Gottfried Winter steht auf seinem Balkon, hält eine rote Lichtkanone in die Höhe. Er stellt die Situation nach, wie sie sich am 30. November gegen 22.15 Uhr abgespielt hat. Der 83-Jährige hat nämlich einen Einbrecher, der sich Zugang ins Café Kitsch verschaffen wollte, in die Flucht geschlagen.

"Im Fernsehen lief nix Gescheites, da hab' ich mich ins Bett gelegt", erinnert er sich. "Und dann hab' ich etwas klappern hören. Da hab' ich mir meine Lichtkanone geschnappt, hab' die Balkontüre vorsichtig aufgemacht und bin auf den Balkon. Ich hab' runter in den Hof geleuchtet. Das Gesicht hab' ich nicht erkannt, aber die Haare waren kurz und, ich denke, blond. Die können aber auch nur durch das Licht so hell ausgesehen haben. Der Kerl ist dann weggerannt", erzählt Gottfried Winter, der von den meisten Gästen liebevoll "Kitsch-Opa" genannt wird und der Vater der Inhaberin Sonja Welsch ist.

Sofort hat er die Verfolgung aufgenommen, ist die Treppen von seiner Wohnung hinunter in den Hof geeilt. "Ich hab' dann nur gesehen, dass er in einen grauen, langen Bus ohne Aufschrift gestiegen und ohne Licht in Richtung Stadt gefahren ist." Ein Kennzeichen konnte Gottfried Winter nicht erkennen. Doch er hat sofort die Polizei angerufen: "Die 5030 - das ist die einzige Nummer, die ich mir merke."


Angst hatte der "Kitsch-Opa" nicht

Mit einem Stein hatte der Mann eine Fensterscheibe im Bereich der Waschküche eingeworfen, aus einem dahinter stehenden Bierkasten eine Flasche genommen und versucht damit die Scheibe noch weiter durchzuschlagen. Das war wohl der Moment, indem er von Gottfried Winter gestört wurde.

Angst hatte der "Kitsch-Opa" bei der Sache nicht, vielmehr wirkt er fast ein wenig enttäuscht, den Täter nicht gestellt zu haben. "Die Leute sollen aufmerksam sein, vielleicht hat jemand zu dieser Zeit Beobachtungen gemacht oder jemandem ist der Bus aufgefallen. Es fährt doch eigentlich immer mal ein Auto der Rodacher Straße entlang", sagt der 83-Jährige.

"Er ist vom alten Schlag, schnell und furchtlos", freut sich Markus Welsch über seinen wachsamen Schwiegervater. Schon zwei Mal zuvor habe sich jemand erfolgreich Zutritt zu den Kitsch-Räumlichkeiten verschafft. "Das war der dritte Fall innerhalb von einem Monat", berichtet Welsch, der die Sicherheitsvorkehrungen nun verschärft hat.


"Je länger die Nächte sind, desto mehr Einbrüche gibt es"

Das hat auch Heinz Schmidt getan, in dessen Einrichtungsgeschäft "AWK" Mitte Dezember ebenfalls eingebrochen wurde. "Die Täter ließen sich quasi ins Geschäft einsperren. Wir haben das nicht bemerkt, sondern erst am Tag darauf, als die Kasse ausgeleert auf dem Schreibtisch lag und die Säula mit dem Weihnachtsgeld für Mitarbeiter und Familienangehörige gefehlt haben." Sogar aus den Firmenautos des Unternehmers wurden verschiedene Sachen geklaut. "Zwei Tage später hat man es nochmal probiert" - dann sogar mit Gewalt, weil Schmidt einen Zylinder in die Tür hat einbauen lassen. Den Diebstahl mit eingerechnet, sei Schmidt ein Schaden von insgesamt etwa 5000 Euro entstanden. Diese Täter konnten von der Polizei aber gestellt werden. "Bei einem Unfall hat man in dem Auto die Schlüssel sowie Biermarken fürs Schützenfest gefunden, die bei mir gestohlen wurden. Und durch eine Videokamera, die ich bereits im Geschäft hatte, hat man die Täter wiedererkannt", erklärt Schmidt. Er weiß auch von weiteren Einbrüchen in Kronach zu berichten.

