Das neue Ensemble der Rosenbergfestspiele und die Kronacher sind Freunde geworden. Das "Wirtshaus im Spessart" und das "Dschungelbuch" locken viele Zuschauer an. Tourstikchefin Kerstin Löw freut sich, dass das Ergebnis des Vorjahres bereits überschritten ist. Dabei steht eine Premiere noch aus: Das dritte Stück der Reihe, die klassische Komödie "Mirandolina" von Carlo Goldoni in der Bearbeitung von Anja Dechant-Sundby, wird am Mittwoch, 27. Juli, zum ersten Mal aufgeführt.

Zwei der Schauspieler haben fränkische Wurzeln: Klaus Meile - bisher zu sehen als Steuereintreiber, Graf von Schönau und Bär Balu - wurde in Bayreuth geboren und lebt in Nürnberg. Harald Pilar von Pilchau - Hanswurst, Lachhyäne Larius, Tiger Shir Khan, Schlange Kah, Elefantenopa und Affenkönig - wurde in Erlangen geboren und lebt in Bayreuth.

Ihr Berufsweg führte die beiden kreuz und quer durch die Bundesrepublik und in diesem Sommer nach Kronach. Den Anruf des künstlerischen Leiters Stefan Hauf, habe er einen Tag vor Weihnachten erhalten, erzählt Klaus Meile: "Da musste ich nicht lange überlegen!"


Allrounder

Entscheidend war für ihn die Stückeauswahl, denn welche Rollen er spielen würde, stand von vornherein nicht fest. "Im Dschungelbuch hätte ich mir auch einen Elefanten vorstellen können oder Shir Khan", sagt er.

Meile spielt nicht nur, er kann auch singen. Seine Ausbildung zum Schauspieler und Sänger absolvierte er am Konservatorium und dem renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Harald Pilar von Pilchaus Lebensmittelpunkt ist Bayreuth. Im Winterhalbjahr aber arbeitet er vor allem an den Bühnen in Stuttgart, im Alten Schauspielhaus oder an der Komödie im Marquardt. Auch er ist ein Allrounder mit Ausbildung in Gesang und Tanz. Er stand als Papageno auf der Bühne, als Bobby Kennedy und als Jago - eine seiner Lieblingsrollen.

Beim Fachsimpeln sind die beiden Schauspieler so richtig in ihrem Element: "Spielt Othello wirklich die Hauptrolle oder ist nicht Jago die eigentlich faszinierende Gestalt, und warum verzweifeln Schauspielerinnen an der statisch angelegten Figur der Desdemona?"

Das ist die romantisch-idealistische Seite des Berufs. Bei der anderen geht es ums Geschäft. Zwei Drittel der Schauspieler in Deutschland verdienen nicht mehr als 30 000 Euro im Jahr. Pilar von Pilchau erweist sich als gewiefter Taktiker: "Man braucht eine persönliche Strategie und muss sich frühzeitig Gedanken um die Rente machen." Daher ist er sehr froh, dass er über langjährige Beziehungen in Stuttgart verfügt. "Treue und Verbindlichkeit über 15 bis 20 Jahre helfen bei der Freiberuflichkeit", sagt er.

Für viele Schauspieler ist professionelle Selbstvermarktung überlebenswichtig. Beim Casting für Rollen müsse man bisweilen dreist sein, meint Klaus Meile. "Selbstbewusst", sagt Harald Pilar von Pilchau.

Im Sommer arbeite er übrigens nur ausnahmsweise, verrät er. Da gäbe es nämlich noch jede Menge anderer Dinge, die Spaß machten. Tango tanzen, Reisen oder Boule spielen.

Kronach ist sein dritter Ausflug auf eine Freilichtbühne. Theater unter freiem Himmel ist ein Abenteuer, da sind sich beide einig.

Zwar hatte man bisher Glück mit dem Wetter, dafür hakt es bisweilen an der Technik. Dass die Schauspieler mit Mikroports arbeiten, ist eine bittere Pille für Pilar von Pleichau: "Wir haben alle eine Sprechausbildung. Die eigene Stimme können wir jederzeit kontrollieren, die Technik nicht."

Ansonsten passe das Drumherum und biete den Schauspieler einen tollen Rahmen, um jeden Abend inspiriertes und lebendiges Theater spielen zu können. In einer Woche steht die letzte Premiere an. Klaus Meile schwärmt von "Mirandolina" als Meisterwerk, einer Screwball-Komödie mit intelligenten und witzigen Dialogen. Pilar von Pilchau reizen die verschiedenen Spielarten von "Mann sein".

Mirandolina leitet eine Badeanstalt. Sie und ihre Belegschaft sind typische Vertreter des einfachen Volks. Sie werden beehrt von drei "großkopferten" Adligen, die auf einem Wellnesstrip sind. Alle fliegen auf Mirandolina, die mit den Männern spielt als seien sie Marionetten. Harald Pilar von Pilchau gibt den neureichen Grafen Albafiorita, Klaus Meile ist als Ritter von Ripafratta zu sehen, der als Einziger Mirandolinas Reizen zu widerstehen scheint ...