Hans Weggel aus Großenhül war am Montag mit 83. Jahren der Älteste, der von Bürgermeister Andreas Pöhner eine Ehrenamtskarte erhielt. Seit jungen Jahren engagiert er sich bis heute bei "seiner" Feuerwehr: "Ich bin nach dem Krieg als 14-jähriger zur Feuerwehr gekommen, weil keiner der Männer im Ort war", erinnert er sich. Und: "Ich habe auch einige Brände mitgemacht, allein drei in unserem Ort. Die Feuerwehr war mein Leben, und ich bin heute noch aktiv, wenn was los ist. Auch wenn ich schon 83 bin, aber ich kenne mich aus."

Weggel gehört zu den 170 Personen, die am Montagabend im Festzelt der Feuerwehr Zedersitz von Landrat Klaus Peter Söllner (FW) im Beisein der Bürgermeister sowie der Landtagsabgeordneten Martin Schöffel, Ludwig von Lerchenfeld (beide CSU) und Inge Aures (SPD) die Bayerische Ehrenamtskarte erhielten. Söllner sprach von einer unglaublichen Zahl, denn damit seien schon fast 1500 Karten im Landkreis Kulmbach im Umlauf.

"Bunte Ehrenamtsvielfalt"

An die Adresse der neuen Karteninhaber sagte der Landrat: "Sie alle repräsentieren die bunte Ehrenamtsvielfalt unseres Landkreises. Von den 22 Städten, Märkten und Gemeinden sind heute 18 vertreten. Viele Engagierte in den Rettungsorganisationen stehen dahinter, Menschen, die sich im sozialen Bereich, in der Jugendarbeit, im Sport, im kulturellen Bereich, im Tierschutz, Umwelt- und Naturschutz in überdurchschnittlicher Art und Weise einbringen." Bayernweit seien schon über 70 000 Ehrenamtskarten ausgegeben worden.

Söllner machte deutlich, dass alle Frauen und Männer, die sich im Ehrenamt engagieren, mehr als ihre Pflicht tun, dafür aber keine Gegenleistung erwarten: "Sie setzen sich in den unterschiedlichsten Bereichen für das Gemeinwohl ein und gestalten den Landkreis Kulmbach in seinen vielen Facetten maßgeblich mit. Für sie ist es keine Frage, sich dort, wo sie zu Hause sind, freiwillig zu engagieren und Verantwortung auch für andere zu übernehmen."

"Mit Taten bedanken"

Überwältigt zeigte sich Söllner von der großartigen Resonanz auf die Ehrenamtskarte seit ihrer Einführung im Landkreis im Mai 2013. "Die Ehrenamtskarte bietet uns als kommunalpolitisch Verantwortliche die Möglichkeit, uns nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten für ihr Engagement zu bedanken. Und das ist uns, insbesondere auch mir, ein Herzensanliegen", betonte der Landrat.

Wie enorm wichtig ehrenamtliches Engagement ist, werde manchem oft erst bewusst, wenn besondere Ereignisse in den Focus der Öffentlichkeit rücken. Als Beispiel nannte Söllner die Rettungsaktion im Berchtesgadener Land. Doch auch die Menschen, die in steter Regelmäßigkeit oft ganz im Stillen unheimlich wertvolle Leistungen im Ehrenamt erbringen, seien für das Zusammenleben in unseren Städten, Märkten und Gemeinden tragende Säulen. "Viele Bürger sind verwurzelt in einem lebendigen Vereinsleben, engagieren sich oft parallel in verschiedenen Bereichen. Der Zusammenhalt in den Dörfern ist gegeben, ehrenamtliche Arbeit wird facettenreich an vielen Stellen im Landkreis sichtbar", sagte der Landrat und schob ein abschließendes Lob nach: "Sie sind unersetzbare Stützen unserer Gesellschaft. Ihr ganz persönlicher ehrenamtlicher Einsatz verdient höchsten Respekt und Anerkennung."

Zu den neuen Inhabern der Ehrenamtskarte gehört auch das Ehepaar Erwin und Inge Tischer aus Himmelkron. Während sie den Vorsitz im Förderkreis zur Erhaltung und Verschönerung der Kulturlandschaft inne hat, übt ihr Mann seit der ersten Stunde im Förderkreis das Amt des Schriftführers aus. Inge Tischer verrät das "Geheimnis": "Nur so haben wir unsere ehrenamtliche Tätigkeit mit der Familie zusammen geschafft. Wenn man als Ehepaar und Familie die selben Interessen hat, dann ist die Familie auch nicht getrennt. Wir haben uns aber auch über die Vereine in der Gemeinde nach unserem Zuzug integriert."

Erwin Tischer kam über den Tennissport dazu: "Ich bin gleich zum TSV und habe mit Dieter Hornfeck die Jugendarbeit im Verein begonnen. Inzwischen mache ich in diesem Jahr die 32. Schülerolympiade, aber nicht - wie man so schön sagt -, weil man etwas dafür kriegt. Man freut sich aber trotzdem, wenn man sieht, dass es in irgendeiner Form gewürdigt wird."
Die 500. Goldene Ehrenamtskarte ging an diesem Abend an Wolfgang Schleicher, den zweiten Bürgermeister des Marktes Wonsees. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Dua "Goletz und Goletz", wobei der "Frankensima" auch mit einer kabarettistischen Einlage begeisterte. Die Moderation übernahm Joffrey Streit.