Eigentlich deutete bei der gestrigen Verhandlung am Amtsgericht alles auf eine nochmalige Bewährung hin, denn Staatsanwalt Stefan Grawe hatte in seinem Plädoyer für einen 41-jährigen Kulmbacher, der seinen Arbeitgeber bestohlen und auch Rechnungen gefälscht hatte, eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Doch das war Richterin Nicole Allstadt noch zu milde, sie verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten - ohne Bewährung.

Der Angeklagte hatte in 26 Fällen Modellbaufahrzeuge aus einem Unternehmen im Landkreis gestohlen und weiterverkauft. Das Diebesgut hatte einen Wert von 14 666 Euro. Die Straften beging er im Zeitraum von August 2011 bis September 2012, und zwar immer nach dem gleichen Strickmuster. Er erstellte fiktive Aufträge, wobei die Adressaten zu 80 Prozent erfunden waren, nahm die vermeintlich bestellte Ware dan an sich und verkaufte die so erschlichenen Modellfahrzeuge auf auf Messen und Börsen weiter.

Der Angeklagte gab die Straftaten (bis auf den Diebstahl eines Monstertrucks im Wert von 800 Euro) unumwunden zu und sagte: "Es tut mir leid, aber ich habe aus einer Not heraus gehandelt." Dem Vater von sechs Kindern seien oft Lohnerhöhungen versprochen, aber nicht erteilt worden. Zudem habe er häufig Überstunden machen müssen, die er aber nicht bezahlt bekam. Die Arbeit selbst habe ihm aber großen Spaß gemacht.


Auch andere haben gestohlen

Inzwischen laufen auch gegen weitere Mitarbeiter des Unternehmens Strafverfahren, die nach den Aussagen des Angeklagten ebenfalls Modellbaufahrzeuge gestohlen haben sollen.

Der Unternehmer bezifferte im Zeugenstand die Höhe des Diebesgutes gar auf über 20 000 Euro und war der Meinung, dass vorsichtigen Schätzungen zufolge weitere 10 000 Euro hinzukommen. Dem Angeklagten bescheinigte er aber, dass er ein "super Mitarbeiter" war, mit dem er auch ein enges, vertrautes Verhältnis hatte. Er sei deshalb umso enttäuschter.

Wie aus dem Bundeszentralregister zu ersehen war, ist der Angeklagte wegen Betrugs in 26 ähnlichen Fällen vorbestraft. Der 41-Jährige hatte dafür eine Bewährungsstrafe bekommen, deren Zeitraum unmittelbar vor den erneuten Straftaten abgelaufen war.

Inzwischen habe sich aber die finanzielle Situation in seiner Familie erheblich verbessert, denn nicht nur der Angeklagte, sondern auch seine Ehefrau gehen einer geregelten Arbeit nach und zwei Kinder stehen in beruflicher Ausbildung.

Verteidiger Andreas Lindner versuchte die Beweggründe seines Mandanten zu erklären: "Er stand mittellos auf der Straße und seine Familie hat am Hungertuch genagt." Es sei ihm auch zugute zu halten, dass er über Gebühr an der Aufklärung mitgewirkt habe.

In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte: "Es tut mir leid und es wird nicht mehr vorkommen."

Richterin Nicole Allstadt machte in der Urteilsbegründung deutlich, warum sich das Gericht gegen eine erneute Bewährungsstrafe entschieden hat: "Das Problem ist, dass Sie schon einmal wegen Betruges in Erscheinung getreten sind und jetzt erneut Straftaten begangen haben, und zwar in einem Umfang, die erschreckend sind."