Wegen zweifachen Diebstahls musste sich am Donnerstag eine 76-jährige Kulmbacherin vor Gericht verantworten. Sie hatte im August im Abstand von einer Woche in einer Apotheke zwei Mal Cremes und weitere Artikel im Gesamtwert von rund 70 Euro eingesteckt und war dabei von der Überwachungskamera gefilmt worden.

Aus dem Augenwinkel

Die Angeklagte hatte sich in die Apotheke begeben, um dort eine Bestellung abzuholen. "Aus dem Augenwinkel sah ich, dass sie etwas in ihrer Tasche verschwinden ließ", sagte eine Angestellte der Apotheke aus, die als Zeugin geladen war.

Unter einem Vorwand sei die Angestellte dann in den hinteren Bereich der Apotheke gegangen, um sich das Überwachungsvideo zeigen zu lassen. "Und just als ich mit meinen Kolleginnen das Video ansah, steckte sie noch einen zweiten Artikel ein."

Überwachungskamera fördert Überraschendes zutage

Sie habe die Angeklagte gefragt, ob sie einen Blick in ihre Tasche werfen dürfe, woraufhin sie einen Artikel wieder zurückgegeben und eine Creme bezahlt habe, so die Zeugin weiter.

Allerdings ließen die Mitarbeiter das Überwachungsvideo eine Weile zurückspulen und mussten feststellen, dass die Angeklagte bereits eine gute Woche zuvor unbemerkt drei Artikel gestohlen hatte. Der Geschäftsführer erstattete daraufhin Anzeige und erteilte der bis dahin guten Kundin ein Hausverbot.

"Es tut mir sehr leid"

"Ich verstehe gar nicht, was da in mich gefahren ist", sagte die Rentnerin vor Gericht reumütig. Sie habe sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen und mit der Sache immer noch zu kämpfen. "Mir ging es aber auch gesundheitlich nicht sehr gut, es tut mir sehr leid." Die gestohlene Ware hätte sie problemlos bezahlen können, gab sie auf Anfrage von Richterin Sieglinde Tettmann an.

Aufgrund der eindeutigen Beweise und des vollumfänglichen Geständnisses beantragte die Staatsanwaltschaft eine Gesamtstrafe in Höhe von 35 Tagessätzen zu je zehn Euro. Richterin Tettmann entsprach dem Antrag und hielt der Angeklagten zugute, dass sie ein Geständnis abgelegt und zum Tatzeitpunkt unter gesundheitlichen Problemen gelitten habe. "Dennoch handelt es sich um eine Vorsatztat", sagte die Richterin. Die Angeklagte nahm das Strafmaß als gerechtfertigt hin. "Hadern Sie nicht mehr mit sich", gab ihr Richterin Tettmann mit auf den Weg, "man kann sich selbst auch mal verzeihen."