Ende April 1986 war bei uns in Franken die Welt in Ordnung. Der 1. FC Nürnberg trug noch den Titel Deutscher Rekordmeister, in Kulmbach gab es noch fünf eigenständige Brauereien, es herrschte bestes Biergartenwetter. . Dann passierte der GAU - Tschernobyl.

Als damals Elfjähriger hat man den Unglückstag 26. April 1986 nicht mehr groß in Erinnerung. Warum auch? Die Hiobsbotschaft aus der Ukraine erreichte Deutschland ja erst drei Tage später.

Im Gedächtnis geblieben ist einem vor allem eine Folge der Reaktorkatast rophe. Blaubeeren waren nämlich fortan für uns tabu. Die leckeren Früchte, die wir Kinder immer mit den Großeltern am Rehberg gesammelt und die wir vor allem auf dem Kuchen so geliebt haben.

Dabei hatte die Bayerische Staatsregierung noch ausdrücklich vor Hysterie gewarnt. Nirgendwo in Bayern bestehe wegen Tschernobyl Grund zur Sorge. Der damalige bayerische Umweltminister Alfred Dick (CSU) tunkte demonstrativ seinen Finger in stark verstrahlte Molke ("Des tut mir nix"), schleckte ihn ab und betonte: "Der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl hat zu keiner Zeit (...) zu einer Gefahr für die Bevölkerung in Bayern geführt." Natürlich. Und im Bayerischen Wald müssen die Jäger heute noch abgeschossene Wildschweine als Sondermüll entsorgen.

Also, auf geht's, Politiker! Nehmt mal einen großen Schluck aus der Glyphosat-Pulle!