist scheiterte, muss nun ein neuer Termin von Amts wegen bestimmt werden.