Am 29. September 1893 wurden mit einer Obstschau im Kulmbacher Vereinshaus die letzten Gründungsimpulse für den Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Kulmbach gesetzt, und exakt 125 Jahre später feierte er am Samstagabend ein großes Jubiläum in der Kulmbacher Stadthalle. Freilich hieß er damals noch anders: Als "Bezirksobstbauverein Kulmbach Stadt und Land" wurde er von Bürgermeister Wilhelm Flessa 1893 aus der Taufe gehoben. Auch der Zweck des Obstbauvereins unterschied sich von der heutigen Arbeit - es ging tatsächlich rein um den Obstbau, über Blumen und Gartenbau dachte damals noch niemand nach.

"Zu jener Zeit, in der Epoche der Aufklärung, war der Obstbaum ein Lieblingskind der Eliten", erklärte Kreisheimatpfleger Günter Dippold in seinem Festvortrag. "Obstbäume sollten Fernstraßen säumen, bei Schulen wurden sogenannte Industriegärten angelegt."

Der Obstanbau ist auch heute noch Aufgabe der 55 Gartenbauvereine im Landkreis Kulmbach, die knapp 7000 Mitglieder umfassen. Doch damit ist das Spektrum bei weitem nicht erschöpft. Ein naturnaher Gartenbau, biologischer Pflanzenschutz, Dorfverschönerung und Ernährung spielen eine ebenso große Rolle wie das Vermitteln von Wissen, eine gesunde Ernährung und die Jugendarbeit.

Wie vielseitig die Aufgabenbereiche eines Gartenbauvereins sind, zeigten die Mitglieder der Hutschdorfer Jugendgruppe "Maulwürfe" unterhaltsam auf der Bühne. "Die Jugendarbeit ist insbesondere im digitalen Zeitalter dringend notwendig", sagte der Kreisvorsitzende Günter Reif, und auch OB Henry Schramm betonte, wie wichtig Erlebnisse in der Natur für das Leben seien. "Das Kastaniensammeln war für uns Kinder eine Riesensache, ich bezweifle, dass man mit Smartphone & Co. ähnlich viel Freude sammeln kann." Schramm versprach, zusammen mit Landrat Klaus Peter Söllner zum Jubiläum zwei Bäume zu pflanzen. "Wo die stehen sollen, entscheidet der Kreisverband", ergänzte Landrat Söllner und hob die besondere Bedeutung der Gartenbauvereine für die Dörfer hervor. "Der Kreisverband steht für Ökologie, Schönheit des Gartens und Grünflächen im Dorf."

Dass dies ein echtes Anliegen der vielen Gartenbauvereine im Landkreis ist, daran ließ auch Kreisgeschäftsführer und Fachberater Friedhelm Haun keinen Zweifel. Er führte die vielen Besucher mit einem Bildvortrag durch die lange Geschichte des Kreisverbands und berichtete unter anderem von der Notwendigkeit der Selbstversorgung nach dem Krieg. "Früher kam alles aus dem Garten, für den Winter wurde es eingedost." Ende der 50er Jahre habe sich jedoch der Nutzgarten hin zu einem Zier- und Wohngarten verwandelt.

"Die Natur hat Bestand, sie war schon vor uns da und wir müssen uns an ihr orientieren", plädierte der Fachmann für Obst- und Nussbäume. Deshalb gebe es für die Gartenbauvereine den Ansporn, nicht nachzulassen, damit unsere Heimat schön und lebenswert bleibe. Dazu gehöre es auch, die neuen Bürger in unseren Vereinen zu begrüßen, ergänzte der Präsident des bayerischen Landesverbandes, Wolfram Vaitl. "Wir müssen den eklatanten Rückgang an Insekten stoppen, das sind wir unseren Kindern und Enkeln schuldig", schloss Günter Reif den gelungen Festakt, der feierlich von den Turmbläsern des Musikvereins Thurnau umrahmt wurde.