Heinrich Weiß, dem stellvertretenden Leiter der Polizeiinspektion Kronach, sind die Fälle beim Café Kitsch und im Geschäft von Heinz Schmidt bekannt. Bei letzterem habe eine Klärung herbeigeführt werden können, sagt er. Von einer Einbruchserie will er nicht sprechen. Er verweist darauf, dass in anderen Landkreisen nicht weniger Einbrüche stattfänden. Beide Vorfälle seien seiner Meinung nach auch nicht unbedingt miteinander in Verbindung zu bringen. Im Herbst/Winter gebe es sicherlich mehr Einbrüche als sonst. "Je länger die Nächte sind, desto mehr Einbrüche gibt es", weiß er aus seiner langjährigen Erfahrung bei der Polizei. Er rät, sich zuhause oder in seinem Geschäft umzuschauen und sich Gedanken zu machen, wo eventuelle Schwachstellen sein könnten. Und zudem verweist er auch auf die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle in Coburg, die Tipps gibt, wie man seine Gebäude sicherer machen kann, damit es Einbrecher zumindest nicht so leicht haben.

Die Inhaber des Café Kitsch haben sich derweil noch andere Gedanken gemacht, um dem in die Flucht geschlagenen Einbrecher auf die Spur zu kommen: "Wer Beobachtungen gemacht hat oder Hinweise geben kann, soll sich bitte melden. 100 Euro warten als Belohnung", sagt Markus Welsch.


Tipps, die es Einbrechern nicht so leicht machen

Eugen Hügle von der Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle in Coburg hat zehn Tipps, wie man sich vor Einbrechern schützen kann:

Schließen Sie bei jedem Verlassen alle Fenster und Türen. "Ein gekipptes Fenster ist ein offenes. Das lässt sich ganz einfach mit dem Schraubenzieher aushebeln und ist damit eine Einladung par excellence für Einbrecher", sagt Eugen Hügle. Ziehen Sie Keller- und Haustüren nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie diese immer zweifach ab. Häufig gekippte Fenster (z.B. WC-Fenster) können mit einem Fenstergitter gesichert werden.

Sorgen Sie bei längerer Abwesenheit dafür, dass jemand Ihren Briefkasten leert. Für viele Einbrecher ist der überfüllte Briefkasten ein Indiz für eine "leerstehende" Wohnung.

Vermeiden Sie es, auf Ihrem Anrufbeantworter Abwesenheitszeiten zu benennen.
Hinweise auf eine urlaubsbedingte Abwesenheit könnten Einbrecher regelrecht als Einladung verstehen.

Treffen Sie Vereinbarungen mit Nachbarn oder Verwandten. Vereinbaren Sie, dass Rollläden tagsüber hochgezogen werden und abends das Licht eingeschaltet wird.

Bewahren Sie Bargeld und Wertsachen sicher auf. Einfache Möbeltresore bieten keinen ausreichenden Schutz. Größere Geldbeträge und wertvoller Schmuck sind am sichersten bei Ihrem Geldinstitut im Schließfach aufgehoben.

Fertigen Sie außerdem eine Wertsachenliste an, in der Sie Ihre Wertsachen registrieren. Das erleichtert der Polizei die Fahndung und hilft auch der Versicherung beim Ermitteln des gestohlenen Werts.

Seien Sie wachsam und melden Sie verdächtige Personen oder Fahrzeuge in Ihrem Wohngebiet der Polizei. Stellt sich der Verdacht als unbegründet heraus, hat das für Sie als Mitteiler keinerlei Folgen. Teilen Sie Ihre Beobachtung der Polizei unter der Notrufnummer der Polizei, 110, telefonisch mit.

In keinem Fall sollten Sie selbst tätig werden. Damit bringen Sie sich nur selbst in Gefahr.

Bemerken Sie einen Einbrecher in Ihrem Haus, dann machen Sie sich möglichst auffällig bemerkbar. Schalten Sie Licht an oder rufen Sie einmal, ob da wer ist. Versuchen Sie dann, so schnell wie möglich die Notrufnummer der Polizei, 110 anzurufen.

Türen und Fenster sollten mindestens Widerstandsklasse 2 haben. Diese bieten einen guten Einbruchschutz. Denn bei einem solchen Fenster ist sichergestellt, dass es keine Schwachstellen gibt - weder bei Rahmen, noch bei Beschlag oder Verglasung.

Der Einbruchschutz für Türen und Fenster kann auch nachgerüstet werden. Bei einem Fenster ist es mit abschließbaren Fenstergriffen alleine aber nicht getan, weil sie keinen Schutz gegen das Aufhebeln der Fensterflügel bieten. Ihre Anwendung ist nur in Verbindung mit einem einbruchhemmenden Fensterbeschlag sinnvoll.

Weitere Informationen zum Thema Einbruch gibt es unter www.polizei.bayern.de oder www.nicht-bei-mir.de